Trotz Warnung von Moody's
Zinsen für Deutschland historisch niedrig

Die Top-Bonitätsnote wackelt. Trotzdem sammelt der deutsche Staat frisches Geld zu geringeren Kosten ein. Die Anleger kaufen eine 30-jährige Anleihe zu absurd niedrigen Zinsen.
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FrankfurtTrotz des kritischen Ausblicks der Ratingagentur Moody's auf die Kreditwürdigkeit Deutschlands kann sich die Bundesrepublik auch langfristig zu historisch niedrigen Zinsen mit Geld versorgen. Für die am Mittwoch aufgestockte 30-jährige Bundesanleihe erhielten Investoren im Schnitt 2,17 Prozent Zinsen, wie die Bundesbank in Frankfurt am Main mitteilte. Damit ist die Rendite für die Papiere so niedrig wie nie.

Moody's hatte am Montag den Ausblick für die Bonität Deutschlands auf negativ gesenkt. Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde herabgesetzt. Als Begründung gab die Ratingagentur die "wachsende Unsicherheit" in der Eurozone an und verwies auf die Möglichkeit eines Ausstiegs Griechenlands aus dem Euro sowie dessen mögliche Auswirkungen auf weitere Krisenstaaten wie Spanien. Am Dienstag senkte Moody's auch den Ausblick für den Euro-Rettungsfonds EFSF und sechs Bundesländer. Eine negativer Ausblick ist ein möglicher erster Schritt für eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

Der Bund-Future baute seine Verluste nach der Emission allerdings aus. Er rutschte um bis zu 74 Ticks auf 144,29 Punkte ab. "Die Reaktion ist völlig überzogen, denn die Auktion war in Ordnung", sagte ein Börsianer.

Die Ratingagentur Moody's verteidigt ihren negativen Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands. „Wir konzentrieren uns in unserer Analyse auf die Kreditwürdigkeit eines Schuldners“, sagte Hornung dem Handelsblatt. Dabei seien das Vertrauen der Investoren in Deutschland und die niedrigen Anleiherenditen sehr positiv. Dies sei auch berücksichtigt worden.

Zu den Gründen, warum Deutschland nicht besser behandelt wird als die USA, obwohl diese viel höher verschuldet sind, sagte Hornung: „Wir bestimmen Ratings nicht mechanisch nach Schuldenkennziffern. Und die USA sind nicht nur die größte Volkswirtschaft der Welt, sondern ein über einen langen Zeitraum gewachsener Währungsraum mit einem stabilen Finanz- und Notenbanksystem.“
Die Gefahr, dass Griechenland aus dem Euro-Raum austritt und dass auch Spanien und Italien Hilfen für die Refinanzierung brauchen, habe Moody's zu dem negativen Ausblick für Deutschland veranlasst, sagte Hornung dem „Handelsblatt“. Die damit verbundenen Risiken ließen sich nicht mehr mit „den stabilen Ratingausblicken verbinden, die wir bislang für die "Aaa"-Ratings von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg vergeben hatten.“ Ein Problem für Deutschland sei zudem, dass die Banken erhebliche Positionen an spanischen und italienischen Anleihen hielten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Da müssen wir Europäer uns aber schämen, bei soviel Solvenz in der gesamten Welt. Alle Bundesstaaten in den USA sind super finanzstark oder etwa nicht ? Was erzählen uns denn die Wahrsager von Fitch, Moodys und Standard & Poors darüber.

  • In 2008 dachten auch alle, die Welt bzw. der Globus fällt in dunkle, endlose Tiefen. Doch da fiel den sozialistischen Politikern die später weltweit geachtete Kurzarbeit ein. Nun hoffen die Anleger zum negativen Realzins wohl unterbewusst das Gleiche, setzen es einfach schon: voraus. Sogar in den USA wurde eine neue VisaCard mit Karl-Marx den Herstellern aus den Produktionsmaschinen gerissen!!! Was, welche BÄNDE spricht das??

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