Umschuldung
Investoren suchen die Konfrontation mit Dubai

Heute beginnen die Gespräche zwischen der Staats-Holding Dubai World und Banken sowie Investoren über die Umschuldung von Außenständen mit einem Volumen von 26 Mrd. Dollar. Bei der Rückzahlung einer vier Milliarden Dollar schweren Anleihe wollen amerikanische Hedge-Fonds keine Kompromisse machen.
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DUBAI. Die Welt schaut in dieser Woche gespannt auf das mit bis zu 100 Mrd. Dollar verschuldete Emirat Dubai. Im Zentrum des Interesses steht die Staats-Holding Dubai World, die auf Gesamtverbindlichkeiten von 59 Mrd. Dollar sitzt.

Die Regierung von Dubai hatte die Gläubiger von Dubai World und deren Tochter Nakheel am 25. November gebeten, für 26 Mrd. Dollar einen Zahlungsaufschub bis mindestens Ende Mai 2010 zu gewähren. Der Baukonzern Nakheel, der unter anderem die künstlichen Palmen-Inseln im Persischen Golf anlegte, hatte seine Projekte in hohem Maße auf Pump finanziert.

Zumindest ein Teil der Investoren will es auf eine handfeste Konfrontation mit Dubai World ankommen lassen. Dabei geht es um die Rückzahlung einer islamischen Anleihe von Nakheel, die am 14. Dezember fällig ist und einschließlich Zinsen eine Gesamtsumme von vier Mrd. Dollar aufweist. "Vor allem amerikanische Hedge-Fonds spielen Hardball, um ihr Geld auf Heller und Pfennig zurückzubekommen", sagte ein Spitzenbanker in Dubai dem Handelsblatt. "Diese Unternehmen verhandeln äußerst aggressiv, weil sie nur auf ihren kurzfristigen Vorteil aus sind und keine langfristigen Interessen in der Region haben."

Hedge-Fonds demonstrieren Härte

Der New Yorker Hedge-Fonds QVT hat sich an die Spitze von 15 bis 20 internationalen Anlegern gestellt, um die vier Mrd. Dollar einzutreiben. Nach Angaben aus Finanzkreisen haben die Investoren mehr als 25 Prozent Anteile an der Nakheel-Anleihe, verfügen also über eine Sperrminorität, um jedwede Einigung zu blockieren. Hedge-Fonds und andere spekulative Investoren haben in den vergangenen Wochen vermehrt Papiere des im Kurs stark gefallenen Nakheel-Bonds gekauft.

Angesichts von Dubais Bitte um ein Schuldenmoratorium rückt diese Möglichkeit jedoch in weite Ferne. Sollten die Außenstände von Nakheel bis zum 14. Dezember nicht beglichen werden, befänden sich sowohl das Unternehmen als auch Dubai World im Zahlungsverzug; die Muttergesellschaft hatte die Schulden von Nakheel garantiert. Nach einer Übergangsfrist bis zum 28. Dezember könnten die Gläubiger versuchen, ihre Ansprüche einzuklagen. Für Dubai wäre dies ein Präzedenzfall, von dem Experten allerdings abraten. "Wer weiter in der Region Geschäfte machen will, darf diesen Weg nicht gehen", sagte ein Bankchef. Fachleute betrachten es als äußerst unwahrscheinlich, dass ein Gericht der Emirate ein Urteil gegen eine Staats-Holding im eigenen Land verhängt. Hinzu kommt, dass sich viele Assets von Dubai World in Dubai befinden und seit Ausbruch der Finanzkrise kräftig an Wert verloren haben.

Für regionale und internationale Banken kommt ein Rechtsstreit daher nicht in Frage. "Wir machen nicht viel Lärm, sondern streben eine einvernehmliche Lösung an", sagte ein Banker der Emirates NBD. Das Institut ist das größte Geldhaus auf der Arabischen Halbinsel und zeichnet für ein Fünftel aller Unternehmensdarlehen in den Emiraten. Nach Angaben von Finanzexperten steht Dubai World bei Emirates NBD mit drei Mrd. Dollar in der Kreide. Auch die HSBC, die größte internationale Bank in der Region, bemüht sich um eine diskrete Lösung. Laut Finanzkreisen, die Dubai World beraten, liegen zwei Hauptoptionen auf dem Tisch: Entweder die Frist zur Rückzahlung der Schulden wird gegen verbesserte Zinskonditionen um mehrere Jahre gestreckt, oder die Gläubiger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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