Umschuldung
Anlegerschützer wollen gegen Griechenland klagen

Vor allem für diejenigen Kleinanleger, die Papiere halten, die noch in diesem Jahr fällig sind, ist der Zwangsumtausch ärgerlich. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger prüft juristische Schritte.
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Griechenland ist vorerst gerettet. Doch der Preis ist hoch: Nicht nur Banken und andere private Investoren müssen auf viel Geld verzichten, auch Kleinsparer trifft der Schuldenschnitt hart. Selbst diejenigen, die dem Forderungsverzicht von mehr als 50 Prozent nicht zugestimmt haben, sollen zur Kasse gebeten werden.

Griechenland will alle Gläubiger mit Bonds nach griechischem Recht zum Umtausch zwingen. Formal bedeutet der Umtausch alter Anleihen in neue Papiere einen Forderungsverzicht von 53,5 Prozent. Wegen längerer Laufzeiten und niedrigerer Zinsen ergeben sich aber weitere Belastungen für die Gläubiger. Der Verlust dürfte sich letztlich auf mehr als 70 Prozent belaufen.

Deutsche Anlegerschützer lehnen den von der griechischen Regierung beschlossenen zwangsweisen Schuldenschnitt ab. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) teilte am Freitag in München mit, sie prüfe juristische Schritte gegen die beteiligten Parteien. Das Vorhaben der griechischen Regierung, die Inhaber von Anleihen nun mit Hilfe von rückwirkend eingeführten Zwangsumschuldungsklauseln zur Teilnahme am Schuldenschnitt zu zwingen, verstoße gegen grundlegende Rechtsgrundsätze. Die SdK rechnet mit einem jahrelangen Rechtsstreit, der bis vor den Europäischen Gerichtshof gehen könne.

„Wir werden jetzt rechtliche Maßnahmen ergreifen“, sagte das Vorstandsmitglied Daniel Bauer am Samstag im Deutschlandfunk. Ziel sei es, dass zumindest die Kleinanleger 100 Prozent ihrer Forderungen zurückerhielten. „Es gibt Beispiele in anderen Ländern, die haben gezeigt, dass hier vor allem Hedgefonds gerichtlich erfolgreich waren.“

Ärgerlich dürfte der Zwangsumtausch vor allem für Anleger sein, die Papiere haben, die noch in diesem Jahr fällig werden. Sie hatten immerhin eine Chance, dass die Anleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Das ist nun vorbei. Jetzt bekommen sie Bonds mit einer Laufzeit von teilweise 30 Jahren mit einem Zinssatz, „der unterhalb des aktuellen Marktniveaus liegt und vielleicht gerade einmal für einen Inflationsausgleich reicht“, wie Finanzexpertin Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt.

Wehren könnten sich Kleinsparer kaum: „Sie müssten im Endeffekt prüfen lassen, ob das verabschiedete Gesetz gegen höherrangiges Recht wie die griechische Verfassung verstößt.“ Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Rocholl, Präsident der European School of Management and Technology, hatte bereits vor der SdK-Mitteilung gewarnt: „Damit könnten auch rechtliche Klagen auf Griechenland zukommen.“ Auch Verbraucherschützer Hermann-Josef Tenhagen rechnet damit, dass einige Anleger, die mit ihren griechischen Bonds einen Verlust erlitten haben, vor Gericht ziehen.

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  • Ein Witz was da in das Depot geucht wird - verkaufen kann man einen großen Teil der Positionen nicht - die Transaktionskosten sind teilweise höher als der erzielbaren Marktwerte. Hier werden die Banken in eine Abzockposition gebracht, die sie gerne annehmen.
    Wohin kann ich den DRECK transaktionskostenfrei spenden ?

  • Es ist wirklich eine absolute Unverschämtheit deutscher Politiker wie sie die Kleinanleger behandeln. Zuerst suggerieren sie einen freiwilligen Umtausch und dann lassen sie die Banken für den Kleinanleger die Begingungen aushandeln uns griechische kleinanleger bleiben aussen vor. Mit denen hat Herr Schäuble Mitleid.
    Ich verstehe nicht wie deutsche Banken einem freiwilligen Schuldenschnitt zustimmen und gleichzeitig bestimmen können dass auch die anderen Schuldner mitmachen müssen.
    Die Bank kann jy freiwillig tauschen und auf der CAC nicht zustimmen. Insifern haben die Banken durch Ihre Zustimmung zu den CAC die Kleinanleger geschädigt. Sehe ich das falsch?

  • Ich gehöre auch zu den Zockern, die sich auf die Aussagen der Politik verlassen haben und einen Verlust von max 50% vom Nennwert einkalkuliert haben. In dieser Woche muss ich erkennnen, dass meine Bank (IngDiba), die Anleihen zu auf Basis des reduzierten Einstandspreises und nicht auf Basis des Nennwertes getauscht hat. Damit habe ich ca. 25 % vom Nennwert zurückgehalten. Liegt hier ein Missverständnis vor?

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