Verbriefte Anleihen
Toxische Papiere feiern ein Comeback

Seitdem die US-Banken wieder Milliardengewinne einfahren, scheint auch die Kreativität an der Wall Street zu erwachen. Die Finanzbranche verpackt komplizierte Anleiheprodukte neu - und kurbelt damit den brachliegenden Markt wieder an: "Re-Remic" heißt die Zauberformel, mit der toxische Kreditpapiere aufgespalten und neu zusammengesetzt werden.

NEW YORK. Der Clou dabei ist, dass der größte Teil des neuen Kunstprodukts danach ein besseres Bonitätsrating als vorher besitzt. Weitgehend unkontrolliert von den Aufsichtsbehörden wurden auf diese Weise 2009 Schätzungen zufolge herabgestufte Hypothekenanleihen (RMBS) im Volumen von mehr als 30 Mrd. Dollar neu strukturiert und mit einer sehr guten Bonitätsnote versehen.

Politiker schlagen nun Alarm. Sie fürchten, dass die Rückkehr zu einer derartigen Kreditkosmetik das Finanzsystem erneut destabilisieren wird. "Ich fordere Sie auf, die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen zu überdenken und zu intervenieren", schrieb Dennis Kucinich, Vorsitzender des Kontrollausschusses des Parlaments an Finanzminister Tim Geithner. Gerade die komplexe Verpackung von Krediten in Anleihen hatte die aktuelle Krise mit ausgelöst. Als die Immobilienblase 2007 platzte, wussten die Besitzer der RMBS und anderer strukturierte Produkte plötzlich nicht mehr, was diese wirklich wert waren.

Die Papiere waren einfach zu intransparent und komplex. Massive Abschreibungen waren die Folge und brachten das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs. Seither versprechen die Banker den Politikern, zu einfacheren und leichter verständlichen Anleihen zurückzukehren. Die derzeit praktizierte Aufspaltung und Neuzusammensetzung herabgestufter Papiere scheint aber das Gegenteil zu belegen. "Man hätte erwartet, dass sich so etwas nach all den Drohungen aus Washington von selbst verbietet", sagt David Moenning, Vermögensverwalter aus Chicago. Die Chefin der US-Börsenaufsicht SEC, Mary Shapiro, fordert nun ein neues Gesetz mit strengerer Regulierung für alle Arten von kreditgedeckten Anleihen.

Mit der Wiederverbriefung von Anleihen, die mit Hypotheken besichert sind (Resecuritization of existing Residential mortgage backed securities; "Re-Remic"), reagiert die Wall Street auf Herabstufungen von RMBS und anderen Kreditpapieren - eine Folge der anhaltenden Immobilienkrise. Durch Aufspaltung und Neuzusammensetzung erhält der größere Teil einer herabgestuften Anleihe, die "Senior-Tranche", wieder eine "AAA"-Bewertung. Die Herabstufung wird also quasi für einen Großteil der alten Anleihe aufgehoben. Der kleinere Teil, die "Junior-Tranche", bekommt ein deutlich schlechteres Rating.

Vorteilhaft ist das für die Besitzer der Ursprungsanleihe vor allem aus einem Grund: Sie müssen wegen der faktisch umgangenen Herabstufung in ihren Büchern geringere Abschreibung vornehmen. Oft verkaufen sie die Junior-Tranche mit einem Rabatt einfach weiter. Dieser Preisabschlag geht dann zu ihren Lasten, aber das ist unter dem Strich immer noch günstiger, als wenn sie ihre alte, herabgestufte Anleihe komplett wertberichtigen müssten.

Und Käufer für die hochriskante Tranche finden sich genug. "Es gibt wieder genügend risikobereite Hedge-Fonds, die diesen Teil der Anleihe in der Hoffnung auf eine Erholung der Konjunktur kaufen", sagt ein auf solche Papiere spezialisierter Händler. Wie viele "Re-Remics" es in diesem Jahr genau gegeben hat, ist unklar, denn der Markt ist weitgehend unreguliert. Experten gegen von 70 Transaktionen in einem Volumen von mindestens 30 Mrd. Dollar, möglicherweise sogar 90 Mrd. Dollar aus.

Die Wall-Street-Lobby wehrt sich gegen Vorwürfe, durch diese Transaktionen würden schlechte Kredite künstlich geschönt. "Hier geht es nicht um Rating-Magie", sagt Tom Deutsch, stellvertretender Chef des Branchenverbandes American Securitization Forum (ASF). Tatsächlich sichere das Verfahren der "Senior-Tranche" besseren Schutz gegen Verluste. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte hingegen in seinem jüngsten Global Financial Stability Report vor dem Risiko der Re-Remics. IWF-Experte John Kiff: "Die neuen Produkte tragen das Risiko eines Wertverlustes, wenn sich die Konjunktur und der Immobilienmarkt eintrüben."

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