Unsicherheit über den nächsten US-Zinsentscheid
Aussicht auf große Koalition stärkt Anleihen

Das Scheitern eines klaren Richtungwechsels in der deutschen Politik dürfte die europäischen Anleihemärkte kurzfristig beflügeln.

FRANKFURT/M. Sowohl eine große Koalition zwischen CDU und SPD wie auch eine rechnerisch mögliche Regierung aus SPD, Grünen und Linke/PDS würde die Kurse an den Anleihemärkten steigen lassen, meint Gernot Griebling, Chefstratege für Anleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg. „Einer großen Koalition trauen Investoren nicht zu, dass die Reformen mit dem Elan weiter geführt werden, wie sie begonnen wurden“, sagt er. Im Falle einer Linksregierung, die Bundeskanzler Gerhard Schröder gestern erneut ausgeschlossen hat, fürchtet er sogar eine Flucht in Anleihen.

Mittelfristig dürfte allerdings auch negativ auf die Bondkurse wirken, dass beide möglichen Regierungen aller Erwartung nach noch mehr Schulden machen werden. Die Folgen einer rechnerisch möglichen Ampelkoalition aus SPD, FDP, der und Grünen, der FDP-Chef Guido Westerwelle gestern eine Absage erteilt hat, sind für die Bondmärkte kaum einzuschätzen. Längerfristig bestimmten allerdings wieder strukturelle Einflussfaktoren auf die Wirtschaft und konjunkturelle Veränderungen die Rentenmärkte, sagt Peter Müller von der Commerzbank.

Mit Spannung erwarten Anleihestrategen zudem, ob die US-Notenbank am Dienstag die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent erhöhen wird. „Da es bislang kaum Belege dafür gibt, dass die US-Wirtschaft nach dem Energieschock durch den Hurrikan „Katrina deutlich an Dynamik eingebüßt hat“, rechnen die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein mit dem insgesamt elften Zinsschritt in Folge. Allerdings erwarten sie, dass der Offenmarktausschuss der Fed in seiner Stellungnahme andeuten wird, dass künftige Schritte von den Folgen des Hurrikans abhängen – also den üblichen Verweis auf ein „gemäßigte Zinserhöhungstempo“ auslässt. Eine solche Entscheidung steckt bereits in den Anleihekursen in den USA und Europa, so das die Märkte darauf nicht mehr reagieren dürften.

Überwiegend positive Impulse für Bonds können laut Rentenexperten einige Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA geben. Am Dienstag dürften die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland wegen der gestiegenen Ölpreise und der Ungewissheit über die politische Zukunft im Land etwas schwächer ausfallen. Die stark gestiegenen Energiepreise sollten sich zudem in den für diese Woche erwarteten Verbraucherpreisen für September für die deutschen Länder niederschlagen. Dies könnte die Stimmung für Bonds trüben.

In den USA rechnen Bankstrategen damit, dass der Frühindikator des Conference Board für August erneut auf eine Beruhigung der US-Wachstumsdynamik hinweist. Dies wären wiederum gute Nachrichten für die Bondmärkte.

Bereits am Freitag standen die europäischen Staatsanleihen unter dem Einfluss der Bundestagswahl. Händler berichteten über große Zurückhaltung der Investoren, die Kurse bewegten sich nur wenig. Das Stimmungsbarometer für den europäischen Anleihemarkt, der Bund-Future, schloss um 0,12 Prozentpunkte niedriger bei 122,74 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg leicht auf 3,14 Prozent. Am US-Rentenmarkt drückte die Verunsicherung über die Preisniveauentwicklung und die anstehende Fed-Entscheidung auf die Anleihekurse. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg leicht auf 4,28 Prozent.

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