Versprochene Gespräche mit den Anleger-Gruppen verzögern sich
Argentinische Regierung hält die privaten Gläubiger hin

Die Hoffnung, dass Argentinien sich vor der Eröffnung eines offiziellen Umschuldungsangebot mit Vertretern seiner Gläubiger austauscht, schwindet. Am 16. April hatte Finanzstaatssekretär Guillermo Nielsen der größten und wichtigsten Gläubigergruppe, dem Global Committee of Argentina Bondholders (GCAB) bei einem ersten direkten Treffen in Buenos Aires versprochen, innerhalb von zwei Wochen „technische Gespräche“ abzuhalten, um Argentiniens Rückzahlungskapazität zu bestimmen.

BUENOS AIRES. Diese Gespräche sollten zwischen GCAB und den Banken Merrill Lynch, UBS Warburg und Barclays stattfinden, die Argentinien bei der Umschuldung beraten. GCAB ist ein Zusammenschluss aus der italienischen TFA, der US- Gruppe ABC, der deutschen Abra sowie japanische Banken und vertritt Gläubiger, die insgesamt Argen- tinien-Bonds über 37 Mrd. $ halten.

Doch seither sind fast drei Wochen vergangen, und die GCAP teilte diese Woche mit, es habe noch keine Treffen oder auch nur eine Einladung gegeben. Der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna habe jedoch bekannt gegeben, dass er die Details des offiziellen argentinischen Umschuldungsangebots Anfang Juni an die US-Börsenaufsicht SEC schicken und Mitte Juni öffentlich bekannt geben werde. „Die Bekanntgabe eines Angebots ohne vorhergehende Verhandlung entspricht nicht der Absichtserklärung, welche die argentinische Regierung kürzlich mit dem Internationalen Währungsfonds (IFW) unterzeichnete“, warnten die Gläubigervertreter. „Gemäß dieser Absichtserklärung dürfte die Republik Argentinien keine einseitige Umschuldungserklärung präsentieren, sondern einen Vorschlag, der in Verhandlungen mit den Repräsentanten der größten Gläubiger beschlossen wurde.“

Argentinien hatte bei der vierteljährlichen Überprüfung seines IWF-Kreditabkommens im März eine Absichtserklärung unterzeichnet, in denen es sich zu Verhandlungen mit den Gläubigergruppen verpflichtete. Die Regeln des IWF schreiben vor, dass ein Land im Zahlungsverzug nur dann weitere IWF-Kredite erhalten darf, solange dieses Land „in gutem Glauben“ mit seinen privaten Gläubigern verhandelt. Diese Bedingung wird auch bei der nächsten Überprüfung des Kreditabkommens im Juni wieder der entscheidende Punkt sein, von dem die Zustimmung des IWF abhängt.

Im argentinischen Wirtschaftsministerium hieß es, die Treffen zwischen den Banken und GCAB würden in Kürze realisiert, es handele sich lediglich um eine Verzögerung. Eine offizielle Stellungnahme aus dem Finanzsekretariat gab es nicht.

Die Dresdner Bank Lateinamerika erwartet weiterhin eine Verbesserung des Umschuldungsangebots im Vergleich zu der Dubai-Offerte vom September, wo die Regierung einen Forderungsverzicht von über 90 % des Barwerts – inklusive aufgelaufener Zinsen – verlangte. Die Strategen fürchten aber, dass das das Angebot viel schlechter als von den Gläubigern erwartet ausfallen wird.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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