Unternehmensanleihen Hier gibt es noch Zinsen

Auch unter den Dax-Konzernen finden sich Schuldner, die am Anleihemarkt zumindest noch etwas Rendite für ihre Bonds bieten müssen. Der Grund: Sie haben eine relativ schwache Bonität. Vier Unternehmen stehen auf dieser Liste.
Mit einigen Anleihen lässt sich das Sparschwein noch füttern. Quelle: Imago
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Mit einigen Anleihen lässt sich das Sparschwein noch füttern.

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FrankfurtAnleger, die Anleihen von Unternehmen kaufen wollen, sind oft frustriert. Die Niedrigzinsphase hat sich – ausgehend von der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) – längst durch die kompletten Bondmärkte gefressen. Das heißt: Wer heute – statt in Bundesanleihen zu investieren – sein Geld gut kalkulierbar in Anleihen von soliden deutschen Unternehmen anlegen will, bekommt dafür nur noch Mager-Renditen.

Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit – einer laut Bankern beliebten Haltedauer von Privatanlegern – von deutschen Blue-Chip-Unternehmen bieten nur wenig. Aktuell vermarktet zum Beispiel die Deutsche Telekom eine neue fünfjährige Anleihe, die weniger als 0,4 Prozent Rendite abwerfen wird. Auch fünfjährige Bonds von Dax-Firmen wie Siemens, BASF, Linde oder Daimler bieten nur noch Renditen zwischen 0,1 und 0,3 Prozent Rendite. Attraktiv ist das allenfalls im Vergleich zur fünfjährigen deutschen Bundesanleihe, die mit fast minus 0,4 Prozent rentiert – Anleger, die das Papier bis zur Fälligkeit halten, machen also garantiert einen Verlust.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Doch es gibt auch im Anleihen von im Dax notierten Unternehmen, die zumindest etwas mehr abwerfen. So hat der Stahlkonzern Thyssen-Krupp im März eine fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A2AAPF1) begeben, die zuletzt mit knapp 2,3 Prozent rentierte. Der Zinsschein, der jährlich gezahlt wird, liegt bei 2,75 Prozent, der Kurs bei gut 102 Prozent. Auch Heidelberg Cement gehört zu den Unternehmen, die Anleger nicht ganz in die Röhre schauen lassen. Die ebenfalls im März platzierte in sieben Jahren fällige Anleihe des Zementkonzerns (ISIN: XS 1387174375 ) hat einen Kupon von 2,25 Prozent und eine Rendite von rund zwei Prozent.

Auch der Gesundheitskonzern Fresenius und seine ebenfalls im Dax notierte Tochter Fresenius Medical Care bieten für ihre Anleihen noch etwas mehr als andere Dax-Firmen. Eine schon länger ausstehende Anleihe von Fresenius Medical Care mit fünf Jahren Restlaufzeit (ISIN XS 0576395478) rentiert mit 1,2 Prozent. Ein ebenfalls fünfjähriges Papier von Fresenius (XS1013956005) wirft noch 0,8 Prozent ab.

Doch warum zahlen diese vier Unternehmen mehr als andere Dax-Konzerne? Der Grund ist die Bonität. Ob ein Unternehmen im Dax notiert, hängt mit der Marktkapitalisierung und dem Börsenumsatz am Aktienmarkt zusammen – nicht mit der Kreditwürdigkeit – also der Fähigkeit, Schulden zurückzuzahlen. Unternehmen, die relativ gering verschuldet sind und hohe Cash-Flows zur Schuldentilgung ausweisen, bekommen von den großen Ratingagenturen Bonitätsnoten im sogenannten Investment-Grade, alle anderen im Non-Investment-Grade. Die Anleihen der bonitätsschwächeren Unternehmen werden deshalb despektierlich auch Junk-Bonds – also Ramschanleihen genannt. Und das müssen eben nicht nur Anleihen von kleinen, unbekannten Firmen sein, sondern auch deutsche Blue Chips sind dabei.

Die Bonität der Junk-Schuldner im Dax
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