Unternehmensanleihen
Experten empfehlen Firmenbonds

Unternehmensanleihen haben in diesem Jahr nicht viel abgeworfen. Doch soll sich 2012 das ändern. Anleger müssen aber zwischenzeitlich mit starken Schwankungen rechnen.
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FrankfurtDafür, dass die meisten Experten sie seit Jahresanfang empfehlen, wurden Anleger mit Anleihen von Unternehmen nicht gerade reich. Fast vier Prozent Gesamtertrag aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen warfen die auf Euro lautenden Anleihen von Unternehmen im Jahr 2011 ab, denen die Ratingagenturen eine gute Bonität mit dem Siegel „Investment Grade“ attestieren. Und bei den sogenannten Junk-Bonds – hochverzinsten Anleihen von Firmen mit mangelnder Kreditwürdigkeit – steht unter dem Strich sogar ein Minus von knapp drei Prozent.

Diese Rechnung gilt allerdings nur für die Anleger, die ihre Firmenbonds jetzt verkaufen. Wer sie weiter hält, bekommt die laufenden Zinsen und am Ende sein eingezahltes Kapital zurück – also die Rendite, die er sich zum Kaufzeitpunkt gesichert hat. Zudem:  Im Vergleich zu den meisten Aktienmärkten haben sich die Anleihen von Unternehmen auch im Handel wacker geschlagen. Dass bei den soliden Firmen nicht mehr zu holen war, liegt daran, dass die Kurse schon Anfang des Jahres hoch, die Renditen entsprechend niedrig waren. Durchschnittlich 3,3 Prozent werfen die Anleihen der bonitätsstarken Firmen ab – am Jahresanfang wie auch jetzt.

Bei Junk-Bonds erklären Strategen das moderate Minus damit, dass die Verunsicherung der Anleger angesichts der Euro-Schuldenkrise und der ab Sommer eingebrochenen Aktienmärkte deutlich gestiegen ist. Dem konnten sich auch die Hochzinsanleihen nicht entziehen, deren Entwicklung zumindest tendenziell an den Bewegungen der Aktienmärkte hängt. Entsprechend sind die durchschnittlichen Renditen der Junk-Bonds seit Jahresanfang von 9,7 auf 11,5 Prozent geklettert. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede: Die Renditen der besonders schlecht bewerteten Firmen zogen sehr viel stärker an als die von denen mit vergleichsweise guter Bonität im Junk-Segment.

Noch stärker als die Renditen sind die Risikoprämien – also die Renditeaufschläge im Vergleich zu Bundesanleihen – gestiegen. Für Firmenbonds mit guter Bonität gibt es inzwischen fast zwei Prozentpunkte mehr Rendite als für deutsche Staatsanleihen, für die Junk-Bonds sogar 9,7 Prozentpunkte mehr. Und genau das macht die Zinspapiere der Firmen auch für das kommende Jahr zu den Favoriten der Experten, auch wenn Anleger sich zwischenzeitlich auf starke Schwankungen einstellen müssen. „Wir sind fest davon überzeugt, dass Anleihen mit Investment-Grade-Status und Hochzinsanleihen vielversprechende Anlagechancen bieten“, meint etwa Jim Leaviss von M&G Investments. Der Grund: „Aktuell spiegeln die Bewertungen eine bevorstehende Rezession und vor allem zu hohe Ausfallraten wider.“

Zu den oft genannten Favoriten zählen jetzt die Anleihen von Firmen aus defensiven Branchen wie Lebensmittel oder Energie. Auch Anleihen von Industriekonzernen werden oft empfohlen. Bei Hochzinsbonds raten Investoren wie Gregory Saichin von Pioneer Investments zu Firmen aus den Bereichen Technologie und Konsum.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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