Umschuldung
Anleihetausch für Portugal wird wahrscheinlicher

Nach dem griechischen Schuldenschnitt denken viele Investoren um.. Sie wollen künftig am liebsten solche Anleihen halten, für die internationales Recht gilt. Davon könnten Portugal und andere Krisenstaaten profitieren.
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Der Schuldenschnitt in Athen könnte sich für andere Krisenländer noch als Segen entpuppen. Der am Freitag von Griechenland angekündigte Zwang zur Beteiligung dürfte private Gläubiger anderer Staaten so sehr verunsichern, dass sie künftig womöglich tatsächlich aus freien Stücken einem Forderungsverzicht zustimmen. Dies käme beiden Seiten zu Gute: Die Länder könnten auf einen Schlag einen Teil ihres erdrückenden Schuldenberges abtragen und die Investoren heiß ersehnte Rechtssicherheit erlangen.

Der Auslöser für diese Überlegungen sind die bei Investoren verhassten rückwirkenden Anleiheklauseln (Collective Action Clauses), die unwillige Gläubiger zum Tausch ihrer Papiere zwingen sollen. Allerdings dürfte auch ohne ihre Anwendung wohl kaum die offizielle Lesart stimmen, der Tausch laufe „freiwillig“ ab. Nicht umsonst bemerkte Commerzbank-Chef Martin Blessing jüngst, die Beteiligung sei „so freiwillig wie ein Geständnis in der spanischen Inquisition“.

Schon jetzt können einige Investoren über die Klauseln nur lachen. Sie besitzen nämlich Schuldtitel nach internationalem Recht, deren Regeln nicht von den Entscheidungen des Athener Parlaments rückwirkend verändert werden dürfen. Vereinbarungen zum Schuldentausch müssten hier für jede Anleihe einzeln vereinbart werden und nicht wie im Falle Griechenland bei Bedarf per Mehrheitsentscheid. Internationale Papiere sind gegen die Klauseln schlicht immun. Diese Rechtssicherheit ist den Investoren viel Geld wert. Sie zahlen für diese Titel doppelt so viel wie für Papiere nach griechischem Recht. Genau dieser kleine aber feine Unterschied, lokales oder internationales Recht, könnte auch andere Schuldenstaaten und deren Gläubiger zu einem wirklich freiwilligen Nachlass bewegen. So argumentierten diese Woche in einer Studie der Vize-Chefvolkswirt der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Jeromin Zettelmeyer, und Mitu Gulati von der Duke University.

Folgender Handel drängt sich geradezu auf: Die Anleger tauschen ihre Anleihen nach lokalem Recht, sei dies nun portugiesisch, irisch oder spanisch, in solche nach internationalem Recht um und verzichten dafür auf einen Teil der Kreditsumme. „Abhängig davon, wie viel den Anleihe-Gläubigern dieser Handel wert wäre, könnte er sich auch für die Staaten lohnen.“.

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Gefahr könnte sich als Chance erweisen

Kommentare zu " Umschuldung: Anleihetausch für Portugal wird wahrscheinlicher"

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  • Klauen ist das nicht, sondern enteignen. Der Staat hat ein Recht zu enteignen.- Bei dem Lastenausgleich nach dem Weltkrieg II, enteignete der Staat 30% des Eigentums der Bürger, kassierte 168MRD DM... das Gleiche wird er wieder tun, solange sich die Bürger nicht beschweren und auf die Straße gehen.

  • "Gefahr könnte sich als Chance erweisen"

    Na super, jetzt wird es schon als Chance deklariert ausgeraubt zu werden.

  • Schuldenschnitt hört sich so normal an. Ist es nicht richtigiger zu schreiben, den Investoren wurde die Hälfte des Geldes geklaut?

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