Unsicherheit über Reformen
Anleiheprofis raten von Italien ab

Der knappe Wahlausgang in Italien Mitte des Monats hat die Investoren an den Anleihemärkten verunsichert. Die nur hauchdünne Mehrheit des Mitte-Links-Bündnisses von Romano Prodi lässt nach Einschätzung von Analysten nichts Gutes für Italien erwarten.

FRANKFURT. „Die Chancen für überfällige Strukturreformen sind gesunken“, schreibt zum Beispiel die Hypo-Vereinsbank (HVB). Einschnitte im öffentlichen Dienst zur Sanierung der Staatsfinanzen seien ebenso wenig zu erwarten wie angebotsorientierte Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung des Wachstums.

Am Anleihemarkt sind die Kurse italienischer Staatsanleihen seit Mitte April gefallen und die Renditen gestiegen. Während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch nicht einmal die Marke von vier Prozent erreicht hat, rentieren zehnjährige italienische Staatsbonds inzwischen mit 4,25 Prozent. Damit bietet Italien für zehnjährige Bonds gut 0,30 Prozentpunkte mehr Rendite als vergleichbare Bundesanleihen. So hoch waren die Risikoaufschläge (Spreads) seit vier Jahren nicht mehr.

Dennoch warnen Analysten Anleger davor, italienische Staatsanleihen zu kaufen. „Italien muss so schnell wie möglich einen glaubhaften Kurs zur Budgetkonsolidierung präsentieren, sonst drohen schlechtere Bonitätsnoten von den Ratingagenturen“, sagt Thomas Gitzel, Rentenstratege bei der Landesbank Baden Württemberg (LBBW). Und schlechtere Ratings könnten zu noch leicht höheren Risikoaufschlägen führen. Derzeit bewerten Fitch und Moody’s die Kreditwürdigkeit von Italien mit „AA“ und „Aa2“ und damit der drittbesten Ratingnote. Standard & Poor’s (S&P) hat mit „AA-“ ein noch um eine Stufe schlechteres Rating vergeben. Die Ratingausblicke sind bei S&P und Fitch negativ.

Italiens Anleihen bieten schon jetzt in etwa so hohe Renditen wie griechische Staatsbonds, obwohl die Ratingagenturen Griechenland ein bis zwei Stufen schlechter einschätzen als Italien. „Dafür macht Griechenland allerdings Fortschritte beim Wirtschaftswachstum und Schuldenabbau, während sich Italien verschlechtert“, erklärt Gitzel von der LBBW.

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