Unternehmensanleihen
Renditen in Gefahr

Staatsanleihen scheinen angesichts der europäischen Schuldenkrise ausgedient zu haben. Als sichere Anlage haben Investoren nun Anleihen von großen Unternehmen mit großer Bonität entdeckt. Nach dem Rekordjahr 2009 haben sich die Bonds von Firmen auch in diesem Jahr gut entwickelt. Künftig gibt es aber wohl nur noch niedrigere Erträge.
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FRANKFURT. Anleger, die ihr Geld in sicheren Anleihen anlegen wollen, haben es schwer. Staatsanleihen der Euro-Länder haben angesichts der Schuldenkrisen in Griechenland, Irland und Portugal als sichere Anlageklasse per se seit diesem Jahr ausgedient. Und die nach wie vor als krisenfest geltenden deutschen Bundesanleihen waren in diesem Jahr als Reaktion auf die Schuldenkrise so gefragt, dass sie nur noch extrem wenig Rendite bringen.

Als sichere Anlage haben Investoren zudem schon länger die Anleihen von großen Unternehmen mit guter Bonität entdeckt. Das Problem: Auch deren Renditen liegen mit im Schnitt nur noch drei Prozent im historisch niedrigen Bereich und haben sich seit Ende 2008 halbiert. Sogar noch weniger als drei Prozent Rendite bieten die Anleihen von großen deutschen Dax-Konzernen wie Daimler, Deutscher Telekom, Eon oder BASF.

Interessant sind allenfalls die Risikoaufschläge

Trotzdem halten Experten insgesamt die Bonds solider Firmen, denen die Ratingagenturen eine Kreditwürdigkeit im Bereich Investment-Grade bescheinigen, nach wie vor für zumindest halbwegs interessant. Ein Grund: Die guten Firmenbonds werfen im Schnitt immer noch 1,3 Prozentpunkte mehr Rendite ab als Bundesanleihen. „Die Risikoprämie ist damit immer noch attraktiv und liegt deutlich über dem Niveau, das wir in Vorkrisenzeiten hatten“, meint Lisa Coleman, die bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management das Research für Investment-Grade-Unternehmensanleihen leitet.

Trotzdem wird die Luft für die Unternehmensanleihen natürlich dünner: „Die guten Erträge der vergangenen beiden Jahre werden Unternehmensanleihen nicht mehr bringen“, ist Sven Kreitmair, Co-Leiter des Researchs für Unternehmensanleihen bei der italienischen Großbank Unicredit sicher. Rolf Schäffer, Leiter der Kreditstrategie bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet für das kommende Jahr bei Unternehmensanleihen guter Bonität mit einem Ertrag aus Kursentwicklung und Zinseinnahmen von 1,9 Prozent. Überragend ist das nicht: Im Rekordjahr 2009 lagen die Erträge nach Daten der Bank of America-Merrill Lynch bei mehr als 16 und in diesem Jahr bei bislang sechs Prozent. In den Jahren davor waren es jeweils nur knapp ein Prozent.

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  • Welche Renditen?
    Etwa die 2,5% p.a. für Anleihen, die noch 7 bis 10 Jahre laufen?
    Oder die 5% für Schrottanleihen, Nachranganleihen oder Anleihen mit "unbegrenzter" Laufzeit? Hier stehen Risiko und Rendite schon lange in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zueinander.
    Neuemissionen waren stets gnadenlos überzeichnet. Die Anleger stürzten sich wie die Geier auf Cbs. Nein, hier ist der Zug schon seit langer Zeit abgefahren. Wenn jetzt die Kurse ein wenig zurück gehen und die Renditen etwas besser werden, so bringt das etwas Entspannung. Schauen sie sich mal den Handel der börse Stuttgart von gestern an. interessante Kursentwicklung bei den "Langläufern"!

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