Trotz Pleitenserie
Geschäft mit Mittelstandsanleihen brummt

Zehn Tage ist es her, dass der Maschinenbauer Rena als 15. mittelständischer Anleiheemittent Insolvenz angemeldet hat. Doch lässt die Pleitewelle Anleger kalt. Das Geschäft an der Frankfurter Börse hat sich verdoppelt.
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FrankfurtDas Geschäft mit Mittelstandsanleihen entwickelt sich bei der Deutschen Börse trotz einer Reihe von Insolvenzen prächtig. Die Zahl der Anleihen von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die im Entry Standard der Börse gelistet sind, hat sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verdoppelt auf 55. Im laufenden Jahr rechnet Deutschlands größter Börsenbetreiber mit zehn bis 15 neuen Anleihen, wie Deutsche-Börse-Manager Cord Gebhardt am Dienstag in Frankfurt sagte.

Mittelstandsanleihen, die auch an den Börsen in Stuttgart und Düsseldorf gehandelt werden, stehen in der Kritik, weil zuletzt zahlreiche Emittenten Pleite gingen. In Frankfurt waren davon seit dem Start des Segments vor drei Jahren vier Anleihen betroffen.

Die Kritik von Anlegerschützern, dass gerade private Investoren nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt würden, wies Gebhardt zurück. „Risikofreie Börsen gibt es nicht“, sagte er. „Insolvenzen gehören zum Anleihegeschäft fest dazu die Frage ist nur, wie viele.“

Die bisherige Insolvenzquote im Entry Standard der Deutschen Börse von rund sieben Prozent hält Gebhardt für akzeptabel. Die Quote dürfe jedoch nicht über 25 Prozent steigen, sonst müsse man sich als Betreiber Gedanken über eine Neuordnung des vergleichsweise schwach regulierten Segments machen. Aktuell sieht Gebhardt dafür jedoch keinen Anlass. Bei den Anleihen, die im Schnitt 7,3 Prozent Rendite abwerfen, müssten sich Investoren bewusst sein, dass das Ausfallrisiko höher sei als bei Dax-Konzernen.

Die Deutsche Börse sorge dafür, dass alle formalen Kriterien erfüllt seien und dass Investoren genügend Informationen von den Unternehmen bekämen, sagte Gebhardt. Ein „Best Practice Guide“ für Unternehmensanleihen, den die Deutsche Börse am Dienstag vorstellte, soll Anlegern helfen zu beurteilen, ob die Anleihen-Emission handwerklich gut gemacht ist.

Ob das Geschäftsmodell der ausgebenden Firma funktioniere und sie die Anleihe am Ende zurückbezahlen könne, müssten die Investoren jedoch selbst entscheiden, betonte Gebhardt. „Diese Verantwortung können wir den Investoren durch Regeln nicht abnehmen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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