Überarbeitung des Pfandbrief-Gesetzes
Streit über Pfandbrief-Aufweichung

In der deutschen Bankenbranche ist ein Streit über eine drohende Aufweichung der Pfandbriefregeln entbrannt. Eurohypo-Chef Bernd Knobloch warnte nach den Erfahrungen aus der US-Hypothekenkrise davor, die Beleihungsgrenzen anzuheben. Skeptische Töne hatte es zu Wochenbeginn bereits seitens des Bundesfinanzministeriums gegeben.

FRANKFURT. Eurohypo-Chef Bernd Knobloch, aber auch andere Institute und sowie die öffentlichen Banken sprachen sich am Mittwoch vehement dagegen aus, die Beleihungsgrenze für Wohnimmobilien im Deckungsstock anzuheben. „Man sollte hier in einem solchen Umfeld nicht versuchen, opportunistisch gesetzliche Regelungen zu ändern“, sagte Knobloch. Dies sei absolut kontraproduktiv. Die US-Hypothekenkrise habe gezeigt, dass der Wert von Wohnimmobilien keineswegs vor Schwankungen gefeit sei. Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) versuchte indes, die Wogen zu glätten.

Der Pfandbrief ist eine deutsche Erfindung. Dabei handelt es sich um Anleihen, die mit Staatskrediten oder Immobilienfinanzierungen besichert sind. Die Papiere und ihre Konstruktion sind gesetzlich geregelt. Der Pfandbrief wurde so zum Modell für ähnliche Wertpapiere in anderen Ländern. 2006 wurden nach VDP-Angaben Pfandbriefe im Wert von gut 167 Mrd. Euro emittiert. Der Markt für so genannte „Covered Bonds“, also pfandbriefähnlich gedeckte Schuldverschreibungen, beträgt etwa 1,8 Bill. Euro. Da Wohnungskredite im Deckungsstock eines Pfandbriefs nur zu 60 Prozent beliehen werden dürfen, sind Investoren selbst bei einem drastischen Wertverlust der Immobilien immer noch geschützt. Dies hatte sich jüngst im Zuge der Kreditkrise als großes Plus erwiesen. Während fast alle forderungsbesicherten Anleihen zum Teil kräftige Risikoaufschläge hatten hinnehmen müssen, blieben Pfandbriefe von den Turbulenzen an den Finanzmärkten praktisch unberührt.

VDP-Hauptgeschäftsführer Louis Hagen hatte kürzlich in einem Interview für 2008 eine Überarbeitung des Pfandbriefgesetzes in Aussicht gestellt. Dabei werde erwogen, bei Wohnungskrediten die Beleihungsgrenze von bislang 60 auf 80 Prozent des Deckungsstocks anzuheben. „Da ist noch überhaupt nichts entschieden“, relativierte Hagen gestern im Gespräch mit dem Handelsblatt die Aussagen. Ob die Option einer Ausweitung tatsächlich verfolgt werde, müsse der VDP-Vorstand entscheiden. Womöglich werde das Thema nun im Lichte der Subprime-Krise völlig anders bewertet. Klar sei aber auch, dass der Pfandbrief in Deutschland heute sicherer sei als in fast jedem anderen Land. „Es gibt kaum jemand, der eine so niedrige Beleihungsgrenze hat, wie wir in Deutschland“, sagte Hagen.

Die im Verband Öffentlicher Banken (VÖB) organisierten Landesbanken und Förderinstitute übten indes harsche Kritik an den Überlegungen. „Der VÖB hat sich stets für eine hohe Qualität des Deckungsstocks eingesetzt und tritt einer Verwässerung klar entgegen“, hieß es. „Unabhängig von der eventuellen Positionierung anderer Verbände unterstützt der VÖB derartige Reformbestrebungen nicht.“ Man gehe davon aus, dass die Diskussion ohne nennenswerte Resonanz bleiben werde. Bernd Bach, der bei der Wiesbadener Aareal Bank das Liquiditätsmanagement leitet, wandte sich ebenfalls gegen eine Aufweichung der Standards. Angesichts des derzeitigen Marktumfelds komme die Diskussion „ zu einem falschen Zeitpunkt“.

Skeptische Töne hatte es zu Wochenbeginn bereits seitens des Bundesfinanzministeriums gegeben. So erklärte Abteilungsleiter Jörg Asmussen, die außerordentlich hohe Qualität des Pfandbriefs dürfe „durch nichts“ angetastet werden. Der Zentrale Immobilien-Ausschuss (ZIA) wandte sich ebenfalls gegen eine Lockerung der Standards. Er sehe hierfür keinen Anlass, sagte der ZIA-Vorsitzende Eckart John von Freyend dem Handelsblatt.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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