Versicherungsanlage
Verbriefungen locken Anleger

Ob Autodiebstahl, Brand oder Überschwemmung - für nahezu jedes Risiko wird eine Verbriefung gehandelt. Viele Versicherer verpacken ihre Risiken in Finanzprodukte und bringen sie so an die Kapitalmärkte. Auch in Deutschland könnte die Nachfrage nach diesen Produkten bald steigen.

FRANKFURT. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten suchen Investoren nach einer Alternative zu den klassischen Anlageformen. Sie finden sie etwa in Insurance Linked Securitisations (ILS). In diese Finanzvehikel werden Versicherungsrisiken verpackt und an den Kapitalmarkt transferiert.

„ ILS sind in der Krise extrem interessant für Investoren geworden“, sagte Jens Lindner, Leiter 3rd Party Securitisation der Commerzbank auf einer Fachtagung des Deutschen Aktieninstituts und des Center for Financial Studies der Goethe-Universität in Frankfurt. „Alle großen Versicherer beschäftigen sich derzeit mit dem Thema Verbriefung“, bestätigt auch Alexander Dibelius, Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs dem Handelsblatt. Doch aufsichtsrechtliche und steuerliche Hürden erschweren die Sache.

Zu den bekanntesten ILS gehören Katastrophenbonds. Die Rendite der Anleihe ist dabei abhängig vom Eintritt einer zuvor definierten Katastrophe, wie einem Wirbelsturm an der Westküste Floridas. Es müssen aber nicht nur Katastrophen sein. Es gibt auch Verbriefungen von untypischen Schadenverläufen in der Autoversicherung oder Langlebigkeitsrisiken in der Lebensversicherung. Ein gemeinsames Kennzeichen der Produkte ist, dass der Versicherer dem Anleger einen entsprechenden Aufschlag auf die gängige Marktrendite zahlt. Tritt allerdings während der Laufzeit der Anleihe das betreffende Ereignis ein, steht dem Versicherer das Anleihevolumen zur Schadenregulierung zur Verfügung. Im Extremfall verlieren die Anleger nicht nur Zinserträge, sondern ihr gesamtes eingesetztes Kapital.

Der Markt für ILS ist noch bescheiden im Vergleich zu anderen Anlagen. Die Grafik zeigt, dass er im Nicht-Lebensversicherungsbereich (hauptsächlich Katastrophenbonds) erst ein Volumen von 20 Mrd. Dollar erreicht hat. Zum Vergleich: Kreditkarten-Banken haben derzeit 330 Mrd. Dollar an Risiken verbrieft. Treasury-Bonds erreichen gar ein Volumen von 4,4 Bill. Dollar und Firmenanleihen über fünf Billionen Dollar weltweit.

Das vergleichsweise geringe Volumen liegt unter anderem daran, dass die Versicherungswirtschaft nicht auf diese Form der Risikoauslagerung angewiesen ist. Traditionell wählt sie den Weg über Rückversicherungen. Hierbei lagert sie einen Teil ihrer Risiken aus der Bilanz auf einen anderen Versicherer, den Rückversicherer, aus. Dieser bekommt dafür einen Teil der Prämie und beteiligt sich an den Schadenzahlungen. Die Preise für diesen Schutz sind recht günstig, was die Bereitschaft der Branche zu alternativen Absicherungsinstrumenten über den Kapitalmarkt nicht gerade beflügelt.

Derzeit nutzen den Verbriefungsmarkt vorwiegend die großen Rückversicherer. Als führend gilt die Swiss Re. Weltmarktführer Münchener Rück zieht seit kurzem nach. Die Münchener haben dazu eigens eine neue Tochter gegründet, die Munich Re Capital Market GmbH.

Das Bild wird sich wohl auch bald ändern. „Durch Solvency II wird ein Turboeffekt für den Securitisation-Markt erwartet“, sagte Tore Ellingsen, Managing Director ABN Amro Bank. Auch Werner Görg, Chef der Gothaer Versicherungsgruppe, verweist auf die für 2012 geplanten neuen Eigenkapitalvorschriften für europäische Versicherer (Solvency II), die für alle Formen der Risikominderung eine Kapitalentlastung vorsehen. Bisher spart der Versicherer Sicherheitskapital nur, wenn er sich rückversichert – nicht aber wenn er Risiken an den Kapitalmarkt auslagert.

Künftig soll die Verbriefung der Rückversicherung annähernd gleich gestellt werden. Zudem werden die Versicherer damit ein Stück unabhängiger von ihren Rückversicherern. Schlecht für Deutschland sei nur, dass die für diese Verbriefungen nötigen Spezialgesellschaften (SPV) nicht von der Gewerbesteuerpflicht befreit sind. „Deutschland kommt als Standort für SPV daher nicht in Betracht“, sagt Görg.

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