Standard & Poor’s: „Ratingfirmen fressen sich gegenseitig auf“

Standard & Poor’s
„Ratingfirmen fressen sich gegenseitig auf“

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. So lautet ein Sprichwort. Auf die Ratingagenturen scheint das nicht zuzutreffen. Die stufen sich gegenseitig herunter. In der Finanzwelt wird das nicht ohne Häme kommentiert.
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Wird ein Unternehmen von einer Ratingagentur heruntergestuft, kann das unangenehme Folgen haben. Was aber passiert, wenn eine Ratingagentur selbst heruntergestuft wird? Dann ist die Schadenfreude groß.

Das muss jetzt Standard & Poor’s, die weltgrößte Ratingagentur, erfahren. Der Konkurrent Moody‘s stufte die Kreditwürdigkeit von McGraw-Hill, der Muttergesellschaft von S&P, am späten Donnerstag von „A3“ auf „Baa2“ herunter.  Gleichzeitig drohte Moody's  eine weitere Senkung an. Die neue Bewertung liegt um zwei Stufen unterhalb der alten Bonitätsnote und zwei Stufen oberhalb der Kategorie „Ramsch“.

Vor einer Woche war der S&P-Mutterkonzern McGraw-Hill bereits von Fitch heruntergestuft worden, von „A-„ auf „BBB+“. Zugleich setzte Fitch den Ausblick auf „Watch Negative“.

Ein Grund für die Herunterstufung: Das US-Justizministerium hat eine Schadenersatzklage gegen S&P eingereicht. Die Regierung wirft S&P vor, die Risiken von Hypothekenanleihen, die als Mitauslöser der Kreditkrise gelten, bewusst falsch bewertet zu haben. Durch zu gute Noten für Hypothekenpapiere habe S&P die Investoren betrogen. Als der Markt zusammenbrach verloren Investoren Milliarden mit den angeblich so sicheren Wertpapieren. Washington will bis zu fünf Milliarden Dollar erstreiten.

„Ratingagenturen haben ihre Marken 2008 beschädigt, und das hat jetzt Konsequenzen“, kommentierte Mat McCrum, Investmentdirektor bei Omega Global Investors. „Sie versuchten, mit ihrer Marke so viel Cashflow wie möglich zu erzielen und schadeten damit auf lange Sicht dem Wert ihrer Marke.“

S&P bestreitet jegliches Fehlverhalten. Die Klage des US-Justizministeriums entbehre „jeglicher faktischen oder juristischen Grundlage“, erklärte der Mutterkonzern McGraw-Hill. S&P zeigte sich überzeugt, den Fall gewinnen zu können und verwies auf 41 ähnliche Klagen in der Vergangenheit, die entweder vor Gericht verworfen oder zurückgezogen worden seien.

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Die Konkurrenz hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert

Kommentare zu " Standard & Poor’s: „Ratingfirmen fressen sich gegenseitig auf“"

Alle Kommentare
  • Also ich finde nicht nur die Ratings, sondern auch die entsprechenden Analysen immer wieder sehr erheiternd. Zu 98% führt eine Analyse zu einer Revision der Analyse. Hier im HB kann man entsprechend in jedem 2ten Artikel lesen, dass Analysten "schockiert", "überrascht" oder sonstwie nicht auf die tatsächliche Entwicklung vorbereitet waren. Manchmal glaube ich, dass man bei einer Wahrsagerin besser aufgehoben ist als bei diesen "Spezialisten".

  • Ratingagenturen sind genauso überflüssig wie Astro-TV-Sendungen, jährlicher TÜV und sonstige kontrollwütigen Maßnahmen.

    Aber die Welt braucht ja etwas woran sie verbindlich glauben kann.

    Der Geschäftsinhalt von Ratingagenturen ist etwa so, als ob eine Firma den Finanzbeamten bei der Betriebsprüfung direkt selber bezahlt.

  • Das geschieht den Ratingagenturen recht. Nun bewerfen sie sich gegenseitig mit Dreck - Kampf der Giganten. Der Selbstzerfleischungsprozess hat begonnen.

    Das sich die Ratingagenturen aus der Affäre ziehen wollen, wen wunderts. Sich aber nun hinzustellen und zu behaupten, sie hätten mit der Finanzkrise nichts zu tun und "in gutem Glauben" gehandelt, ist eine Frechheit die nicht zu überbieten ist.

    Wes Brot ich fress, des Lied ich sing! Einfach mal fragen: Wer hat die Ratingagenturen bezahlt, für die Bewertung der Schrottpapiere?

    http://suite101.de/article/ratingagenturen---die-macht-der-gesetzlosen-a117976#axzz2L3BQZ0dV

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