Unternehmensanleihen
Junk-Bonds vor der Wende

Die Zeiten, in denen hochverzinsliche Firmenanleihen sehr gefragt waren, gehen nach Expertenmeinungen ihrem Ende entgegen. Schon für 2007 wird ein Einbruch bei den Erträgen erwartet. Als Grund gilt die abnehmende Risikobereitschaft. Dies wiederum könnte einen Teufelskreis starten.

FRANKFURT. Der Boom der hochverzinsten Unternehmensanleihen (Junk-Bonds) neigt sich nach Experteneinschätzung dem Ende zu. Der Grund sind die jüngsten Kursturbulenzen. Weil die Nervosität an den Märkten steigt, scheuen Anleger spekulativere Wertpapiere oder verlangen höhere Risikoprämien. Anleihefachleute erwarten daher, dass die Erträge von Junk-Bonds 2007 massiv sinken werden.

In den zurückliegenden vier Jahren brachten Bonds von Schuldnern mit geringer Kreditwürdigkeit den Anlegern satte Erträge aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von im Schnitt 14 Prozent – und damit jedes Jahr deutlich mehr als Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit guter Bonität. Das könnte sich jetzt ändern. „Wir erwarten, dass europäische Junk-Bonds in diesem Jahr nur um die zwei Prozent Ertrag bringen und schlechter als zum Beispiel Staatsanleihen abschneiden werden“, warnt Willem Sels, leitender Stratege bei Dresdner Kleinwort. Dabei würden die Kursverluste nur zu einem kleinen Teil durch die hohen Zinsscheine der Anleihen kompensiert.

Als größte Gefahr für die Märkte sieht Sels steigende Ausfälle. Die Ratingagentur Moody’s prognostiziert, dass die weltweite Ausfallrate in den nächsten elf Monaten auf 3,2 Prozent steigt, nachdem sie Ende 2006 nur bei 1,6 Prozent lag. In Europa blieben unter anderem der Autozulieferer Schefenacker und der britische Telekomkonzern Damovo Zahlungen auf Bonds schuldig.

Dresdner-Stratege Sels fürchtet einen Teufelskreislauf: „Wenn der Risikoappetit von Banken und Finanzinvestoren weiter sinkt, werden sie den Firmen mit schlechten Ratings weniger Kredit geben. Das bringt die Unternehmen in die Bredouille, lässt die Ausfälle noch weiter steigen und damit wiederum die Risikoscheu.“ Sels hält es für wahrscheinlich, dass die Ausfallrate sogar auf vier Prozent klettert: Jochen Felsenheimer von der Hypo-Vereinsbank bewertet Junk-Bonds als zu teuer. „Um hochverzinste Unternehmensanleihen gab es einen extremen Hype, und die aktuellen Aufschläge lassen sich bei vielen Titeln fundamental nicht mehr rechtfertigen.“ Obwohl die Risikoprämien seit Februar gestiegen sind, liegen sie historisch gesehen immer noch niedrig. Junk-Bonds bieten aktuell im Schnitt 2,3 Prozentpunkte mehr Rendite als sichere Staatsanleihen und damit mehr als zum Jahresanfang. Im Mai 2005 – als die Ratingagenturen damit begannen, die Bonität der großen Autokonzerne General Motors und Ford auf Junk-Niveau herunterzustufen – waren die Aufschläge annähernd doppelt so hoch.

Auch Alexis Renault, Fondsmanager bei WestLB Mellon Asset Management, hält die Aufschläge für zu gering und eine Korrektur für wünschenswert. Der Höhepunkt des Wirtschaftswachstums dürfte erreicht sein, von daher müssten die Risiken der Junk-Bonds neu bewertet werden. Für die Papiere rechnet Renault in diesem Jahr mit Erträgen zwischen vier und fünf Prozent. Etwas optimistischer ist Roman Gaiser. Der Fondsmanager bei Threadneedle rechnet mit Erträgen von gut fünf Prozent. Um Junk-Bonds deutlich unter Druck zu bringen, bräuchte es einen scharfen Einbruch in der Konjunktur, der sich nicht absehen lasse, meint Gaiser. Dennoch seien viele Anleger nervös. Das zeigt sich besonders am liquiden Markt für Kreditderivate. Dort stiegen die Prämien für Ausfallversicherungen auf europäische Junk-Bonds – gemessen am Index ITraxx Crossover – im Februar und März auffallend deutlich an.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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