S&P-Urteil für Italien Herabstufung kommt Italien teuer

Das Euro-Krisenland Italien muss nach der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit durch S&P bei der Platzierung ihrer jüngsten Anleihe höhere Zinsen bezahlen. Die Regierung in Rom schimpft auf die Ratingagentur.
Update: 10.07.2013 - 15:18 Uhr 30 Kommentare
Die Herabstufung durch S&P lässt die Refinanzierungskosten der Italiener steigen. Quelle: dpa

Die Herabstufung durch S&P lässt die Refinanzierungskosten der Italiener steigen.

(Foto: dpa)

RomItalien muss nach der Ratingabstufung durch Standard & Poor's höhere Zinsen zahlen. Bei einer Versteigerung von Geldmarkttiteln mit Fälligkeit in sechs und zwölf Monaten stiegen die Renditen am Mittwoch, wie aus Zahlen der italienischen Notenbank hervorgeht.

Italien nahm aber mit 9,5 Milliarden Euro so viel Mittel auf wie geplant. Das kürzerlaufende Papier rentierte mit 0,6 Prozent und damit etwa 0,2 Punkte höher als bei der vergleichbaren Auktion Mitte Mai. Die Rendite des einjährigen Schuldtitels stieg verglichen mit Mitte Juni um 0,38 Punkte auf knapp 1,1 Prozent an.

Der Renditezuwachs dürfte aber nicht nur auf die jüngste Ratingabstufung durch Standard & Poor's, sondern auch auf das allgemein höhere Zinsniveau zurückgehen, ausgelöst durch die absehbare geldpolitische Wende in den USA.

Italiens Regierung kritisierte die Senkung der Kreditbewertung des Euro-Krisenlandes durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) als falsch und kleinlich. Die Analysten der Agentur berücksichtigten die bereits vorbereiteten Maßnahmen der neuen Regierung unter Enrico Letta nicht, hielt das Wirtschaftsministerium in Rom am Dienstagabend der Herabstufung der Bonität Italiens entgegen.

Auch das Basel Institute of Commons and Economics hält die weitere Abwertung von Italien nach aktuellen Berechnungen nicht für gerechtfertigt. So seien die Staatsschulden in Italien zwischen 2009 und 2012 um nur 12,4 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Deutschlands seien die Schulden im gleichen Zeitraum um 22,4 Prozent und in Frankreichs um 26,14 Prozent gestiegen.

Im Gegensatz zum Maastricht-Kriterium betrachtet das Basel Institute of Commons and Economics das Verhältnis von Staatseinnahmen und Staatsschulden. Italien, das nach dem Maastricht-Kriterium zu den am schlechtesten bewerteten Staaten der EU gehört, schneidet im Basel Kriterium sehr gut ab.

„Denn obwohl die Italiener 2012 einen Wachstumsrückgang von 2,2 Prozent verbuchen mussten, konnten sie ihre Staatseinnahmen um 2,47 Prozent steigern und ihre Schulden im letzten Quartal 2012 als einziger der großen Industriestaaten sogar leicht reduzieren“, sagt Alexander Dill, Vorstand des Instituts. Wie der Vergleich insbesondere auch mit den USA zeige, habe Italien 2012 eine hervorragende Finanzpolitik betrieben. „Da in Italien auch ein sehr erfolgreiches Programm von sogenannten „Patriotenanleihen“ läuft und die meisten Anleihen innerhalb von Italien gehalten werden, ist eine Herabstufung der Bonität Italiens insbesondere im Vergleich zu den USA nicht gerechtfertigt“, sagt Dill.

S&P hatte das Rating für das Land wegen der schwachen Aussichten für die konjunkturelle Entwicklung von „BBB+“ auf „BBB“ gesenkt. Italien steckt in einer anhaltenden Rezession. An den Finanzmärkten sorgte die Aktion für Verstimmung. Die Zinsen zogen an: Zehnjährige Bonds warfen 4,497 Prozent ab nach 4,399 Prozent am Dienstag. Die Börse in Mailand fiel zeitweise um 1,4 Prozent.

Die Verstimmung schwappte auch auf spanische Anleihen über: Die Rendite der zehnjährigen Titel lag bei 4,819 Prozent nach zuvor 4,690 Prozent. "Die Herunterstufung Italiens signalisiert, dass weitere Ratingveränderungen möglich sind und auch Spanien besorgt sein sollte", sagte Jan von Gerich, Analyst bei Nordea. Spanien wird bei S&P bereits mit "BBB-" bewertet, eine weitere Senkung der Bonitätsnote würde das Abrutschen auf Ramschniveau bedeuten.

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30 Kommentare zu "S&P-Urteil für Italien: Herabstufung kommt Italien teuer"

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  • Besorgniserregend ist und bleibt für Italien der seit Jahren anhaltende Verlust von Arbeitsplätzen in der einst blühenden Mittelstands-/Kleinindustrie. Mit gravierener Auswirkung für den regionalen Bereich.
    Wer Arbeitsplätze im produktiven Bereich abbaut, kippt. Siehe USA Great America.

  • Nach den Wahlen im September werden unter der grossen Koalition auf Drang der SPD EUROBONDS eingeführt. Dann haftet der deutsche Steuerzahler für die ganze Fäulnis der EU. Dann haben Ratingagenturen keine Bedeutung mehr.

  • @ana...

    Nö, Italien ist mit BBB noch (zu) gut bedient. Ich würde jedenfalls keinen Cent dort investieren (aber auch nicht in Frankreich !). Aber die Amis sind mit AA unverschämt gut bedient.
    Die Hintergründe hat "hafnersp" schön zusammengestellt.

  • Wenn ich die meisten Kommentare hier lese komme ich zu dem Schluß, daß es Italien eigentlich sehr gut geht und die bösen Amerikaner schuld sind, wenn sie Itaiens Zukunft düster sehen. Tickt ihr noch richtig oder habt ihr Schäublemania?

  • @Hardie67

    Das System der Anglo-amerikanischen Finanzbetrüger und -erpresser ist noch VIEL perfider ausgeknobelt als es erscheint: diese "Rating"-Agenturen sind (US)staatlich anerkannt und haben damit quasi die Lizenz zum töten (wer immer gerade den Herren des Geldes den Gehorsam verweigert).

    Das Schlimme an dieser staatlichen Anerkennung ist, daß viele Institutionelle (dh. z.B. die Verwalter von Rentenvermögen) rechtlich GEZWUNGEN sind, sich an diesen Ratings zu orientieren. Das heißt, daß das "Ausrichten viele Investoren an diesen Ratings" noch nicht einmal freiweilig erfolgt sondern durch das System erzwungen wird.

    Die Opfer des Rating hingegen kann man aufgrund dieser (erzwungenen) Marktmacht wiederum zur Fügsamkeit erpressen bzw. den Wölfen vorwerfen, wenn es in das Konzept paßt. Ein Perfektes (perfides) System zum Machterhalt der Finanzeliten.

  • @Rechner

    "S&P NENNT EIGENE RATINGS MARKTSCHREIERE"

    Wobei es schön wäre, wenn es nur Marktschreierei wäre. Aber viele Investoren richten ihre Anlagestrategie an diesen Ratings aus.
    Insofern hat S+P neben Moodys durchaus die Macht, Zinsen nach Belieben nach oben oder unten zu beeinflussen.
    Deshalb haben die USA ja auch das lächerliche AA-Rating. Würde S+P die runterstufen, dann gäbe es einen Besuch von Obombas Drohnen....

  • 'TimoE' sagt
    --------------
    Ich denke auch, dass es sich hier um 2 verschiedene Wirtschaftstheoretische Ansätze handelt und wir hier auch Meinungstechnisch auseinander liegen (Stimulus vs. Austerität).
    --------------

    Da haben Sie natürlich vollkommen recht.

    Daß "Stimulus" nicht nachhaltig ist, kann man ja übeall wo es versucht worden ist schön beobachten.

    Griechenland , Argentinien als Paradebeispiele.

    Andere "Stimulatoren" werden zwangsläufig folgen - die USA in dem Moment in dem die Chinesen oder Japaner den Stecker ziehen.

    +++

    'TimoE' sagt
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    Das mit der Zentralbank ist auch nicht Jacke wie Hose. Die Inflation kommt nämlich nicht sofort, der Haircut aber eben schon und gegen Inflation kann man sich schützen.
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    Aber doch nicht mit dem Erwerb von Staatsanleihen die in der jeweiligen Konfettiwährung denominiert sind.

    Es ist wurscht, wie ich da mein Geld verliere.

    Wer 2007 britische Staatsanleihen hatte, der hat schon über die Währung seinen 25% Schnitt verpaßt bekommen.

    Bein Dollar noch nicht - kann aber jederzeit passieren.

    +++

    'TimoE' sagt
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    Gerade das Fehlen einer eigenen Zentralbank ist ja eben das Problem von den Pigs.
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    Im Gegenteil.

    Dieses "Fehlen" zwingt sie jetzt dazu, ihre Wirtschaft aufzuräumen.

    Während US/UK im alten Schlendrian weitermachen.

    ...

    Die "Eurokrise" ist eine riesige Chance für die PIGS.

    Und genau das war der Sinn des Euros.

    Auch wenn leider in den ersten zehn Jahren durch Fehlregulierung von Banken und Fehlbewertung von Kreditrisiken durch Betrügeragenturen und Banken der Anpassungsdruck kaschiert wurde und sich erst jetzt (seit 2010) auf einmal entlädt.

    ...

    Wie dem auch sei - ich bedanke mich bei Ihnen für die sachliche Diskusion.

    Leider viel zu selten hier - den meisten "Disputanten" fällt nicht viel mehr ein als mich des bezahlten Schreibertums für Schäuble (oder CDU, Goldman Sachs, etcpp.) zu bezichtigen.

  • Ich glaube die USA Diskussion hatten wir hier im Handelsblattforum schonmal, waren das nicht auch wir beide?
    Ich will ungerne hier jetzt eine riesige off topic Diskussion anfangen/wiederholen. Ich denke auch, dass es sich hier um 2 verschiedene Wirtschaftstheoretische Ansätze handelt und wir hier auch Meinungstechnisch auseinander liegen (Stimulus vs. Austerität).
    Das mit der Zentralbank ist auch nicht Jacke wie Hose. Die Inflation kommt nämlich nicht sofort, der Haircut aber eben schon und gegen Inflation kann man sich schützen. Gerade das Fehlen einer eigenen Zentralbank ist ja eben das Problem von den Pigs. Keine Abwertungsmöglichkeiten, dadurch auch Wettbewerbsprobleme. Die Demographie der USA ist eigentlich bei allen Bevölkerungsteilen weniger schlecht und das ist entscheident für Schuldentragfähigkeit, auch unter Deflationsgesichtspunkten, die Demographie wird Europa noch richtig hart treffen, das auch zum Thema sichere Renten, diese sind in Europa auch nicht ansatzweise sicher, ohne dass hier aber Gelder bis 2030 (wenn das stimmt, habe nur kopiert) noch parat liegen. Und so klar sind 2,5% Realwachstum (ca. 4 nominal), beim Haushaltsdefizit von 6% nicht, wenn es so wäre hätten die Pigs ja auch Wachstum, haben sie aber nicht. Aber Sie haben natürlich auch recht, dass das US Defizit sehr hoch ist, dafür dass die Wirtschaftslage gar nicht so dramatisch ist wie in Europa und Sie haben auch recht, dass der Schuldenstand sehr hoch ist. Ebenso weiß ich nicht, wie hüben und drüben die Renten/Pensionen bei dem jetzigen Niveau gehalten werden können.

    Bin sehr gespannt, wie das alles weitergeht, einfach weitergehen kann es nicht. Und ja AA ist zu hoch! BBB mMn aber ebenso.

  • 'TimoE' sagt
    ----------------
    Wobei ich nicht verstehe, was hier nun die USA damit zu tun haben.
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    Durch Vergleich von zwei Länderratings mücte ich darauf hinweisen, daß die S&P-ratings vollkommen inkonsistent und aus dem Hut gezaubert sind.

    +++

    'TimoE' sagt
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    Ist Ihnen das Urteil für Italien zu hart?
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    Oder das für die USA zu milde - Jacke wie Hose.

    Den Ratings der Betrügeragenturen mangelt es an jeglicher Objektivität - sie sind eine Waffe des US-Finanzterrorismus.

    +++

    'TimoE' sagt
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    Wo der Unterschied ist? a) eigene Zentralbank
    ----------------

    Für den Investoren ist es Jacke wie Hose, ob er seinen "haircut" per Schuldenschnitt oder an der Devisenbörse bzw (als Inländer) per Inflation verabreicht bekommt.

    Also: Kein relevanter Unterschied

    +++

    'TimoE' sagt
    ----------------
    Wo der Unterschied ist? b) Wachstum von 2-3 % statt -1,9, macht einen Spread von 4,4%
    ----------------

    Klar - solange man die Schuldenblase per Staatsdefizit befeuert gibt es mehr Blasenwachstum.

    Bloß leider nicht nachhaltig.

    USA = Griechenland + Atomraketen.

    +++

    'TimoE' sagt
    ----------------
    Wo der Unterschied ist? c) Tendenzen, also Entwicklung von Defiziten und Wirtschaftsentwicklung
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    Unsinnig - so ist Griechenland wohl 2005,6,7 zu seinen "Investmentgrade" Ratings durch S&P gekommen.

    +++

    'TimoE' sagt
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    d) Demographie
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    Gucken Sie 'mal, WAS sich da in den USA vermehrt.

    Der Slum.

    +++

    'TimoE' sagt
    ----------------
    e) Nettoschuldenbetrachtung
    ----------------

    Das Geld ist aber bis 2030 weg für die nicht nachhaltig finanzierte US-Rentenversicherung.

    Milchmädchenrechnung.

  • S&P NENNT EIGENE RATINGS MARKTSCHREIEREI
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    In einem in Kalifornien anhängigen Verfahren wegen Betrugs an Investoren durch Standards & Poors verteidigt sich S&P mit dem Einwand, daß vernünftige Investiren sowieso nicht auf seine Marktschreierei gehört hätten.

    "Standard & Poor’s, at the first court hearing over the U.S. government’s claims that the rating service defrauded investors, argued reasonable investors wouldn’t have relied on its “puffery” about credit ratings."

    http://www.bloomberg.com/news/2013-07-08/s-p-to-argue-puffery-defense-in-first-courtroom-test.html

    ...

    Eine interessante Verteidigung: wer auf uns hört ist doof.

    Und sogar richtig - auch wenn sich das wohl noch nicht bis in die Handelsblattredaktion herumgesprochen hat.

    Es ist alledings keine wirklich gute Ausrede - Betrug ist auch dann gegeben, wenn man Dummköpfe betrügt.

    (Wozu sollte man sich die Mühe machen Schlauköpfe zu betrügen, solange es genug Dummköpfe gibt?)

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