Talfahrt der Anleihen geht weiter
Portugal zahlt Rekordzinsen

Nur mit einem enormen Zinsaufschlag hat Portugal neue Anleihen mit Laufzeiten von sechs und zehn Jahren am Markt platziert. Das Land zahlte für die Papiere so viel wie nie zuvor und konnte so das geplante Volumen von 1,25 Mrd. Euro ausschöpfen. Die Investoren am Anleihemarkt beeindruckt das allerdings nicht: Die Renditen portugiesischer und irischer Staatsanleihen klettern weiter.
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HB DÜSSELDORF. Das hoch verschuldete und strukturschwache Portugal muss für seine Schulden immer tiefer in die Tasche greifen. Trotz des jüngst vom Parlament in Lissabon verabschiedeten rigiden Sparhaushalts hat das Euro-Land am Mittwoch nur zu Rekordzinsen frische Geldmittel bekommen. Insgesamt wurden am Kapitalmarkt Staatsanleihen im Wert von 1,242 Milliarden Euro untergebracht.

Wie die portugiesische Schuldenagentur (IGCP) mitteilte, wurde eine Anleihe mit einer Laufzeit bis Juni 2020 mit einem Volumen von 686 Millionen Euro erfolgreich platziert. Die Rendite stieg aber im Vergleich zum September von 6,242 auf 6,806 Prozent deutlich an.

Außerdem wurde eine Anleihe mit einer Laufzeit bis Oktober 2016 mit einem Volumen von 556 Millionen Euro platziert. Die Rendite kletterte hier noch stärker, und zwar von 4,371 Prozent Ende August auf 6,156 Prozent. Die Emission sei mehr als zweifach überzeichnet worden, hieß es. Da das ausgesteckte Finanzierungsziel von 750 bis höchstens 1250 Millionen erreicht wurde, soll diese die letzte portugiesische Papier-Emission im laufenden Jahr sein.

Die Auktion galt als Stimmungstest. Zuletzt haben die Risikoaufschläge für Papiere finanzschwacher Euro-Länder wieder stark angezogen. Am Mittwoch legteb sie trotz der erfolgreichen Emission weiter zu: Zehnjährige Staatsbonds rentierten 23 Basispunkte höher mit 6,8 Prozent, der sich gegenläufig entwickelnde Kurs der Anleihe fiel auf 86,17 Prozent. Auch irische Staatsanleihen gerieten weiter unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Papiere kletterte um 22 Basispunkte und lag mit 7,964 Prozent nur noch knapp unter der 8-Prozent-Marke.

Portugals Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos hatte jüngst erklärt, wenn erst einmal Effektivzinsen um die sieben Prozent erreicht seien, werde der Zeitpunkt gekommen sein, zum Internationalen Währungsfonds (IWF) zu gehen. Nach Kritik von Medien und der Opposition relativierte er aber: „Wir haben keine festen Grenzen“.

Die Staatsschulden Portugals lagen Ende 2009 bei 109 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Neuverschuldung erreichte 2009 den Rekord von 9,4 Prozent. Mit nie dagewesen Sparmaßnahmen soll das Defizit dieses Jahr auf 7,3 und nächstes auf 4,3 Prozent gedrückt werden.

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