Telekom begrüßt Emission
KfW überrascht Kapitalmarkt mit weltgrößter Wandelanleihe

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) schlägt alle Rekorde: Mit einer mindestens 4,5 Mrd. Euro schweren Wandelanleihe auf Telekom-Aktien begibt sie die weltweit größte Emission dieser Art. Durch die Anleihe wird sich der Anteil der bei der KfW liegenden T-Aktien um die Hälfte auf 6 % reduzieren. Weitere 31 % hält der Bund direkt an der Telekom. Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren, sie kann nach frühestens zwei Jahren in Aktien der Deutschen Telekom gewandelt werden.

cü/tnt/uhl FRANKFURT/M. Wandelanleihen können wahlweise in bar oder in Aktien zurückgezahlt werden. Die KfW-Anleihe richtet sich an internationale Investoren. Die Nachfrage sei mit 8 Mrd. Euro sehr groß gewesen, hieß es bei den Konsortialführern Deutsche Bank und J. P. Morgan. Der Umtauschkurs liegt bei 17,53 Euro und damit um 38 % über dem Durchschnittskurs von gestern. Die Erlöse aus der geplanten Wandelanleihe fließen zunächst der KfW zu. Der Bund erhalte aber im Rahmen eines Besserungsscheins Einnahmen aus dieser Transaktion, wenn der Umtausch der Aktien erfolge, also frühestens ab August 2005, teilte die KfW mit.

Insgesamt könnte der Bund dann mit mehr als 1 Mrd. Euro zusätzlichen Einnahmen rechnen. Knapp die Hälfte davon entfällt auf die Zinsersparnis, welche die KfW mit 500 Mill. Euro bezifferte. Denn die Verzinsung von Wandelanleihen ist wegen der Umtauschoption wesentlich günstiger als die Emission einer herkömmlichen Anleihe. Die fünfjährige KfW-Anleihe wird mit nur 0,75 % verzinst. Die Differenz gegenüber der marktüblichen Verzinsung muss die KfW an den Bund zurückzahlen. Hinzu kommt die Differenz zwischen Umtauschkurs und dem Kurs, zu dem die KfW die T-Aktien vom Bund übernommen hat. Vom Bund erhielt die KfW die Aktien zum Kurs von durchschnittlich 15 Euro. Bei einer Platzierung zu 17,53 Euro würde das der KfW Zusatzerträge von über 630 Mill. Euro bringen. Die Differenz zwischen Kauf- und Marktkurs muss die KfW ebenfalls an den Bundesfinanzminister abführen.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte allerdings: „Einen Zusammenhang zwischen der Debatte um das Vorziehen der Steuerreform und deren Finanzierung gibt es nicht und ist auch nicht beabsichtigt.“ Das sieht der CDU-Haushaltspolitiker Dietrich Austermann jedoch anders. Für ihn wagt die KfW wegen der dramatischen Haushaltslage mit Billigung des Bundes eine „Verzweiflungstat“, um weitere Platzhaltergeschäfte für die Privatisierung von Bundesvermögen zu ermöglichen. Dadurch könne dann ein Teil der vorgezogenen Steuerreform finanziert werden. „Telekom-Kleinaktionäre werden sich angesichts ihres Einstandskurses über die 5-Jahres-Prognose des zu erwartenden Aktienkurses nur empören können“, sagte Austermann dem Handelsblatt. Auch aus Sicht von HelabaTrust-Analyst Holger Bosse „deutet die Transaktion darauf hin, dass der Bund zur Finanzierung der Steuerreform weitere T-Aktien an die KfW verkaufen möchte“. Ein KfW-Sprecher schloss dies hingegen erst einmal aus. Laut Haushaltsplan kann der Bund in diesem Jahr aber noch 5,5 Mrd. Euro an Aktien der Deutschen Telekom oder der Post an die KfW überschreiben.

Die Bonner Telekom begrüßte die KfW-Emission als eine marktschonende Maßnahme. Langfristig könnte die T-Aktie sogar profitieren, da eine Tilgung der Anleihe mit Aktien den Streubesitz erhöhen würde. Der Freefloat der T-Aktie, also Aktien, die zum Handel an der Börse bereitstehen, könnte in den kommenden Jahren um bis zu sechs Prozentpunkte steigen. Da viele Aktienindizes, beispielsweise auch der Deutsche Aktienindex Dax, für die Gewichtung der Werte nur die frei handelbaren Aktien anrechnen, wird das Gewicht der T-Aktie in den Indizes zulegen. Gestern gab der Kurs der Telekom-Aktie bei hohen Umsätzen allerdings um 2,9 % nach.

Quelle: Handelsblatt

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