Übernahmen sorgen für eine geringere Zahl von Teilnehmern bei Auktionen
Immer weniger Banken bieten bei US-Staatspapieren mit

Das US-System der Primärhändler ist in den vergangenen Jahren radikal geschrumpft: Von der Rekordgröße mit 46 Banken im Jahr 1988 hat sich Gruppe der Institute, die direkt an den Auktionen von US-Staatsanleihen, den Treasuries, teilnehmen, inzwischen auf 19 verkleinert. Das ist die geringste Zahl seit 1960. Damit steigt die Marktmacht der Händler, und der Staat muss höhere Verzinsungen zahlen.

NEW YORK. Zuletzt fiel der gestrauchelte Hypothekenfinanzierer Countrywide Financial nach der Übernahme durch Bank of America aus der Reihe der Primärhändler. Erneut sinken wird die Zahl, wenn JP Morgan Chase die Übernahme von Bear Stearns vollzogen hat. Beobachter fürchten, dass der Wegfall von immer mehr Mitgliedern die Kreditaufnahme für den Staat und damit letztlich für den Steuerzahler verteuert.

"Wenn weniger Banken für US- Staatsanleihen bieten, wird das zu weniger effizienten Auktionen führen", prognostiziert Mark MacQueen, Fondsmanager bei Sage Advisory Services. Während die Zahl der Primärhändler schrumpft, steigt hingegen der Kapitalbedarf der Regierung. Im nächsten Jahr muss sie ein Rekord-Haushaltsdefizit von 482 Mrd. Dollar finanzieren. Als vor 48 Jahren das Händlersystem mit 18 Teilnehmern ins Leben gerufen wurde, hatten die USA einen Überschuss von 300 Mill. Dollar.

Händler profitieren häufig, indem sie die Papiere vor der Auktion platzieren. Dabei werden die Anleihen so gehandelt, als ob sie bereits begeben wurden. Wenn die Auktion eine höhere Rendite ergibt als am Vorauktionsmarkt, können die Händler die Papiere zu einem niedrigeren Preis erwerben und die Differenz als Profit einstecken. Primärhändler nahmen zuletzt rund 71 Prozent der Papier ab.

"Die Fed und das Finanzministerium werden nervös, wenn die Zahl der Händler zu stark sinkt. Denn dann müssen einige mehr dieser Papiere platzieren." Händler haben dann mehr Möglichkeiten, die Renditespanne zwischen Vorauktionshandel und Auktion zu beeinflussen. Die Renditen bei Papieren, die in diesem Jahr begeben wurden, sind im Schnitt einen Basispunkt höher als im Vorauktionshandel. In früheren Jahren waren die Renditen gleich oder im Vorauktionshandel sogar niedriger. Bei 171 Mrd. Dollar - dem in diesem Quartal begebenen Volumen an Treasuries - entspricht eine Differenz von einem Basispunkt Zinskosten für den Staat von 17,1 Mill. Dollar. Zu den Primärhändlern zählen neben den großen Wall-Street-Adressen auch die Deutsche Bank und Dresdner Kleinwort.

Quelle: Bloomberg

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