Trendwende an den Anleihemärkten ist weit entfernt
Experten sehen Renditeanstieg gelassen

Der Start in das dritte Quartal ist für Staatsanleihen so schlecht ausgefallen wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Von Februar bis Juni dieses Jahres hatte die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnde Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ein Allzeittief nach dem anderen markiert.

cü FRANKFURT/M. Seit Juli ist die Rendite dagegen recht stetig um insgesamt einen Viertelprozentpunkt gestiegen, in der Spitze lag sie bei 3,38 Prozent. In den USA waren die Ausschläge noch heftiger. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte um 0,45 Prozentpunkte auf 4,40 Prozent. Grund waren durchweg besser als erwartete Konjunkturdaten. Dabei wiesen vor allem Frühindikatoren wie die Indizes der US-Einkaufsmanager und des Münchener Ifo-Instituts darauf hin, dass sich die Wirtschaft doch besser entwickelt als erwartet. „Gleichzeitig stieg das Geldmengenwachstum in der Euro-Zone und zerstörte in Kombination mit den besseren Daten die Hoffnungen auf eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB)“, sagt Richard Zellmann, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft First Private Investment Management.

Experten sehen aber trotz kurzfristiger Risiken keine Zeichen für eine Trendwende am Anleihemarkt. Gestern sanken die Kapitalmarktzinsen auch schon wieder etwas. „Die Renditen sind historisch gesehen immer noch sehr niedrig und werden es voraussichtlich bleiben“, sagt Raimund Nierop, Fondsmanager bei Credit Suisse Asset Management (CSAM). „Die Welt der niedrigen Renditen ist noch absolut intakt“, meint auch Zellmann.

Dieser Ansicht haben sich inzwischen die meisten Banken angeschlossen. Ende vergangenen Jahres prognostizierten noch die meisten Häuser, dass die zehnjährige Bund-Rendite 2005 deutlich über vier Prozent klettert. Anfang des Monats veröffentlichte die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires aber eine Umfrage unter 35 Finanzinstituten, die auf Sicht der nächsten sechs Monate im Schnitt eine Rendite von 3,40 Prozent erwarten. „Die meisten Investoren sind trotz des Stimmungsumsschwungs aber noch nicht in lang laufenden Anleihen überinvestiert, so dass von dieser Seite keine Gefahr droht“, meint Fondsmanager Nierop.

Unter den Banken gehört Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) schon lange zu den Bond-Optimisten. Die Strategen sehen jetzt zwar noch kurzfristig die Gefahr eines Renditeanstiegs, halten aber am übergeordneten Bild sinkender Renditen fest und prognostizieren für Ende nächsten Jahres eine zehnjährige Bund-Rendite von nur 3,10 Prozent. „Dafür sprechen unter anderem das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA und die hohe Verschuldung der privaten Haushalte über den Immobilienmarkt“, erklärt Daniel Pfändler, Leiter der Zinsstrategie bei DrKW. Diese Ungleichgewichte würden den Boden für eine künftige globale Konjunkturschwäche bereiten. Deshalb werde die US-Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus wohl im nächsten Jahr beenden. In der Euro-Zone gebe es angesichts der niedrigen Wachstumsraten und der moderaten Preisentwicklung ohnehin keinen Grund für die EZB, die Leitzinsen zu erhöhen. Außerdem drohe von der Inflationsseite auch deshalb keine Gefahr für Anleihen, weil die Globalisierung zu einem enormen Preisdruck nach unten führt“, sagt auch Nierop von CSAM.

Schließlich führen Experten die strukturell hohe Nachfrage als Grund für anhaltend niedrige Anleiherenditen an. Versicherer und Pensionskassen bringen ihre Auszahlungsverpflichtungen mit den Laufzeiten ihrer Anlagen stärker in Einklang. Deshalb greifen diese institutionellen Investoren verstärkt zu lang laufenden Bonds.

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