US-Fondsmanager Dan Fuss „Wir dürften in der frühen Phase eines Bärenmarktes sein“

Dan Fuss ist einer der dienstältesten Fondsmanager. Ein Gespräch über den Regimewechsel am US-Anleihemarkt und seinen größten Reinfall bei der Geldanlage.
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„Die Europäische Zentralbank sollte die Zinsen lieber tief halten.“ Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Daniel Fuss

„Die Europäische Zentralbank sollte die Zinsen lieber tief halten.“

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

FrankfurtEr verwaltet 73 Milliarden US-Dollar in Anleihedepots: Dan Fuss. Noch eindrucksvoller als die Geldsumme ist sein Alter: 84 Jahre. Kaum ein Fondsmanager dürfte so viel Erfahrung mitbringen wie der Amerikaner in Diensten von Loomis Sayles. Der humorige Stratege mit bayerischen Großeltern beschreibt während eines Aufenthalts in Frankfurt seine Vision der Marktwende bei US-Zinsen. Er rechnet mit einer Verdopplung der Rendite für die zehnjährige US-Staatsanleihe auf sechs Prozent. Kursverluste wären damit programmiert.

Herr Fuss, Glückwunsch zu Ihrer Zinsprognose. Als wir Sie vor einem Jahr danach fragten, nannten Sie uns punktgenau den heutigen Stand.
Ja, das hat gepasst.

Sie prognostizierten einen Anstieg der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, damals bei 2,2 Prozent, auf drei Prozent. So kam es. Nun sind wir bei 2,9 Prozent.
Vielleicht sollte ich jetzt in Rente gehen...

Aber nicht bevor wir unsere Prognosefrage wiederholt haben...
Wo die Rendite sein wird in einem Jahr von heute an gerechnet? Wir sind in der späten Phase eines sehr langen wirtschaftlichen Aufschwungs. In diesem Jahr dürfte die US-Notenbank die Leitzinsen vielleicht noch zweimal erhöhen.

Und was würde das für die Anleiherenditen bedeuten?
Der Trend zeigt klar nach oben. In einem Jahr kann die Rendite der zehnjährigen Treasury bei 3,9 Prozent liegen.

Spiegelbildlich betrachtet: Es stehen also weitere Kursverluste ins Haus...
Ja, und die werden bei den Dollar-Unternehmensanleihen sicher noch höher ausfallen. Die Zinsvorsprünge gegenüber den Staatstiteln sind schon stark abgeschmolzen. Ein Schnäppchen kann man hier nicht mehr machen.

Ihr eigener Fonds fuhr im vergangenen und laufenden Jahr Verluste ein...
Immerhin sehen wir im Vergleich zu unseren Konkurrenten ganz gut aus. Die Fondspapiere haben eine durchschnittliche Restlaufzeit von etwa fünf Jahren. Für Manager von Altersvorsorgegeldern ist der Markttrend natürlich gut, denn die können wieder rentierlicher anlegen.

Ist der über drei Jahrzehnte währende Aufschwung an den Anleihemärkten jetzt endgültig Geschichte?
Das ist eine plausible Vermutung. Wir dürften in der frühen Phase eines Bärenmarktes sein.

Der Star-Anleihemanager Jeffrey Gundlach glaubt, dass die erwähnte Bondrendite in wenigen Jahren sechs Prozent erreichen kann. Halten Sie wie Ihr Landsmann einen so krassen Anstieg für möglich?
Absolut.

Was würde das für einen Euro-Anleger bedeuten?
Die Europäische Zentralbank hat einen viel schwierigeren Job als die US-Notenbank. Sie sollte die Zinsen lieber tief halten. Deshalb werden die Renditen in Europa nicht so stark steigen wie in den USA. Die Kursrückgänge fallen daher bescheidener aus.Aber gleichzeitig sind auch die Renditen und die regelmäßigen Einnahmen der Bondbesitzer in Europa geringer.

Wenn Sie erwartete Kursverluste und Renditeunterschiede gegeneinander abwägen: Sollte ein Euro-Anleger lieber nationale Anleihen in der eigenen Währung kaufen oder Dollar-Titel?
Ich würde Dollar-Anleihen vorziehen.

Inwieweit treibt die anziehende Inflation die US-Zinsen?
Das ist ein Faktor. Geringe Arbeitslosigkeit spielt dabei eine Rolle, der steigende Ölpreis kommt hinzu.

Und politische Faktoren wie ein drohender Handelskrieg?
Wären natürlich ebenfalls inflationstreibend. Das gilt auch für die Militarisierung, die wir seit einiger Zeit erleben. Ich kann mich heute noch gut an die Folgen des Vietnamkrieges erinnern.

Ihr Rat an die Notenbanken?
Politische Veränderungen und geopolitische Ereignisse schränken ihren Handlungsspielraum ein. Ihr eigentliches Mandat hat damit ja nichts zu tun. Im Grunde wären tiefe Zinsen eine Idee, um solche politischen Belastungen abzufedern. Aber die Notenbanken können nicht die ganze Welt kontrollieren.

Das heißt am Ende was?
Sie werden sich auf die langfristige Perspektive konzentrieren. Das heißt für mich: Lieber die Zinsen weiter stetig anheben, damit man im Ernstfall – wenn es nötig erscheint – auch schlagkräftiger ist, sprich stärker senken kann.

Ihr Fonds legt nur in US-Anleihen an. Haben Sie auch Erfahrung mit Aktien, vielleicht privat?
Vor langer Zeit kaufte ich eine Immobilienaktie. Die ging pleite. Das war wohl mein größter Reinfall. Aber mit Aktien wie Texas Instruments ging es bestens aus. Da hatte ich einmal Glück.

Herr Fuss, vielen Dank für das Gespräch.

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