Unternehmensanleihen Investoren fühlen sich in die Falle getrieben

Anleihen aus den am höchsten verschuldeten Ländern lagen bei Investoren im Trend. Doch seitdem die EZB vor eine Blase bei diesen Papieren warnt, findet ein Umdenken statt. Investoren flüchten aus dem Markt.
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Die EZB warnte in ihrem Bericht vor einer „übertriebenen” Jagd auf Rendite. Investoren positionieren sich nun neu. Quelle: dpa

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Die EZB warnte in ihrem Bericht vor einer „übertriebenen” Jagd auf Rendite. Investoren positionieren sich nun neu.

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FrankfurtDie EZB hat vor einer „übertriebenen” Jagd auf Unternehmensanleihen aus hoch verschuldeten Ländern gewarnt - und Investoren nehmen die Warnung offenbar ernst.

Pioneer Global Investments baut seine Bestände an Unternehmensanleihen aus den meisten Peripherieländern ab, die schwedische SEB senkte ihre Empfehlung von „Übergewichten“ auf „Neutral“. Blackrock gewichtet die Anleihen in seinen Portfolios unter, und Amundi, der größte Vermögensverwalter der Region, ist nach eigenen Angaben selektiver geworden.

Die EZB hatte ihre Warnung im Mai in ihrem Finanzstabilitätsbericht ausgesprochen. Die Erwartung, dass die Währungshüter bei ihrem Treffen am Donnerstag dieser Woche eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschließen werden, trug dazu bei, dass die Renditen auf Unternehmensanleihen aus Peripherieländern vergangene Woche auf ein Rekordtief von 1,58 Prozent gedrückt wurden, wie Daten von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

„Man fühlt sich als ob man in eine Falle läuft“, sagte Juan Esteban Valencia, Zinsstratege bei Société Générale in Paris. „Der geringste Schreckensmoment könnte die Anleger zum Verkaufen motivieren - und wenn alle rauswollen, wird es keine Liquidität geben.“

Anleihen aus den am höchsten verschuldeten Ländern des Euroraums zu kaufen ist die beliebteste Investmentidee, gaben 35 Prozent der im Mai von Bank of America Merrill Lynch befragten Fondsmanager an. Im April hatten nur 19 Prozent so votiert. Die Papiere werden gern gekauft, seitdem Mitte 2012 die Staatsschuldenkrise abebbte, schrieb die EZB in ihrem Bericht.

„Eine übertriebene Suche nach Rendite könnte angesichts der nach wie vor zaghaften Erholung und einer Normalisierung der US-Geldpolitik unter dem Gesichtspunkt der Finanzstabilität die Anleihemärkte in hohem Maße anfällig für eine Neubewertung von Risiken machen”, schrieb die EZB.

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17 Kommentare zu "Unternehmensanleihen: Investoren fühlen sich in die Falle getrieben"

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  • "So zahlt kaum ein Spanier oder Grieche Miete, diese leben in der eigenen Immobilie."

    Das kann der Deutsche auch. Macht er jetzt endlich auch zunehmend, daher die Preisexplosion auf dem Immobilienmarkt. Aus irgendeinem Grund haben die Deutschen lieber eine Rieser-Rente abgeschlossen, oder Festgeldkonten gepflegt und kein Haus gebaut. Ich fand das nie sinnvoll, doch jeder entscheidet für sich. Um mal Advocatus Diaboli zu spielen, ich behaupte, dass die Deutschen über Jahre hinweg Geld sehr dämmlich angelegt haben und jetzt keine Verantwortung übernehmen wollen, und daher alles auf Draghi schieben.

  • Welche Versicherer? Sind griechiche Versicherer gezwungen griechische Staatsanleihen zu kaufen, oder in AAA-Anleihen? Und "zufällig" ist Deutschland einer der wenigen AAA-Besitzer und daher investieren Krisenstaaten in die deutsche Volkswirtschaft?

    Ausserdem stimmt es nicht, dass alle Versicherer Anleihen kaufen müssen. Ich konnte bei Abschluss meiner PV den Fonds/Aktien/Anleihen-Mix auswählen.

  • Quatsch! Die Versicherer MÜSSEN es in Staatspapiere anlegen, das ist ja die Farce dabei. Der Staat lässt nichts an seine eigene Staatsfinanzierung kommen. Er gibt die Regeln vor. Und das macht er nur nach dem eigenen Nutzen.

  • Nein, denn das Vermögen in anderen Ländern ist aufgrund gewachsener Gegebenheiten anders angelegt. So zahlt kaum ein Spanier oder Grieche Miete, diese leben in der eigenen Immobilie. Diese kann aber durch Draghis Wirken nicht belastet werden. Das müsste der Staat mit höheren Grundsteuern.
    Bedeutet der Deutsche wird aufgrund seiner Anlage in Rentenpapiere außergewöhnlich belastet - weil es eben so leicht ist und man sich nicht gegen die EZB auf demokratische Weise wehren kann.

  • "Denn damit steht und fällt in einer (über)alternden Gesellschaft die Staatsfinanzierung. Wer zahlt uns später die private Rente, Krankenversicherung, Pflege, etc.? "

    Fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach, wie diese Ihr Geld anlegt. Wenn die Deutschen keine Kinder machen, dann eben keine Bundesanleihen kaufen.

  • @Schuischel

    Ich verteidige niemanden. Ich habe nur die Paroli der HB-Foristen satt.

    "Der durchschnittliche Deutsche [.] steht an !letzter Stelle!. Die Bürger aus Portugal, Griechenland, Spanien und Zypern haben ein VIELFACHES [.] deutschen Vermögens."

    Das ist doch toll! Dann enteignet Draghi wohl keine deutsche Sparer. Alle sind glücklich. Wieso schreien nur die Deutschen am Lautesten?

    "Aber so ist es halt, wenn man die Subsidiarität außer acht lässt: Der Vermögende wird geschützt."

    Jetzt versteh ich Sie wieder nicht. Ich dachte der "Vermögende" aka. der "Sparer" wird enteignet!? Entscheiden Sie sich jetzt, wird der Sparer enteignet oder geschützt?

  • Hier als Nachweis:
    http://www.friedemann-seebass.de/Politik/pics/Nettovermoegen_sortiert.png

  • Ach so: Und ja, der dt. Sparer für die Altersvorsorge ist wichtig. Denn damit steht und fällt in einer (über)alternden Gesellschaft die Staatsfinanzierung. Wer zahlt uns später die private Rente, Krankenversicherung, Pflege, etc.? Wir oder Draghi? Wenn Draghi, dann sind wir im Sozialismus und der Staatsfinanzierung durch die Zentralbank weiter gekommen, wie wir alle möchten.

  • Das Zinsniveau auf beiden Seiten des Atlantiks ist ungefähr gleich (=gegen null) und natürlich vergleiche ich Anleihen nach der Rendite und der Restlaufzeit!!! Wie denn sonst? Mit dem Nominalzins und der Gesamtlaufzeit?

  • Jaja, sie verteidigen gerade den Einbrecher als hart arbeitender armer Mann... Ein Dieb bleibt ein Dieb. Hätten die Staaten ordentlich gewirtschaftet, müsste Draghi nicht versuchen die Staaten auf Grundlage der EZB-Möglichkeiten zu entschulden.
    Und ihr Argument, dass v.a. die Deutschen etwas auf der Kante haben ist leicht widerlegt: Schauen Sie sich die von der EZB durchgeführte Studie über das Vermögen der Privathaushalte in Europa an. Der durchschnittliche Deutsche mit gerade einmal 51.400 EUR Mittelwert (Median) steht an !letzter Stelle!. Die Bürger aus Portugal, Griechenland, Spanien und Zypern haben ein VIELFACHES des durschschnittlichen deutschen Vermögens. Aber so ist es halt, wenn man die Subsidiarität außer acht lässt: Der Vermögende wird geschützt. Dass sich andere Menschen in Europa von Monat zu Monat finanzieren müssen ist ein Ammenmärchen. Die gibt es sicher auch, das hängt aber mit einer gescheiterten Politik im Land zusammen. Der meiste Teil (wie gesagt Median) hat genug Geld. Sie wollen es aber nicht für die Landsleute opfern und so sucht man in der EU, insbesondere beim dummen Deutschen, sein Heil. Und das klappt ja auch.

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