Steigende Zinsen
Das Schuldenmachen dürfte bald wieder teurer werden

Die in der Kapitalmarktumfrage des Handelsblatts befragten 30 in- und ausländischen Banken und Investmenthäuser befürchten deutlich steigende Zinsen. Für langfristige Zinspapiere erwarten die Experten anziehende Renditen.

FRANKFURT. Die bei der großen Kapitalmarktumfrage des Handelsblatts befragten 30 in- und ausländischen Banken und Investmenthäuser erwarten einen kräftigen Zinsanstieg von dem derzeit historisch niedrigen Niveau auf im Durchschnitt 3,56 Prozent. Das entspräche einer Erhöhung um genau 0,61 Prozentpunkte gegenüber der jetzigen Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen, die als Barometer der Stimmung im Euro-Land gelten. Lediglich zwei Banken gehen davon aus, dass der Zinssatz der Bundestitel Ende des nächsten Jahres unter die Marke von drei Prozent fällt. Aber auch bei einer Vorhersage von über vier Prozent gibt es nur drei Ausreißer. Der Rest liegt dazwischen.

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) gibt mit 4,35 Prozent die mit Abstand höchste Prognose ab, gefolgt von der HSH Nordbank mit 4,20 Prozent und der Bank of America mit 4,10 Prozent. Im laufenden Jahr lagen die in- und ausländischen Banken angesichts der sich zuspitzenden Finanzkrise und der heftigen Reaktionen der Notenbank, wo allein die US-Zentralbank Fed den Leitzins in einen Korridor von null bis 0,25 Prozent lenkte, alle falsch. Am stärksten vergaloppierten sich dabei die Bank of America und BNP Paribas, die jeweils mit einem Jahresendstand von 4,80 Prozent gerechnet hatten. Dagegen kam die Weberbank mit geschätzten 3,75 Prozent der Realität noch am nächsten. Im Durchschnitt prognostizierten die Institute für Ende dieses Jahres einen Stand von 4,35 Prozent, also exakt den Endstand, den die HVB aktuell für Ende 2009 vorhersagt.

Den von ihr erwarteten starken Zinsanstieg begründen die Münchener mit der längerfristigen Entwicklung. Zunächst würden die Zinsen von "dem stark eingetrübten Wachstumsbild und der aggressiven Lockerungspolitik der Europäischen Zentralbank profitieren": Das gesamte Renditeniveau werde im ersten Halbjahr auf nie gesehene Renditetiefs gedrückt.

Im Verlauf des zweiten Halbjahres 2009 rechnet die HVB dann allerdings mit einer Trendumkehr bei länger laufenden Anleihen. Eine Stabilisierung der Konjunkturerwartungen und langsam schrumpfende Kursschwankungen in risikoreichen Anlageklassen sollen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen "dann wieder über die Marke von vier Prozent schieben". Dazu kommt auch das steigende Angebot an Staatsanleihen - bedingt auch durch die Rettungspakete der verschiedenen Regierungen international -, das sich nach Ansicht der HSH Nordbank renditesteigernd auswirken wird. Ganz anders sieht das JP Morgan mit der niedrigsten Prognose von 2,58 Prozent. Die Bank erwartet, dass die Schwäche der Wirtschaft im ganzen Jahr 2009 anhält, der deflationäre Druck spürbar wird und das Finanzsystem weiterhin unter Stress steht. Den Leitzins in Euro-Land sehen die Experten dort bei einem Prozent. Derzeit liegt er bei 2,50 Prozent.

Der Euro soll aus heutiger Sicht 2009 gegenüber dem Dollar mit 1,30 Dollar je Euro klar an Wert verlieren. Extremwerte haben die Privatbank Hauck & Aufhäuser (1,57 Dollar) und die Schweizer Privatbank Syz & Co zu bieten (1,10 Dollar). Für Hauck & Aufhäuser wird der Dollar angesichts der massiven Hilfsmaßnahmen der Regierungen und wegen der Aufblähung der Staatsschulden unter Druck geraten. Anders die Bank Syz & Co: Sie erwartet unter anderem, dass der Dollar in "gewisser Sicht von der Wirtschaftskrise profitiert", da er als sicherer Hafen gilt. Im Gegensatz dazu hätten sich die strukturellen Schwächen im Euro-Raum in jüngster Zeit verschärft und gingen sogar bis zu Gerüchten über eine Abspaltung der schwächsten Mitglieder wie Portugal, Italien und Griechenland. Für den Kurs des Dollars zum Yen ist das Bankhaus Lampe optimistisch gestimmt. Als Pessimist geht dagegen die Weberbank ins Rennen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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