Umfrage unter Banken
Die Luft für Firmenanleihen wird dünn

An den Rentenmärkten drohen Kursverluste: Unternehmenspapiere sind davon weniger betroffen als Staatsbonds.

FRANKFURT/M. Bei den Experten der Banken stehen Unternehmensanleihen immer noch hoch im Kurs, obwohl die Papiere nur noch wenig mehr Rendite als Staatsbonds bieten. Das ergab eine Umfrage des Handelsblatts unter den fünf Banken, die vom Fachmagazin „Euromoney“ auf Basis einer Umfrage unter institutionellen Investoren zu den besten Strategen gekürt wurden. Nur Morgan Stanley sieht Unternehmensbonds kritisch.

Bei näherer Betrachtung relativieren sich aber die positiven Einschätzungen der Experten. Denn sie resultieren primär aus dem Vergleich mit Staatsanleihen. Citigroup, BNP Paribas, Barclays Capital und Lehman Brothers glauben, dass vor allem die Kurse der Staatspapiere fallen werden. Bei Unternehmensanleihen wird im Schnitt mit stabilen bis leicht fallenden Kursen gerechnet. Das heißt, dass die Renditen der Staatsanleihen in jedem Fall stärker klettern werden als die der Unternehmensbonds. Damit würde sich dann der Renditeabstand (Spread) zwischen Firmen- und Staatspapieren noch weiter leicht verringern.

Für Privatanleger, für die die Spread-Entwicklung nicht so wichtig ist, heißt dies aber auch, dass sie besser Unternehmens- als Staatsbonds kaufen sollten – sofern sie das höhere Ausfallrisiko der Unternehmensanleihen akzeptieren. Dieses Risiko wird jedoch abgeschwächt, weil nur kurze Laufzeiten zu empfehlen sind. Denn in ein bis zwei Jahren dürften Langläufer deutlich höhere Renditen abwerfen als heute.

Dreh- und Angelpunkt für die relativ positive Meinung der Strategen über Firmenbonds sind die erwartete wirtschaftliche Erholung und daraus resultierende Erhöhungen der Leitzinsen. „Historisch zeigt sich, dass die Spreads am Anfang von Zinserhöhungszyklen noch weiter sinken“, betonen David Brickman von BNP Paribas und Matt King von der Citigroup. Ihre Argumente: Bei einer sich erholenden Wirtschaft verbessern sich die Gewinne der Unternehmen, und dadurch können sie leichter ihre Schulden zurückzahlen. Das Risiko der Unternehmensanleihen sinkt und führt deshalb zu geringeren Risikoaufschlägen. „Die Ergebnisse der Unternehmen verbessern sich, viele übertreffen die Erwartungen und bereinigen ihre Bilanzen weiter. Das hilft den Bonds“, erklärt Mahesh Bhimalingam von Lehman Brothers.

Von der Konjunkturerholung werden vor allem die Unternehmen profitieren, die ein Rating am unteren Rand der Investitionsklasse – also Dreifach-B – haben. Denn sie bieten die höchsten Risikoaufschläge. „Deshalb empfehlen wir, Tripple-B-Anleihen im Bondportfolio überzugewichten“, sagt Jim Reid von Barclays Capital. Auch BNP Paribas, Citigroup und Lehman Brothers setzen vor allem auf BBB-Anleihen.

Von den Branchen her stehen bei den Häusern die Anleihen von Autokonzernen auf den Empfehlungslisten. Weil die in der vergangenen Woche publizierten Unternehmenskennzahlen besser als erwartet ausfielen und wegen der vergleichsweise hohen Spreads werden vor allem die Titel von General Motors und Ford empfohlen. BNP Paribas erwartet zudem, dass sich die Risikoaufschläge der Anleihen von Daimler-Chrysler noch weiter verringern werden, nachdem der Konzern entschieden hat, die angeschlagene Tochter Mitsubishi nicht weiter zu unterstützen. Daneben mögen Citigroup, BNP Paribas und Barclays Capital nachrangige Anleihen von Banken und Versicherern.

Morgan Stanley ist dagegen skeptisch. „Die Spreads sind allgemein zu niedrig und werden in diesem Jahr um bis zu 0,30 Prozentpunkte steigen“, sagt Neil McLeish. Auch er argumentiert mit den erwarteten Zinserhöhungen, kommt aber zu anderen Schlüssen: Höhere Zinsen würden zu fallenden Kursen an den überbewerteten Aktienmärkten in den USA führen. „Das wird dann generell die Risikoscheu der Investoren erhöhen. Darunter werden vor allem schlechter bewertete und zyklische Unternehmensanleihen leiden.“ Deshalb rät Morgan Stanley generell dazu, Firmenbonds unterzugewichten. Empfehlenswert seien allenfalls Unternehmensanleihen mit hohen Ratings und Telekombonds.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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