Trotz Griechenkrise
Spanien sammelt Milliarden ein

Während es für Griechenland immer enger wird, sammelt Spanien Milliarden am Geldmarkt ein - und muss dafür kaum höhere Zinsen als zuletzt bezahlen. Doch der wahre Test steht erst am Donnerstag bevor.
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Madrid, FrankfurtBei der Auktion von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von 18 Monaten verlangten die Investoren eine Rendite von 3,26 Prozent nach zuletzt 3,095 Prozent. Auch für Staatstitel mit einjähriger Laufzeit wurden nur geringfügig höhere Zinsen fällig. Insgesamt sammelte das klamme Spanien rund 5,42 Mrd. Euro ein. "Die Nachfrage zeigt, dass die Investoren auf Spanien vertrauen", sagte Ökonomin Jo Tomkins von 4cast. Das Land habe damit gute Chancen, nicht in den Strudel der Schuldenkrise um Griechenland, Portugal und Irland hineingezogen zu werden.

Dies gilt als gutes Omen für die am Donnerstag geplante Emission von Staatsanleihen, bei der die Regierung in Madrid bis zu 3,5 Mrd. Euro frisches Geld aufnehmen will.

Der Risikoaufschlag für zehnjährige spanische Anleihen zur vergleichbaren Bundesanleihe ging zugleich leicht zurück und fiel unter 2,5 Prozentpunkte. Von solchen Konditionen kann das immer tiefer in den Schuldensumpf sinkende Griechenland nur träumen: Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für Anleihen aus Athen zog weiter an und lag am Mittag bei 1429 (Montagabend: 1413) Basispunkten. Die Rendite auf zehnjährige griechische Papiere stieg auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. In der Spitze warfen die Titel 17,791 Prozent ab.

Anleger warteten auf Ergebnisse des informellen Treffens der EU-Finanzminister in Brüssel. Dabei sollte auch über neue Milliarden-Hilfen für Griechenland beraten werden, da das Land nicht wie ursprünglich erhofft 2012 mit Anleiheemissionen an die Kapitalmärkte zurückkehren kann. Die Positionen der Teilnehmer liegen teilweise weit auseinander.

Griechenland selbst wagte sich unterdessen trotz der erhöhten Unsicherheit wieder an den Geldmarkt: Mit der Ausgabe von sechsmonatigen Papieren nahm die Regierung in Athen dabei 1,625 Mrd. Euro ein. Das Ägäisland muss allerdings fast fünf Prozent Zinsen zahlen und damit noch einmal mehr als zuletzt.

Die Skepsis gegenüber griechischen Anleihen ist durch eine erneute Herabstufung der Bonität Athens durch die Ratingagentur S&P verstärkt worden. Diese hatte am Pfingstmontag für einen Paukenschlag gesorgt und die Bewertung für langfristige Hellas-Staatsanleihen um drei Stufen auf CCC zurückgestuft. Damit ist Griechenland nun das Land mit dem weltweit schlechtesten Kreditrating von S&P. An den Finanzmärkten zogen im Schlepptau der griechischen Papiere auch die Prämien für Staatsanleihen aus anderen schuldengeplagten europäischen Staaten wie Portugal und Irland an.

Spanien steht nach Ansicht von 4-cast-Expertin Tomkins wesentlich besser da und kann sich zunehmend von den Hochschuldenländern Griechenland, Irland und Portugal absetzen. Das größte Land auf der Iberischen Halbinsel war im Sog der Schuldenkrise in den Randstaaten der Euro-Zone Ende vorigen Jahres von den Märkten verstärkt ins Visier genommen worden. Spanien gilt wegen seines konsequent eingeleiteten Sparkurses jedoch derzeit nicht als Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm, unter den der Nachbar Portugal sowie Irland geflüchtet sind.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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