Turbulenzen
Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen steigen

Der Markt für Unternehmensanleihen ist ins Trudeln geraten. Das zeigt sich vor allem bei Kreditderivaten. Dort sind die Risikoaufschläge von so genannten Credit Default Swaps – einer Art Ausfallversicherung für Kredite und Anleihen – deutlich gestiegen. Die Turbulenzen dürften noch eine Weile anhalten.

cü/mm FRANKFURT/LONDON. Der Risikoaufschlag des fünfjährigen I-Traxx-Crossover Index Europe ist zuletzt bis auf 232 Basispunkte gestiegen. Der Index misst das Ausfallrisiko von 50 europäischen Unternehmen schwacher Bonität. Der Anstieg bedeutet, dass Anleger pro Jahr 232 000 Euro zahlen müssen, um ein Portfolio über zehn Mrd. Euro gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. Vor ein paar Tagen lag der Aufschlag noch bei 194 Basispunkten. Bei den Firmenbonds im Cash-Markt sind die Renditen und Risikoaufschläge weniger stark gestiegen, doch der Derivate-Markt gilt als Gradmesser für die Stimmung der Investoren.

Die Aufschläge im Crossover-Index sind noch nicht so hoch wie im März, als die Subprime-Krise erstmals hochkochte. „Dafür ist der Anstieg jetzt länger nachhaltiger, das zeigt die Verunsicherung der Investoren“, sagt Joachim Heppe vom Bondsyndikat der Commerzbank. Anleger beobachteten inzwischen gerade die Subprime-Krise genau. Diese Krise um die Ausfälle bonitätsschwacher Hypothekenkredite in den USA hat bereits zwei Hedge-Fonds von Bear Stearns ins Trudeln gebracht.

„Der Markt für Unternehmensanleihen ist derzeit angeschlagen“, sagt Stephan Ertz, Fondsmanager bei Union Investment. Angesichts der trotz des jüngsten Anstiegs immer noch niedrigen Risikoprämien spricht er aber auch von einer „gesunden Korrektur“ und geht davon aus, dass sich der Markt wieder beruhigen wird.

Die Verwerfungen haben indes auch den europäischen Markt für neue Anleihen erreicht. Anfang der Woche hatte der Stahlkonzern Arcelor eine geplante Anleiheemission verschoben. Aktuell vermarktet zwar der schweizerische Schokoladenhersteller Barry Callebaut einen Bond über 350 Mill. Euro. Er kündigte dabei aber vorsorglich einen Rückzieher an, sollten die Marktturbulenzen anhalten. „Es gab bereits sehr viele neue Bonds, das hat die Aufnahmefähigkeit des Marktes etwas überstrapaziert“, nennt Fondsmanager Ertz als weitere Begründung für die Zurückhaltung der Anleger.

„Wir werden mehr Rückzieher und mehr Verschiebungen sehen“, meint Michael Ridley, Ko-Leiter des weltweiten Anleihegeschäfts der Investmentbank JP Morgan. Es fehle nicht an Geld. Im Markt sei nach wie vor reichlich Liquidität vorhanden. Aber das Misstrauen der Investoren sei deutlich gestiegen. Die Anleger forderten bessere finanzielle Konditionen und einen höheren Risikoschutz.

Notenbanken, Ratingagenturen und Investmentbanker warnen bereits seit einiger Zeit vor einer Blase, die sich durch die zuletzt explosionsartig gestiegene Nachfrage nach Übernahmekrediten und Anleihen gebildet hat. Angetrieben durch die nach immer größeren Unternehmen jagenden Beteiligungsgesellschaften, ist der Markt für Akquisitionskredite in den vergangenen Jahren rapide angeschwollen. Zeitgleich hat sich die Kreditqualität deutlich verschlechtert.

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