Top-Rating-Verlust
S&P senkt Daumen über Frankreich

Die gute Nachricht: Deutschland behält seine Topbonität. Die schlechte: S&P entzieht Frankreich den AAA-Status. Für den Verlauf der Schuldenkrise dürften die Auswirkungen aber verkraftbar sein.
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Berlin/DüsseldorfIm Sog der Schuldenkrise büßt Europas Wirtschaftsriese Frankreich seine Top-Bonitätsnote ein. Standard & Poor's (S&P) habe die Pariser Regierung über die Senkung der AAA-Bewertung um eine Stufe informiert, erklärte der französische Finanzminister Francois Baroin am Freitagabend. Präsident Nicolas Sarkozy berief eine Krisensitzung ein.

Die mächtige US-Ratingagentur macht nach dem ersten Warnschuss an die Euro-Zone im Dezember nun zum Auftakt des neuen Jahres Ernst: Noch am Abend wurde mit einer ganzen Reihe von Herabstufungen gerechnet. Euro-Zonen-Vertretern zufolge wankte auch Österreichs Spitzenbewertung. Dagegen dürfte Deutschland seine Bestnote behalten. Für die betroffenen Länder kann sich die schlechtere Bewertung in höheren Zinsen niederschlagen, wenn dies auch nicht zwangsläufig eintreten muss. Die Märkte reagierten dennoch nervös.

„Ich bestätige, dass Frankreich - wie die meisten Euro-Zonen-Länder - über eine Änderung seines Ratings informiert wurde“, sagte Baroin in den Hauptabendnachrichten des Fernsehsenders France 2. Dies sei keine Katastrophe, da AA+ immer noch ein gutes Rating sei. Die Herabstufung bedeute aber, dass Frankreich seine Reformen ausweiten müsse: „Wir müssen mutig sein.“ Die Beschäftigung müsse gestärkt werden. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat besonders mit der Schuldenkrise zu kämpfen, weil die Banken des Landes stark in den Problemländern engagiert sind. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble relativierte die Bedeutung des Schritts aber umgehend.

Auch dem Triple-A-Land Österreich geht es Kreisen zufolge an den Kragen. S&P senke die Bonitätsnote um eine Stufe und setze dazu den Ausblick auf negativ. Das bedeute, so ein Euro-Zonen-Vertreter, dass S&P zu 30 Prozent damit rechnet, 2012 oder 2013 Österreich abermals herunterzustufen. Österreichs Geldhäuser machen viele Geschäfte im klammen Ungarn.

Kommentare zu " Top-Rating-Verlust: S&P senkt Daumen über Frankreich"

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  • @ bambam

    Was hat die US-Subprime Krise mit der pro-aktiven Aufweichung der Stabilitätskriterien durch Rot-Grün Schröder-Fischer oder mit der 160%igen Verschuldung Italiens zu tun (um nur 2 von hunderten von Beispielen zu nennen)?

    Wenn Sie ein von vornherein einsturzgefährdetes Haus konstruieren, reicht der kleinste Erdstoß. Wenn-s nicht die Subprime-Krise ist, dann halt früher oder später ein anderer Auslöser. Dr Effekt ist gleich: Ihr Haus stürzt ein.

  • Griechenland ist ein Thema für sich und würde allein nicht für eine Kriese diesen Ausmaßes ausreichen. Wenn Griechenland alle Steuerschulden eintreiben würde und 50% des Rüstungsmaterial verkaufen würde, wären dort alle Probleme gelöst. Dort ist man jetzt in der Realität angekommen, aber die entsprechende fiskalische Struktur aufzubauen, dauert halt.

  • Im übrigen sollte man auch nicht vergessen, was der Ursprung allen Übels war: Die subprime Kriese 2008, verursacht durch Ratingagenturen und dem Wahnsinn Immobilien über den zehnfachen Wert zu beleihen. Allein die Problematik der amerikanischen Kreditkartenüberschuldung reicht für das weltgrößte mögliche Desaster... da schmiert man lieber erstmal andere an....

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