US-Staatsanleihen
Asien stützt Obamas Schuldenkurs

Die USA stehen kurz davor, ihre gesetzliche Schuldengrenze zu übertreten. Ratingagenturen drohen mit der Herabstufung. Asiens Wirtschaftsmächte halten US-Staatsanleihen bisher die Treue. Aber wie lange noch?
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Tokio/MumbaiTrotz der erbitterten Debatte um Amerikas Schuldenberg halten Asiens finanzkräftige Nationen US-Staatsanleihen immer noch für eine sichere Anlage. Staaten wie Japan oder Indien beunruhigt zwar der Kampf gegen eine drohende Staatspleite der USA, wie aus Interviews mit Spitzenpolitikern der Länder hervorgeht. Die Papiere der USA bleiben demnach aber nicht zuletzt wegen der Schuldenkrise in Europa interessant. Das werde sich zunächst auch nicht ändern, wenn die USA voraussichtlich am Montag ihre gesetzlich festgeschriebene Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar erreicht, hieß es.

„Unsere Haltung hat sich nicht verändert“, sagte Japans Vize-Finanzminister Fumihiko Igarashi Reuters. „Aber nichts ist für immer“, fügte Igarashi hinzu. „Wir werden die Entwicklungen im Kongress genau beobachten.“ Das Parlament debattiert derzeit darüber, ob die Schuldengrenze nochmals angehoben wird. Die Ratingagentur Standards & Poor's hat der größten Volkswirtschaft im April einen Warnschuss versetzt und damit gedroht, ihr die Bestnote für ihre Bonität zu entziehen.

Japan ist mit US-Staatsanleihen im Wert von 890 Milliarden Dollar neben China der größte Gläubiger der USA. Auch die Chinesen halten an ihren Investitionen fest. „US-Staatsanleihen sind eine sichere Anlage und die USA werden ihre Schulden zurückzahlen. Da gibt es keinen Zweifel“, sagte der Chef des Hongkonger Büros des chinesischen Staatsfonds CIC, Laurence Lau, am Rande einer Veranstaltung.

Auch Indien bezeichnete seine Investitionen in US-Staatsanleihen als alternativlos. „Wir denken nicht an Gewinn. Für uns kommt zuerst Sicherheit, dann Liquidität und zum Schluss Ertrag“, sagte ein Vertreter der indischen Zentralbank. Indien hat 55 bis 60 Prozent seiner Investitionen in Auslandswährungen im Gesamtwert von 300 Milliarden Dollar in US-Papieren angelegt. Dagegen sei die Euro-Zone derzeit ein wenig attraktives Anlegeziel, fügte der Zentralbanker hinzu. Es gebe zu viel Verwirrung über das künftige Schicksal des hochverschuldeten Griechenlands.

Wegen der Finanzkrise und der dadurch ausgelösten schwersten Rezession der Nachkriegszeit hat sich der US-Schuldenberg auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht. Damit die Regierung unter Barack Obama handlungsfähig bleiben kann, wird in den USA derzeit über eine Erhöhung der Schuldengrenze verhandelt. Standard & Poor's hat in seiner Entscheidung unter anderem auf die mühsame Debatte im Parlament über eine Kehrtwende in der Schuldenpolitik hingewiesen. Amerikas Schulden gefährden auch die globale Wirtschaft. Sie könnten ähnliche weltweite Verwerfungen auslösen wie die Finanzkrise, die auch in den USA ihren Ursprung genommen hatte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • die großen Gläubiger wären ja auch dumm etwas anderes zu sagen - sobald das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der USA erheblich schwindet, droht die USA in den selben Teufelskreis (steigende Zinsen - immer höhere Schulden) wie Griechenland und vorher Japan zu geraten.

  • Natürlich werden die USA ihre Schulden zurückzahlen.
    Nur fragt sich, ob die Kaufkraft im Zeitpunkt der Rückzahlung noch der im Zeitpunkt der Hingabe des Geldes entspricht.
    Und daran habe ich erhebliche Zweifel.

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