Strukturierte Produkte: Warnhinweise sollen vor Anleger-Klagen schützen

Strukturierte Produkte
Warnhinweise sollen vor Anleger-Klagen schützen

US-Internet-Broker Charles Schwab plant Warnhinweise auf komplex strukturierten Produkten für Privatanleger. Damit will er seine Vertriebsplattform für Finanzprodukte vor möglichen Klagen seitens der Anleger schützen.
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FrankfurtEine große Vertriebsplattform für Finanzprodukte in den USA plant Warnhinweise auf komplex strukturierten Produkten für Privatanleger. Damit will sie sich vor möglichen Klagen vonseiten der Anleger schützen. Künftig sollten Privatanleger beim Internet-Broker Charles Schwab vor dem Kauf per Mausklick bestätigen, dass sie die Funktionsweisen und Risiken dieser Produkte verstanden haben, teilte der Broker am Wochenende mit.

Als Beispiel für Produkte, bei denen diese Abfrage laufen soll, nennt Charles Schwab Exchange Traded Notes (ETNs) auf Volatilitätsindizes. „Wir prüfen das vor allem wegen der Risiken, die wir in Instrumenten wie dem TVIX gesehen haben“, sagte Randy Frederick, der beim Charles Schwab Center for Financial Research für den Handel verantwortlich ist. „Niemand wusste, dass so etwas passieren würde.“ Was Frederick meint, sind die Vorkommnisse beim Handel mit der Volatilitäts-ETN VelocityShares Daily 2x Long VIX Short-Term - kurz TVIX - der Credit Suisse in den vergangenen Wochen. Viele Investoren haben durch Handelsverwerfungen mit der TVIX Geld verloren. Daher häufen sich in den USA zurzeit Klagen von Anlegern, die sich verprellt fühlen.

Anleger hatten im Februar viel Geld in die ETN investiert. In diesem Zusammenhang waren Vorwürfe laut geworden, das Instrument habe die Entwicklung des Volatilitätsindex VIX, der die Kursschwankungen des US-Leitindex S&P 500 misst, beeinflusst, anstatt sie abzubilden. Daraufhin hatte die Credit Suisse etwa vier Wochen lang keine neuen Anteile an der ETN ausgegeben und das Angebot somit - anders als bei ETNs üblich - begrenzt.

Dadurch war der Anteilspreis leicht gestiegen, bis am 22. März schließlich ein starker Kursverlust einsetzte. Am selben Tag nach Handelsschluss teilte die Credit Suisse mit, wieder neue Anteile an der ETN auszugeben. Das schürte unter Experten den Verdacht, einige Marktteilnehmer hätten vorab gewusst, dass Credit Suisse wieder neue Anteile ausgeben würde. Um dem damit einhergehenden Wertverlust zuvorzukommen, hätten sie plötzlich in großem Stil Anteile verkauft, so dass das Handelsvolumen angestiegen sei.

Diese Verwerfungen haben auch die US-Finanzaufsicht FINRA auf den Plan gerufen. Sie hat in der vergangenen Woche Ermittlungen in diesem Fall und in Bezug auf ETNs generell angekündigt. Ähnliche Warnungen, wie sie Charles Schwab nun für bestimmt ETNs plant, erhalten Anleger auf der Handelsplattform der Gesellschaft bereits vor dem Kauf anderer Finanzprodukte. Dazu gehören beispielsweise Optionen.

Der Warnhinweis, der bei ETNs auftauchen soll, bevor Anleger den Kauf abschließen können, soll „eine letzte Warnung sein, um zu sagen: Hey, sei dir sicher, was du tust. Bist du es nicht, ruf' uns an und wir werden dir alles erklären“, sagte Randy Frederick von Charles Schwab.

ETNs sind Inhaberschuldverschreibungen. Damit ähneln sie aus rechtlicher Sicht Zertifikaten. Im Unterschied zu Zertifikaten stellen bei ETNs jedoch nicht nur die Emittenten An- und Verkaufspreise, sondern mehrere Händler. Obwohl der Name der Produkte an börsennotierte Indexfonds (ETFs) erinnert, sind sie kaum mit diesen zu vergleichen. Denn ETFs sind statt Inhaberschuldverschreibungen wie alle Investmentfonds Sondervermögen, also im Falle einer Insolvenz des Anbieters geschützt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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