Unternehmensanleihen bringen nur geringe Renditeaufschläge
Bei Firmenbonds ziehen Wolken auf

Inzwischen bringen Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating, das für gute Bonität steht, nur noch 0,56 Prozentpunkte mehr Rendite als vergleichbare Staatsbonds der Industrienationen

FRANKFURT/M. Seit Ende Oktober 2002 haben die Kurse von Unternehmensanleihen eine beeindruckende Rally hingelegt: Dadurch sanken die Renditen absolut und relativ im Vergleich zu Staatsanleihen. Zuletzt stiegen die Risikoaufschläge (Spreads) jedoch moderat an. Von einer Trendwende wollen Analysten noch nicht sprechen, einige Fondsmanager bezeichnen die historisch niedrigen Aufschläge aber schon als „fast unheimlich“.

Inzwischen bringen Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating, das für gute Bonität steht, nur noch 0,56 Prozentpunkte mehr Rendite als vergleichbare Staatsbonds der Industrienationen. Deren Renditen fielen zuletzt ebenfalls deutlich. Seit gut einer Woche rentiert die zehnjährige Bundesanleihe unter vier Prozent – so niedrig wie seit März nicht mehr.

Für Unternehmensanleihen sprechen in diesem Jahr fast nur noch technische Faktoren. Damit ist vor allem die hohe Nachfrage der Investoren bei gleichzeitig sinkendem Angebot an neuen Bonds gemeint. „In gewisser Weise ist es paradox, dass die Investoren trotz der niedrigen Renditen weiter zu Unternehmensbonds greifen“, sagt Saida Eggerstedt, Strategin bei der Fondsgesellschaft Deka Investment. Als Begründung verweisen Beobachter im Wesentlichen auf das Umfeld. Durch die niedrigen Renditen der Staatsanleihen sind Investoren gezwungen, zu Unternehmensbonds zu greifen, um wenigstens etwas höhere Renditen zu bekommen.

Zudem gelten Anleger derzeit als risikobereit, was ihre Neigung für Unternehmensbonds steigert. „Auf der anderen Seite sind die wirtschaftlichen Aussichten aber nicht so robust, dass Investoren vermehrt von Anleihen in Aktien umschichten“, sagt Eggerstedt. Sie rechnet – wie gut die Hälfte der von JP Morgan befragten Investoren – mit einer Seitwärtsbewegung der Unternehmensanleihen bis Jahresende.

„Kurzfristig wird es vereinzelt Gewinnmitnahmen geben, aber die werden nicht allzu dramatisch ausfallen“, sagt Eggerstedt. Viel hänge von der Zinspolitik der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Gefahr drohe den Rentenmärkten allgemein, wenn die Fed ihren Zinserhöhungszyklus aggressiv fortsetze und die EZB ins gleiche Horn stoße. Das sei aber nicht das wahrscheinliche Szenario.

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