Unternehmensanleihen
Der Ausverkauf hat begonnen

Investoren trennen sich im großen Stil von Unternehmensanleihen. Im Schnitt haben die Papiere seit dem 22. Mai durchschnittlich 3,7 Prozent verloren. Der Abwärtstrend könnte sich im zweiten Halbjahr noch verstärken.
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Anleger fliehen aus Unternehmensanleihen. Die Papiere erfreuten sich bei Investoren in den vergangenen Jahren großer Beliebtheit, boten sie doch eine deutliche höhere Rendite als renditeschwache Staatsanleihen. Die Kursverluste von Unternehmensanleihen belaufen sich seit dem 22. Mai nach Angaben der Bank of America Merrill Lynch im Schnitt auf 3,7 Prozent. Dagegen haben Staatsanleihen lediglich 2,9 Prozent eingebüßt.

An diesem Tag hatte US-Notenbankpräsident Ben Bernanke ein Ende der Anleihekäufe in Höhe von 85 Milliarden Dollar monatlich in Aussicht gestellt, sollte sich der US-Arbeitsmarkt in der gewünschten Weise entwickeln. Hans Mikkelsen, leitender Marktstratege von JPMorgan Chase Stratege, dem weltgrößten Emissionshaus von Unternehmensanleihen, rechnet damit, dass sich der Abwärtstrend der Papiere nach dem schwächsten jemals verzeichneten ersten Halbjahr noch verstärken könnte.

Seit dem 22. Mai ist der Renditeaufschlag von Unternehmensanleihen gegenüber Treasuries um 39 auf 232 Basispunkte gestiegen, wie aus den Daten  der Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Anleger haben nach Angaben des Investment Company Institute in Washington in dem gleichen Zeitraum zudem 60 Milliarden Dollar aus US-Anleihefonds abgezogen.

„Wir sind weiterhin besorgt über die Bewegung heraus aus Anleihefonds auf Investmentgrade-Niveau, da die Kapitalflüsse den Renditen folgen, und bleiben untergewichtet in diesem Segment”, schrieb Stratege Mikkelsen in einer Studie vom 5. Juli. Die aktuelle Entwicklung  ist ein Schock für die Optimisten, die darauf gesetzt hatten, dass die Risikoprämie von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen ein Schutz bietet vor möglichen Ausverkäufen.

Zugleich wird es für Investoren aber schwieriger, sich von Unternehmensanleihen zu trennen. Dies spiegelt sich in der verringerten Handelstätigkeit wider. Der durchschnittliche Tagesumsatz ist seit dem 22. März bei Hochzinsanleihen um sechs Prozent gefallen, während er im Investment-Grade-Bereich um vier Prozent nachgegeben hat, zeigen Daten von Trace. „Durch eine ganze Reihe neuer, krisenbedingter Regulierungsmaßnahmen haben die potenziellen Käufer nicht mehr die gleichen Möglichkeiten, Kreditrisiken aufzunehmen“, sagte Jan Loeys, leitender Anlagestratege bei JP Morgan in New York.

Während der Spread auf Unternehmensanleihen in der Vergangenheit Zinsanstiege absorbiert habe, sei dies nun nicht der Fall, da die „Jagd nach Rendite“ der zentrale Impuls angesichts der lockeren Geldpolitik weltweit gewesen sei, so Loeys. „Es gibt das Bedürfnis, Unternehmensanleihen los zu werden.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • 13.7.13 Wenn sich der Verkauf von Anleihen verselbständigt, droht ein Anleihecrash. Drum Vorsicht, wer noch auf Anleihen sitzt. Zyklisch dürften die Anleihen ihren Höhepunkt bereits gesehen haben. Und was hoch gestiegen war, fällt tief. So funktioniert der Raubeinkapitalismus. Wolfgang Werkmeister, Buchautor, Eschborn

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