Stimmung gebessert
Die Anleihen der Autokonzerne stabilisieren sich

Die Stimmung am Markt für Autoanleihen hat sich deutlich gebessert. Hatten Experten vor einem Jahr noch unisono ausdrücklich vor den Zinspapieren der Autokonzerne gewarnt, gibt es jetzt schon zumindest vereinzelt Stimmen, die empfehlen, Autoanleihen im Bondportfolio über oder zumindest neutral zu gewichten. Viel Rendite bekommen Anleger für die Autobonds allerdings nicht.

cü FRANKFURT. Im Schnitt bieten die Anleihen europäischer Autokonzerne nur 0,45 Prozentpunkte mehr Rendite als Bundesanleihen. Der Optimismus ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Autoanleihen gelten nicht als wirklich interessant, aber professionelle Anleger achten auf die relative Betrachtung. „Im Vergleich zu anderen Branchen ist der Autosektor noch am interessantesten, weil hier die Gefahren von Fusionen und Übernahmen, die die Verschuldung erhöhen, geringer sind als zum Beispiel in der Telekom- oder Versorgerindustrie“, erklärt Sven Kreitmair von der Hypo-Vereinsbank. Er empfiehlt, die Papiere überzugewichten. Zwar erwartet auch er bei Autobonds Kursverluste oder zumindest steigende Risikoaufschläge, die sollten allerdings geringer als bei anderen Corporates ausfallen.

Elmar Zurek, Fondsmanager bei der DWS, sieht das ähnlich. „Mit Autoanleihen wird sich in diesem Jahr nicht mehr als der Kupon verdienen lassen, mögliche leichte Kursverluste sollten also durch die Verzinsung aufgefangen werden“, sagt er. „Das größte Potenzial bieten tendenziell Neuemissionen, weil die meist mit einer kleinen Prämie an den Markt gebracht werden.“

Insgesamt habe sich der Sektor deutlich stabilisiert, meint Zurek. „Die Unternehmen gehen ihre Probleme an, setzen wie Daimler-Chrysler und Volkswagen auf Restrukturierungen und generell legen die Konzerne – anders als zum Beispiel Telekomunternehmen – nach wie vor Wert darauf, ihre Nettoschulden zu verringern“.

Kreitmair sieht zudem bei den Autokonzernen keine Risiken von Leveraged Buy Outs (LBOs), also Übernahmen von Private Equity Häusern, die den Kauf von Unternehmen durch deren Überschuldung finanzieren. Ausnahme sei der französische Autozulieferer Valeo: „Bei Valeo sind die Anleihebesitzer aber durch eine Klausel geschützt, nach der sie ihre Bonds zum Nennwert von 100 Prozent zurückgeben können.“

Als große Ausnahme unter den Autobonds gelten natürlich weiterhin die Zinspapiere der beiden US-Konzerne General Motors (GM) und Ford. Der Markt hat es jedoch abgesehen von kurzen Rückschlägen im Frühjahr gut verkraftet, dass die Ratingagenturen die Bonität der Konzerne auf Ramschniveau haben. Bonds von GM und Ford bieten deshalb viel höhere Renditen als die Branche. Ein siebenjähriger GM-Bond rentiert zum Beispiel mit über 14 Prozent und damit vier mal höher als ein vergleichbares BMW-Papier.

„Es gab aber anders als befürchtet keinen lang anhaltenden Spill-over-Effekt, bei dem Autoanleihen auf breiter Front verkauft wurden“, sagt Zurek. Deshalb geht er davon aus, dass weitere schlechte Nachrichten von GM und Ford die Branche nicht über Gebühr belasten werden. Anders sieht das die Landesbank Baden-Württemberg. Sie warnt, dass ein Konkursantrag von GM oder Ford – der allerdings 2006 unwahrscheinlich sei – die Autozulieferer und den gesamten Sektor unter Druck bringen würde. Sie bewertet Autoanleihen mit der Einstufung „neutral“.

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