Steigende Risikoprämien
Aktienabsturz belastet Unternehmens-Anleihen

Firmen mit guter Bonität stehen trotz steigender Risikoprämien noch relativ gut da. Bei wenig kreditwürdigen und südeuropäischen Konzernen ist das anders.

FrankfurtDie Staatsschuldenkrise und der Absturz an den Aktienmärkten machen auch vor Unternehmensanleihen nicht halt. Die Risikoprämien - also die Renditeaufschläge im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen - sind in den vergangenen Wochen rasant gestiegen. Das gilt im Prinzip für alle Anleihen von Unternehmen. Betroffen sind nicht nur die Junk-Bonds genannten Zinspapiere von Unternehmen, die Ratingagenturen als schlechte Schuldner mit Ratingnoten im Bereich Non-Investment-Grade einstufen. Auch die Risikoprämien von Bonds mit dem Gütesiegel Investment-Grade für solide Schuldner sind betroffen.

"Die Anleihen solider Unternehmen verlieren etwas von ihrem Status als sichere Anlagen", sagt Rolf Schäffer, leitender Kreditstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Noch sei die Lage zwar nicht dramatisch, aber die Situation könne sich durchaus verschärfen. Der Zusammenhang: Wenn die Aktienkurse der Unternehmen einbrechen und gleichzeitig ihre Finanzierungskosten an den Märkten steigen, werden die Unternehmen vorsichtiger und investieren weniger. "Wenn das auf breiter Front passiert, bremst das die Konjunktur zusätzlich und verschlechtert die wirtschaftlichen Perspektiven der Unternehmen. Genau das führt dann zu noch höheren Finanzierungskosten", erklärt Schäffer.

Stefan Kolek, Kreditstratege bei der Unicredit, ist ähnlich skeptisch: "Die zunehmenden Ängste der Investoren vor einer Rezession sind ein schlechtes Omen für Unternehmensanleihen." Trotz aller Unsicherheit haben die Firmen mit guter Bonität aber noch Luft. So sind nach Indizes der Bank of America-Merrill Lynch die Risikoprämien für auf Euro lautende Investment-Grade-Firmenbonds auf zuletzt 1,5 Prozentpunkte und damit den höchsten Stand seit Mai 2010 gestiegen. Die Kurse der guten Firmenbonds mit einer durchschnittlichen Laufzeit von fünf Jahren haben dennoch zuletzt wieder deutlich zugelegt, und ihre Renditen sanken im Gegenzug auf nur noch 3,2 Prozent. Damit liegen die Renditen wieder so niedrig wie am Jahresanfang. Dabei profitieren die Unternehmen davon, dass Bundesanleihen wieder so extrem gefragt und deren Renditen deutlich gesunken sind. Und die Renditen von Bundes- und guten Unternehmensanleihen bewegen sich oft zumindest in derselben Richtung.

Besonders auffällig ist das bei den Unternehmen, die schon lange Anleihen begeben und gleichzeitig in den großen Aktienindizes notiert sind. So begab zum Beispiel der Autokonzern BMW vor gut zwei Wochen eine siebenjährige Anleihe mit einer Rendite von 3,7 Prozent. Damit verlangten die Investoren nur 1,3 Prozentpunkte mehr als für eine vergleichbare Bundesanleihe. Seither ist zwar die Risikoprämie auf 1,8 Prozentpunkte gestiegen, die Rendite des BMW-Bonds aber leicht gefallen.

Nach BMW hat sich indes kein Unternehmen mehr mit einer größeren Anleihe an den Markt gewagt. Experten erklären dies auch mit der Sommerpause und damit, dass die Unternehmen es sich leisten können, noch abzuwarten.

Stärker getroffen von der Krise sind die Unternehmen aus den kriselnden Euro-Ländern Spanien und Italien. So sind die Renditen für fünfjährige Anleihen von zum Beispiel Telefónica oder Telecom Italia in den vergangenen beiden Wochen auf knapp fünf beziehungsweise 5,5 Prozent gestiegen. Allerdings: Am bei Unternehmensanleihen liquideren Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) lagen die Risikoprämien für Anleihen der beiden Konzerne lange unter denen für die Staaten. "Grund dafür ist, dass die Unternehmen breit aufgestellt sind und viel Umsatz im Ausland machen. Das macht sie in den Augen der Investoren sicherer als die Staatsanleihen", erklärt Schäffer von der LBBW.

Junk-Bonds leiden stärker.

Noch dramatischer ist die Lage bei den höher verzinsten Junk-Bonds weniger kreditwürdiger Firmen. Bei ihnen sind nicht nur die durchschnittlichen Risikoprämien auf 7,2 Prozentpunkte und damit den höchsten Stand seit gut einem Jahr nach oben geschnellt. Auch die Renditen der Junk-Bonds kletterten auf zuletzt gut neun Prozent nach oben und lagen damit ebenfalls so hoch wie zuletzt vor einem Jahr.

"Wenn Investoren nervöser und risikoscheuer werden, bekommen Unternehmen aus dem Hochzinsbereich dies meist als Erste zu spüren", sagt Nina Kilb, Analystin für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank. Für diese Unternehmen könne es zum Teil schon jetzt schwierig sein, neue Anleihen zu begeben und somit Anschlussfinanzierungen zu bekommen, meint Kilb. An den Markt gewagt hat sich zuletzt der italienische Gläserhersteller Bormioli Rocco. Er verkaufte Anlegern eine siebenjährige Anleihe zu einer Rendite von mehr als zehn Prozent.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%