Unternehmen in Finanzinvestorenhand
Versteckte Risiken lauern in den Bilanzen

Anleihen von Unternehmen in Finanzinvestorenhand sind hochriskant. Enorme Schulden lasten in den Bilanzen.

"Dem Unternehmen geht es hervorragend." Sagt David Haines, Vorstandschef des Badarmaturenherstellers Grohe. Das sauerländische Traditionsunternehmen gehört den Finanzinvestoren Texas Pacific Group (TPG) und Credit Suisse Private Equity. Kritiker sehen es allerdings als Paradebeispiel für die Plündertaktik von Finanzinvestoren. Die an der Börse notierte festverzinsliche Anleihe wird trotz Haines Urteil von der Ratingagentur Standard & Poor’s als "sehr wahrscheinlich ausfallgefährdet" eingestuft. 2007 gelang es Grohe, das Bild eines wieder gesunden Unternehmens zu vermitteln – ohne jedoch die vollständige Bilanz herauszurücken. Die spricht eine andere Sprache: Grohe steht alles andere als gesund da. Zunächst kaufte BC Partners Grohe und einverleibte sich im Jahr 2000 das komplette Konzern-Eigenkapital zugunsten der eigenen Rendite. BC und später TPG lasteten dem Mittelständler enorme Schulden auf, Ende 2006 offenbarte sich eine Bilanz des Grauens.

Vor dem ersten Eigentümerwechsel kannte Grohe keine Schulden, schrieb tiefschwarze Zahlen und hatte üppig Eigenkapital (siehe Tabelle). Ende 2006 lagen die Nettofinanzschulden über dem Jahresumsatz, die Eigenkapitalquote war geschrumpft auf sieben Prozent, von schwarzen Zahlen ist Haines weit entfernt. "Grohe ist recht stark gehebelt", so Roman Gaiser, Anleihenmanager bei der Fondsgesellschaft Threadneedle. Übersetzt: Grohe hat hohe Schulden bei geringen Mittelzuflüssen. 2014 ist das Jahr der Wahrheit. Dann werden Grohe-Anleihen fällig und die Anschlussfinanzierung steht an. Ohne frisches Eigenkapital, also etwa einen Gang an die Börse, könnte es dann bei möglicherweise höheren Zinsen eng werden für Grohe. Sehr eng.

Nicht viel besser steht Cognis da. Die ehemalige Henkel-Tochter gehört Permira und Goldman Sachs. Ende März wies das Unternehmen ein negatives Eigenkapital und Nettofinanzschulden von 1,5 Milliarden Euro aus. Analysten rechnen anders und kommen gar auf 2,25 Milliarden Euro Schulden. "Cognis ist eine kleinere Dimension. Im Vergleich zu manchen aktuellen Übernahmen durch Finanzinvestoren erscheint die Verschuldung noch relativ überschaubar", wertet Gaiser das Unternehmen. Trotz hervorragender Konjunktur schaffte Cognis aber im ersten Quartal nur acht Millionen Euro Gewinn. Cognis muss 2015 noch eine sich aufzinsende nicht öffentliche Anleihe über derzeit 362 Millionen Euro bedienen. 2013 werden im Mai ausgegebene Anleihen und Darlehen von 1,65 Milliarden Euro fällig – die Stunde der Wahrheit für die 3,4 Milliarden Euro Umsatz starke Cognis.

Besser geht es ATU, im Besitz des Finanzinvestors KKR. Der Autoteilehändler und Reparaturbetrieb hat noch Schulden von 768 Millionen Euro – etwa das Fünffache des diesjährigen operativen Cash-Flows. Und dann wären da noch rote Zahlen (2007 geschätzt: 19 Millionen Euro) und abschreibungsgefährdete Vermögenswerte, die Ende 2006 mit 901 Millionen Euro knapp das Doppelte des Eigenkapitals von 517 Millionen Euro ausmachten. Auch Unity Media – ein Kabelnetzbetreiber und Mutter des sich auflösenden Fußballsenders Arena – ist fest in der Hand der Finanzinvestoren BC Partners und Apollo. 196 Millionen Euro Verlust bei 870 Millionen Euro Umsatz und Schulden von gut 1,6 Milliarden Euro – so liest sich die Bilanz 2006. Während Anleihen von ATU interessant sind, bieten die Papiere von Unity Media wenig Perspektive.

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