Türkei gilt als Sonderfall
Osteuropäische Anleihen bieten Chancen

Investoren, die nach attraktiven Renditen bei möglichst geringem Risiko suchen, werden bei Anleihen der nächsten Beitrittskandidaten für die Europäische Union fündig. Auf Euro lautende Bonds aus Bulgarien, Rumänien und Kroatien mit Laufzeiten um die zehn Jahre bringen zwischen 0,70 und einem Prozentpunkt mehr Rendite als vergleichbare Bundesanleihen. Dabei sind die Kurse der Bonds schon deutlich gestiegen und ihre Renditen gesunken.

HB FRANKFURT/M.„Ein großer Teil der Beitrittsphantasie ist in den Renditen enthalten, dennoch sollten sie mittelfristig weiter sinken“, sagt Tim Haaf, Fondsmanager beim zur Allianz-Gruppe gehörenden Dit. Er geht davon aus, dass die Renditen der Anleihen mittelfristig auf das Niveau der im Mai beigetretenen EU-Länder Polen, Tschechien, Ungarn, Estland, Slowenien, Slowakei, Lettland, Litauen, Malta und Zypern fallen werden. Deren Bonds bieten im Schnitt nur noch zwischen 0,20 und 0,25 Prozentpunkte mehr Rendite als Bundesanleihen. Deshalb sei es kein Wunder, dass sich Investoren jetzt den nächsten Beitrittskandidaten zuwenden, meint Haaf.

Für deren Bonds spricht auch, dass sie als recht sicher gelten. Die Bonds der EU-Beitrittsländer würden kaum noch als Schwellenlän- der-Risiken angesehen, sagt Oliver Stönner, Volkswirt bei der Commerzbank. Das spiegelt sich auch in den Ratings der Länder wider. Kroatien und Bulgarien werden von den drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch mit Bonitätsnoten innerhalb des so genannten Investment-Grade eingestuft. Rumänien sieht S&P ebenfalls in dieser recht sicheren Kategorie, Moody’s und Fitch stufen die Kreditwürdigkeit des Landes dagegen noch als spekulativ ein.

Rumänien bietet die höchsten Renditen unter den Beitrittskandidaten. Anders als Bulgarien hat das Land die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Stönner geht aber davon aus, dass dies bis zum ersten Quartal nächsten Jahres passieren wird. Das könnte den Kursen rumänischer Bonds noch einmal einen deutlichen Schub nach oben geben, meint er. Auch Haaf sieht bei Rumänien die größten Chancen auf Kursgewinne.

Kroatien ist erst im Juni als offizieller Beitrittskandidat anerkannt worden und hat noch einen längeren Weg vor sich. Experten gehen aber davon aus, dass Kroatien gemeinsam mit Bulgarien und Rumänien im Jahr 2007 oder 2008 in die EU aufgenommen wird. Kroatische Bonds bieten indes die niedrigsten Renditen. Fundamental gelten alle drei Länder als weitgehend gesund. Die Schuldenstände sind recht niedrig, und den Leistungsbilanzdefiziten stehen schon hohe Direktinvestitionen gegenüber.

Anders ist das bei der Türkei, wo unter anderem das sehr hohe Leistungsbilanzdefizit Sorgen macht. Die Türkei profitiert jedoch besonders stark von den EU-Beitrittsperspektiven. Die Bonds des Landes bieten zwar deutlich höhere Renditen als bulgarische, rumänische und kroatische Euro-Anleihen. Dennoch rentieren türkische Euro-Bonds etwa zwei Prozentpunkte niedriger als vergleichbare brasilianische Papiere. Dabei steht Brasilien für Beobachter fundamental sogar besser als die Türkei da, und die Ratings der Länder sind ähnlich. Viele Banken empfehlen türkische Anleihen dennoch zum Kauf. Fondsmanager Haaf ist dagegen skeptisch. Er erwartet zwar, dass die EU der Türkei im Dezember Beitrittsverhandlungen anbieten wird, die Anleihen hätten sich aber schon zu gut entwickelt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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