Standard & Poor's
Griechenland ist teilweise zahlungsunfähig

Der griechische Schuldenschnitt zeigt Wirkung. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat ihre Ankündigung wahr gemacht und Griechenland herabgestuft. Das Land gilt jetzt als teilweise zahlungsunfähig.
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DüsseldorfDie US-Ratingagentur Standard & Poor's hat ihre Ankündigung in die Tat umgesetzt und Griechenland mit Bekanntgabe des Schuldenschnittangebots auf teilweise zahlungsunfähig („selective default“ - SD) gestuft.

Die Bonitätswächter begründen dies damit, dass die griechische Regierung die Anleger notfalls per Gesetz zwingen könnten, den Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen mitzumachen. Gleichzeitig stuften sie alle in den Schuldenschnitt einbezogenen Wertpapiere auf „D“, also Zahlungsausfall.

Ein Zahlungsausfall ist deshalb problematisch, weil dies die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Kreditausfallversicherungen fällig werden. Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmaße angenommen hatte. Damals war es zu einer Kettenreaktion im Finanzsystem gekommen.

Die Situation kann sich nach Angaben von S&P jedoch dann wieder entspannen, wenn genügend Anleihebesitzer ihre Wertpapiere wie vorgeschlagen umtauschen. In diesem Fall sei es gut möglich, dass der „teilweise Zahlungsausfall“ als abgewendet angesehen werde und die Ratingnote wieder auf ein „CCC“ steige.

Die Regierung in Athen zeigte sich nicht überrascht. Der Schritt sei erwartet worden und werde dem Bankensektor keinen Schaden zufügen. Die Notenbank habe bereits entsprechende Rückstellungen gebildet, teilte das Finanzministerium mit.

S&P hatte die Herabstufung im Januar für den Fall einer Umschuldung angekündigt und folgte nun der Ratingagentur Fitch, die die Bonität Griechenlands in der vergangenen Woche auf „C“ und damit die niedrigste Note vor einem Zahlungsausfall (“D“) herabstufte.

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Was das Rating für Griechenland bedeutet

Kommentare zu " Standard & Poor's: Griechenland ist teilweise zahlungsunfähig"

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  • Da lebt ein Staat jahrelang über seine Verhältnisse und verlangt nun von den EU-Partnern Unterstützung. Aber selbst ist er zu keinen Einschnitten bereit. Kaum zu glauben diese Dreistigkeit. Die Staaten die sich gegen diese Abzocke wehren, werden von der griechischen Bevölkerung bei Demonstrationen angeprangert und beschimpft. Aber lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Deshalb kann nur ein Schuldenerlass eine langfristige Lösung bringen, verbunden mit dem endgültigen Austritt Griechenlands aus der EU-Handelszone.

  • Es geht nicht wirklich um Griechenland, sondern darum: wie führe ich still und heimlich und ohne die Öffentlichkeit gegen mich aufzubringen eine Transfer-Union ein, die explizit in den bestehenden Verträgen und Gesetzen ausge-schlossen ist? Wer Griechenland wirklich als "Einzelfall" helfen will, macht das nicht mit maßlosem Geld aus Rettungsschirmen, sondern baut dort erstmal Verwaltung + Justiz auf. Die Argumentation, wir brauchen die Transfer-Union, führen die Vereinigten Staaten von Amerika ad absurdum, dort haftet niemand für einen anderen(!). Oder wir brauchen die Transferunion gegen die böse Globalisie-rung - das ist doch völliger Schwachsinn: wieso sollen wir stärker werden, wenn wir uns mit einem ganzen Kranz Fuß-kranker umgeben? Transferunion: das wird ein steuerliches Blutbad z.L. von Wachstum geben müssen, während wir gleich-zeitig durch Schlaglöcher fahren, die Rentner aus dem letzten Loch pfeifen, Bibliotheken und kommunale Ein-richtungen mangels geld schließen müssen. Merke: Durch Dauertransfers ist noch nie jemand aus dem Schlamassel gekommen, das ist, wie wenn man ein Bein eingipst.

  • falsche Hoffnung. Der ESM ist lt Vertragstext irreversibel. Kein Land kann jemals aussteigen, ohne Europa komplett zu verlassen, das jemals (einmalig) den Einstieg beschlossen hat. Und jedes Land, das mitmacht, hat keine eigene Haushaltspolitik mehr, weil der ESM selbst entscheidet, wieviel Geld er braucht...

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