US-Hypothekenfinanzierer kehrt nach einem Jahr Abstinenz an den Euro-Anleihemarkt zurück
Freddie Mac bringt Mega-Bond

Auch Italien und Belgien zapfen den Kapitalmarkt an. Im Handel zeigen sich Staatsanleihen aus Europa und den USA kaum verändert.

FRANKFURT/M. Der amerikanische Immobilienfinanzierer Freddie Mac hat sich gestern zum ersten Mal seit einem Jahr wieder am Markt für auf Euro lautende Anleihen blicken lassen. Freddie Mac begab einen Bond über 4 Mrd. Euro, der in zehn Jahren fällig wird. Mit der Resonanz war der Hypothekenfinanzierer sehr zufrieden. Die Konsortialführer ABN Amro, Credit Suisse First Boston, Dresdner Kleinwort Wasserstein und Morgan Stanley sammelten Kaufaufträge über 10,5 Mrd. Euro ein. Deshalb erhöhte Freddie Mac das ursprünglich angestrebte Volumen von 3,5 Mrd. Euro.

Eigentlich sollte der Bond schon im September begeben werden. Doch im vergangenen Jahr hatte der Konzern erhebliche Probleme. Im Januar 2003 hatte Freddie Mac Bilanzunregelmäßigkeiten zugegeben. Im November korrigierte das Unternehmen dann die Bilanzen der Jahre 2000 bis 2002. Die Gewinne waren insgesamt mehr als 5 Mrd. Dollar zu niedrig ausgewiesen worden. Damit wollte das Unternehmen Reserven anlegen, die in schlechten Zeiten das Ergebnis hätten beschönigen können.

Im Sommer wurde daraufhin die Führungsspitze entlassen. Seit Dezember hat Freddie Mac einen neuen Vorstandschef, und der Immobilienfinanzierer zahlte 125 Mill. Dollar an eine Aufsichtsbehörde. „Die wichtigsten Hürden haben wir überwunden, und das konnten wir auch den Investoren deutlich machen“, sagte Tim Schmidt, Senior Director in der Refinanzierungsabteilung von Freddie Mac dem Handelsblatt.

Die neue Anleihe wurde mit einer Rendite von 4,435 % gepreist, das entsprach einem Aufschlag von 31,1 Basispunkten gegenüber der zehnjährigen Bundesanleihe. Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozentpunkt. Im Vergleich zu den ausstehenden Anleihen von Freddie Mac bot der neue Bond ebenfalls einen Renditeaufschlag, genau so wie zu Anleihen der KfW Bankengruppe und der Europäischen Investitionsbank. Diese werden – wie Freddie Mac – von den Ratingagenturen mit der höchsten Bonitätsnote Dreifach-A bewertet. Dabei profitiert Freddie Mac von einer impliziten Staatsgarantie. Freddie Mac und der noch größere US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae kaufen Hypothekenkredite an. So sorgen sie für eine ausreichende Liquidität bei Immobilienkreditgebern und dafür, dass viele Amerikaner ein Eigenheim finanzieren können.

In den USA ist Freddie Mac sehr bekannt und konnte auch im vergangenen Jahr Bonds in Dollar begeben. Insgesamt hat Freddie Mac allein aus seinem im Frühjahr 1998 eingeführten Reference-Note-Programm für großvolumige Benchmark-Anleihen Papiere über mehr als 230 Mrd. Dollar ausstehen. In Euro wurden unter dem entsprechenden Programm bislang Bonds über 38 Mrd. Euro begeben.

„In diesem Jahr wollen wir in Euro Anleihen über 10 Mrd. bis 15 Mrd. Euro auf den Markt bringen“, sagte Schmidt von Freddie Mac. Dabei könne es neben den Reference- Notes auch variabel verzinste oder vorzeitig kündbare Papiere geben. Einen jährlichen Emissionskalender für Euro-Papiere werde es allerdings nicht mehr geben, dafür aber vierteljährliche Ankündigungen.

Der Euro sei als Emissionswährung für Freddie Mac wichtig, um die Investorenbasis zu verbreitern, sagte Schmidt. „Durch das Euro- Reference-Note-Programm haben wir rund 600 neue Investoren gewonnen, die auch Dollar-Papiere kaufen.“ Die größten Käufer des aktuellen Bonds waren Fonds.

„Die neue Anleihe ist sehr attraktiv“, sagte Armin Weißenegger, Bondanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Freddie Mac müsse zwar noch mit der ein oder anderen Strafzahlung der US-Aufsichtsbehörden rechnen, aber die sollten absolut nicht bedrohlich sein. Daneben steht noch die Entscheidung aus, ob Immobilienfinanzierer stärker reguliert und teilweise unter Aufsicht des Finanzministeriums gestellt werden. „Dies wäre für Anleihebesitzer positiv“, meinte Weißenegger.

Neben Freddie Mac begaben gestern Belgien, Italien und Berlin große Bonds. Belgien brachte eine zehnjährige Anleihe über 5 Mrd. Euro, Italien stockte eine 30-jährige Anleihe um 4 Mrd. Euro auf, und Berlin begab einen achtjährigen Bond über 2 Mrd. Euro.

Das Angebot an neuen Bonds mit guten bis sehr guten Ratings belastete die Staatsanleihen im Handel zunächst etwas. Später erholten sie sich aber wieder zum großen Teil. Die überraschend hohe Zahl der Baubeginne in den USA, die im Monat Dezember auf 2,088 Millionen und damit den höchsten Stand seit fast 20 Jahren stieg, bewegte den Markt kaum.

Am Abend rentierte die zehnjährige Bundesanleihe mit 4,15 % kaum verändert. Der Terminkontrakt Bund- Future verlor 13 Basispunkte auf 114,52 %. In den USA lag die Rendite zehnjähriger Staatsbonds knapp über 4 %.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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