Unternehmensanleihen
Verlockende Schwellenländer

Anleger auf der Suche nach attraktiven Erträgen entdecken eine neue Anlageklasse: Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Für Analysten ist die aktuelle durchschnittliche Rendite in den sogenannten Emerging Markets von 5,6 Prozent "ein guter Indikator für den Ertrag, den man in den nächsten Jahren erwarten kann."
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FRANKFURT. "Lange Zeit dachten die meisten Investoren, die einzige Möglichkeit, in Anleihen der Emerging Markets zu investieren, sei der Kauf von Staatsanleihen. Das hat sich in diesem Jahr geändert", sagt Søren Bertelsen, Fondsmanager bei der dänischen Bankinvest. "Anleihen der Unternehmen aus den Emerging Markets werden zunehmend als eigenständige Assetklasse gesehen, und unsere Kunden fragen gezielt danach", meint auch Franz Lörch, Fondsmanager bei JP Morgan Asset Management.

Diese Entwicklung ist durchaus nachvollziebar. Schließlich gibt es in den Industrienationen schon sehr lange die Unterscheidung zwischen Staats- und Unternehmensanleihen. Und Aktien der Unternehmen aus Schwellenländern sind bereits lange en vogue. Zu den allein schon durch ihre hohe Marktkapitalisierung bei Aktien bekannten Unternehmen, die viele Dollar-Anleihen ausstehen haben, gehören der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa, der südkoreanische Autohersteller Hyundai, der russische Gasproduzent Gazprom oder der brasilianische Bergbaukonzern Vale. Zudem sind die wirtschaftlich robusten Schwellenländern generell verstärkt in den Fokus der Anleihekäufer gerückt. "Die Schuldenkrise im Euro-Raum hat insgesamt den Blick der Anleger verstärkt auf die guten Fundamentaldaten vieler Emerging Markets gelenkt", betont Lörch.

Die große Nachfrage hat die Renditeaufschläge der auf Dollar lautenden Bonds von Staaten und Unternehmen aus den Schwellenländern in diesem Jahr um je einen halben Prozentpunkt im Vergleich zu US-Staatsanleihen gedrückt. Die Firmenbonds bieten mit im Schnitt 3,3 Prozentpunkten aber noch einen halben Prozentpunkt mehr Rendite als die Staatsanleihen.

Experten halten das für attraktiv: "Im Zeitraum zwischen 2005 und 2007 lagen die durchschnittlichen Risikoprämien bei weniger als zwei Prozentpunkten und damit sehr viel niedriger als heute. Von daher bieten die Bonds durchaus noch Potenzial", meint Bertelsen. Für Lörch ist die aktuelle durchschnittliche Rendite der Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern von 5,6 Prozent "ein guter Indikator für den Ertrag, den man in den nächsten Jahren erwarten kann."

Die größte Gefahr für die Entwicklung der Dollar-Papiere ist für Richard House, Leiter des Teams für Emerging-Market-Anleihen beim Fondshaus Threadneedle, eine rasche deutliche Erholung der US-Konjunktur, bei der die US-Notenbank die Zinsen erhöhen würde. Der Grund: "Dann würden auch die extrem niedrigen Renditen der US-Staatsanleihen deutlich steigen, und das würde die Renditen anderer Dollar-Bonds mit nach oben ziehen." Entsprechend würden die Anleihekurse fallen.

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