US-Anleihenverkauf
Warum Bondkönig Bill Gross abends in sein Bier weint

Er war über Monate der schärfste Kritiker der USA. Anleihen aus den Staaten kamen ihm nicht ins Portfolio. Jetzt wünscht sich Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds, nichts sehnlicher als US-Anleihen im Depot.
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DüsseldorfBill Gross ist ein Schwergewicht am Anleihemarkt. Für die Pacific Investment Management Company (Pimco), eine hundertprozentige Tochter der Allianz, verwaltet Gross den größten Anleihefonds der Welt. Entsprechend groß war die Aufregung, als Gross im Februar ankündigte, sämtliche US-Staatsanleihen aus seinem Portfolio zu verbannen. Und damit nicht genug: Gross wettete mit drei Prozent seines Fonds-Vermögens auf fallende Kurse von US-Anleihen, später erhöhte er den Anteil auf vier Prozent.

Die Wette, so viel kann man heute bereits sagen, ging gründlich daneben. Seit dem Frühjahr haben die Kurse amerikanischer Staatsanleihen deutlich angezogen, die Renditen sind abgesackt. Weder das wochenlange Hickhack um die Schuldenobergrenze in den USA noch die Herabstufung durch die Ratingagentur S&P, die das US-Rating von "AAA" auf "AA+" zurückstufte, konnte den Treasuries etwas anhaben. Anfang August fielen die Renditen für US-Anleihen auf den tiefsten Stand seit 60 Jahren, aktuell rentieren zehnjährige Papiere lediglich mit knapp 2,2 Prozent. Das gleicht nicht annähernd die Inflation aus, die in den USA offiziellen Daten zufolge zuletzt bei 3,6 Prozent lag. .

Ein Einstieg auf diesem Niveau verbietet sich – sehr zum Leidwesen von Gross, der seinen Fehler längst erkannt hat: "Es ist offensichtlich, dass ich jetzt gerne mehr Treasuries im Portfolio hätte", zitiert ihn die "Financial Times" (FT) auf ihrer Internetseite. "Wenn man dem Markt hinterherhinkt, geht man abends nach Hause und weint in sein Bier."

Pimco's 245 Mrd. Dollar schwerer Total Return Fund hat seit Jahresbeginn 3,2 Prozent an Wert gewonnen. Sein Vergleichsindex, der Barclays Capital US Aggregate Index, hat laut Angaben von Reuters im gleichen Zeitraum 4,55 Prozent zugelegt. In den vergangenen vier Wochen hat der Pimco-Fonds sogar knapp ein Prozent eingebüßt.

Gross begründet seinen Fauxpas mit einer Fehleinschätzung der US-Konjunktur: Er habe gedacht, dass die USA mit einem realen Wachstum von etwa zwei Prozent durch das Jahr kommen würden. "Es sieht jedoch nicht mehr so aus, als wenn dies klappen würde", sagte er der FT. Mit einem geringeren Wachstum dürfte auch ein geringerer Inflationsanstieg einhergehen. Das wiederum verringert die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen.

Die amerikanischen Leitzinsen liegen seit Anfang 2009 in einem Zielkorridor von null bis 0,25 Prozent und damit historisch niedrig. Für die nächsten zwei Jahre hat die US-Notenbank Fed Anfang des Monats höhere Zinsen explizit ausgeschlossen. Für Gross war dies ein entscheidender Wendepunkt, an dem sich seine Einschätzung für die US-Wirtschaft signifikant geändert habe. Er sei nun deutlich pessimistischer.

Ob er mit einem Rückfall in die Rezession rechne, sagte Gross allerdings nicht. Im Mai hatte er erklärt, Pimco würde einzig in dem Fall wieder US-Staatsanleihen kaufen, wenn die USA in Richtung Rezession abrutschen würden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Anleihenverkauf: Warum Bondkönig Bill Gross abends in sein Bier weint"

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  • Wenn es der Wirtschaft besser geht fließt mehr Geld in Aktien, sog. "Renten" (zu denen auch Staatsanleihen gehören) sinken dann tendenziell im Kurs; bei z.B. Rezessionssorgen läuft´s andersrum.

    Die "verbesserte Bonität" des Staates die Sie sicher meinen bleibt da im allgemeinen außen vor.

  • Verstehe die Begündung des Herrn Gross aber auch nicht. Offensichtlich ist er von kurzfristigen Zinserhöhungen ausgegangen die die FED aber höchstwahrscheinlich nur bei einer Erholung des Arbeitsmarktes durchgeführt hätte. Mein Verstand sagt mir wiederum Erholung auf dem Arbeitsmarkt nimmt den Druck von U.S. Bonds, da höchstwahrscheinlich auch das BIP steigen wird, Steuereinnahmen steigen, ect. und letztlich die Fähigkeit der Tilgung des U.S. Defizit sich verbessert.

  • Antibörsianer:
    Ihrem Kommentar sieht man an, dass Sie keine Ahnung von der Börse, der Geldanlage und den Märkten haben. Dann wüssten Sie, dass ein Blick in die Zukunft für alle Marktteilnehmer neblig ist und Fehlentscheidungen zum Geschäft gehören. So wie man im Straßenverkehr auch mal Fehler macht, nur sind die Fehlerfolgen bei der Geldanlage nicht so schlimm.
    Grüße

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