US-Hypothekenkrise
Banken bangen um Bonds

Bis vor zwei Monaten war die Bankenwelt noch in Ordnung. Das hat sich geändert. Die Häuser bekommen die Unsicherheit der Investoren angesichts der US-Hypothekenkrise jetzt auch bei der Refinanzierung schmerzhaft zu spüren. Bislang haben sich nur wenige Institute mit neuen Anleihen aus der Deckung gewagt.

FRANKFURT. Für die Papiere mussten sie deutlich höhere Renditen zahlen als noch vor zwei Monaten. Die Eisbrecher im Euro-Raum machten die Deutsche Bank und BNP Paribas. Die Deutsche Bank begab eine zehnjährige Anleihe über 1,5 Mrd. Euro, die sie später auf 1,75 Mrd. Euro aufstockte. Dafür bot sie eine Rendite von 5,23 Prozent beziehungsweise einen Risikoaufschlag von 0,65 Prozentpunkten im Vergleich zu den zehnjährigen Swap-Sätzen, die unter Banken als Referenz für Zinstauschgeschäfte dienen. „Mitte Juli hätte die Deutsche Bank die Papiere zu einem Aufschlag von 0,20 Prozentpunkten platzieren können, jetzt muss sie umgerechnet pro Jahr fast 7,9 Mill. Euro mehr Zinsen zahlen. Das tut schon weh“, sagt Bernhard Jeggle, Leiter des fundamentalen Kredit-Researchs bei der Landesbank Baden-Württemberg. Auch BNP Paribas musste deutlich tiefer in die Tasche greifen. „Wichtig ist aber, dass die Emittenten überhaupt Käufer finden, und damit die Refinanzierung über den Kapitalmarkt möglich bleibt“, meint Jeggle.

Bei Pfandbriefen und Covered Bonds verlangen die Investoren ebenfalls höhere Risikoaufschläge. Bei ihnen sind die Zins- und Tilgungszahlungen mit Hypotheken oder Staatskrediten gedeckt. Dank umfangreicher Regelungen gelten sie als sehr sicher. Neue Covered Bonds gab es zuletzt vom britischen Hypothekenfinanzierer HBOS und der Bausparkasse Nationwide. Die spanische Banco Popular verschob eine Emission wegen des schwierigen Umfelds, in dem auch der Sekundärmarkt nicht mehr reibungslos funktioniert.

Im September wollen bislang nur noch die spanische Großbank Santander und norwegische Sparkassen als Gemeinschaftsemission Covered Bonds begeben. Bei unbesicherten Bankenanleihen gibt es keine offizielle Pipeline. Die Zurückhaltung ist ungewöhnlich. Üblicherweise ist der September ein starker Emissionsmonat. „Die Banken haben jetzt bei Platzierungen Angst vor dem Scheitern, weil dies als Schwächesignal für das platzierende Haus angesehen werden könnte“, sagt ein Analyst. Außerdem sei die Sorge groß, dass eine neue Anleihe im Handel einbreche. Auch das wäre ein Schwächesignal, das Spekulationen nach sich zöge.

Ob es sich für die Banken lohnt, mit Emissionen noch abzuwarten, ist indes ungewiss. „Die Banken werden auch in den kommenden Monaten noch mit erhöhten Risikoaufschlägen bei der Refinanzierung leben müssen“, meint Alexander Plenk, Analyst für Bankenanleihen bei der italienischen Großbank Unicredit. Dies werde früher oder später die Margen der Institute drücken, wenn sie nicht die Risikoaufschläge für die Kunden erhöhten. Die UBS hat wegen der voraussichtlich steigenden Finanzierungskosten und dem wahrscheinlichen Anstieg notleidender Kredite bereits ihre Gewinnprognosen für die europäischen Großbanken um fünf Prozent gesenkt.

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