Stärkere Konzentration auf potenzielle Inflationsgefahren
Die Kapitalmarktzinsen steigen kräftig

Die Renditen an den Finanzmärkten sind am Montag stark gestiegen. Entsprechend fielen die Kurse. Händler begründeten dies vor allem mit der Erleichterung darüber, dass sich der Hurrikan in den USA letztlich doch nicht als die von vielen befürchtete Bremse für das Wachstum der US-Wirtschaft erwiesen hat. Diese Erleichterung war nicht nur am US-Bondmarkt, sondern auch an den Rentenmärkten in Europa festzustellen.

FRANKFURT/M. Der Dezember-Bund-Future – Indikator für das Klima an Europas Anleihemärkten – wurde bei 122,77 Prozent um 63 Basispunkte niedriger ermittelt. Die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnde Rendite der Staatsanleihen stieg in Europa im Zehnjahresbereich auf 3,12 (3,06) Prozent. Ohne Einfluss auf das Geschehen blieb die Nachricht, dass das Bundesfinanzministerium keine Gefahr für eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands sieht.

Die Ratingagentur S&P hatte zuletzt erklärt, das Programm der künftigen Regierung entscheide darüber, ob Deutschland das „AAA“-Rating – die höchste Bonitätsstufe – behalte. Die Renditedifferenz zu zehnjährigen US-Staatsanleihen fiel auf 118 Basispunkte. Sie lag damit aber weiter in der Nähe eines vor kurzem erreichten Fünfjahreshochs von 122 Basispunkten. Denn in den USA warfen zehnjährige „Treasuries“ eine Rendite von 4,30 Prozent, nachdem sie am vergangenen Freitag mit 4,25 Prozent rentierten.

Noch Ende vergangener Woche hatte die Aufmerksamkeit der Anleger dem Hurrikan „Rita“ und in diesem Kontext der Entwicklung der Rohölpreise gegolten. Nachdem der Wirbelsturm jedoch bei den Ölraffinerien in Texas keine größeren Schäden angerichtet hatte, fokussierten die Investoren ihr Augenmerk wieder stärker auf die als Bestimmungsfaktor für die Anleiherenditen zuletzt vernachlässigte Inflationsgefahr. In Europa und den USA hatten Experten aus jüngst veröffentlichten Teuerungsdaten Gefahren für die Preisstabilität herausgelesen.

Daher achten Marktteilnehmer in diesen Tagen sehr genau auf aktuelle Aussagen von Währungspolitikern. „Die beiden anstehenden Auftritte von US-Notenbankchef Alan Greenspan vor der American Banker Association und der National Association for Business Economics werden mit großer Spannung erwartet“, sagte Thomas Weidmann von der Helaba.

Am Markt für Neu-Emissionen verlief das Geschäft ruhig. Von deutscher Seite war die Deutsche Bank mit der Aufstockung einer Anleihe um 1,5 auf 5,0 Mrd. isländische Kronen aktiv. Zudem stockte das Bundesland Nordrhein-Westfalen einen Bond um 125 Mill. Euro auf. Die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden emittierte einen Pfandbrief über 300 Mill. Euro. Emissionspläne äußerten Kommunalbanken Norway und Irish Nationwide BS. Am Markt für Unternehmensanleihen wurde berichtet, dass Credit Default Swaps (CDS) des Autobauers VW nach dem Bericht über die Kapitalbeteiligung von Porsche um drei auf 46 Basispunkte gefallen sind. Dies heißt: Wer sich gegen den Zahlungsausfall einer VW-Anleihe von nominal 100 Mill. Euro versichern will, muss am Markt für Kreditderivate 460 000 Euro einsetzen.

Bei den Emerging-Market-Bonds fiel die starke Haltung von Türkei-Bonds auf. Im Vorfeld der ab 3. Oktober geplanten Gespräche über einen möglichen EU-Beitritt stieg der Kurs der 2030 fälligen Dollar-Benchmarkanleihe um 31 Basispunkte auf 146,438 Prozent, was einer Rendite von 7,64 Prozent entspricht. Die DZ Bank stuft Türkei-Bonds weiter mit „kaufen“ ein.

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