Südeuropa
Mittelmeer-Anleihen werden zu Schnäppchen

Der griechische Schuldenstreit drückt auf die Kurse von spanischen und italienischen Anleihen. Die Anleger fürchten sich vor einer Ausbreitung der Krise. Das freut Großinvestoren. Für sie ist es die Gelegenheit zum Kauf.
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DüsseldorfPimco hat die Gelegenheit wohl schon beim Schopf gepackt: Die griechische Schuldenkrise treibe die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen auf „attraktive” Niveaus, sagte der Chef der Abteilung Global Credit der Allianz-Tochter in einem TV-Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Renditen der zehnjährigen Papiere der Mittelmeerländer seien nahe denen von US-Treasuries mit ähnlicher Laufzeit, obwohl die europäische Wirtschaft „deutlich” langsamer wachse als die der USA. So zum Beispiel in Spanien: Dort stieg die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen am Dienstag erstmals seit zehn Monaten über 2,5 Prozent.

Der Grund für die steigenden Renditen ist das Hin- und Her in den Griechenland-Verhandlungen. Die Unsicherheit über den Verbleib des Landes in der Eurozone strahlt auch auf andere südeuropäische Länder ab. Große Fondsverwalter wie Pimco freut das, sie greifen bei den nun besonders günstig bewerteten Staatspapieren zu. „Da gibt es eindeutig eine Gelegenheit”, so Kiesel. „Der Spread zwischen Italien und Spanien zu Bunds ist inzwischen ziemlich attraktiv.”

Die Renditen für die Mittelmeer-Papiere und jene für die als sicher geltenden Bundesanleihen driften dabei immer weiter auseinander. Der spanische Renditeunterschied zu den Bunds lag am Mittwoch bei 150 Basispunkten. Der Spread zwischen italienischen zehnjährigen Anleihen und deutschen Bunds stieg am Dienstag auf 169 Basispunkte – der höchste Wert seit Oktober. Am Mittwoch hat er sich allerdings etwas beruhigt und ging auf 148 Basispunkte zurück. Damit ist er aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie zu seinem Fünf-Jahres-Tief von 84 Basispunkten im März.

Am härtesten trifft der Ausverkauf auf den Anleihenmärkten Griechenland selbst. Anhaltende Verkäufe griechischer Bonds trieben die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Zwei-Monats-Hoch von 13,031 Prozent von 12,93 Prozent. Nur eine Einigung zwischen Hellas und seinen Gläubigern könnte den Ausverkauf stoppen.

Doch eine Lösung ist noch immer nicht in Sicht. „Die Positionen der beiden Verhandlungsparteien scheinen weiter auseinander zu liegen als je zuvor“, sagt Bond-Stratege Nick Stamenkovic vom Brokerhaus RIA Capital. „Sie könnten sich zwar noch in letzter Minute einigen, aber die Zeit läuft bald ab. Wir befinden uns am Scheideweg und das macht Anleger nervös.“

Die Athener Regierung feilscht seit Monaten mit ihren Geldgebern um die Bedingungen für weitere Finanzhilfen. In den vergangenen Tagen verschärfte sich der Ton zwischen den beiden Parteien. Ohne eine Einigung droht Griechenland binnen weniger Wochen die Zahlungsunfähigkeit. Für die ohnehin schon nervösen Märkte wirken solche Nachrichten wie Öl im Feuer. Die Anleger befürchten, dass die griechische Krise auch auf andere südeuropäische Länder überschwappen könnte und trennen sich deshalb von deren Papieren.

Auch SPD-Europaabgeordneter, Martin Schulz, warnte zuletzt davor, die Auswirkungen der Hellas-Krise auf andere Länder zu unterschätzen. Für Italien zum Beispiel sei es schwerer als für Deutschland, auf die milliardenschweren Ansprüche gegen Griechenland zu verzichten. Dagegen sagte der Vorsitzende der größten Fraktion im Europäischen Parlament, der europäischen Christdemokraten, Manfred Weber, am Mittwochmorgen zu Reuters: „Ich sehe keine Ansteckungsgefahr.“

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur

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