Vertragsklausel
Wie Argentiniens Gläubiger an ihr Geld kommen

Argentiniens Gläubiger können hoffen. Bisher sah es so aus, als würden sie ihr Geld nicht wiedersehen, bis das Land die Hedgefonds ausbezahlt hat. Eine Vertragsklausel könnte ihnen nun helfen.
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Gläubiger Argentiniens haben auch nach der Staatspleite des Landes einen Hebel in der Hand, um an ihr Geld zu kommen. Sie können auf eine Klausel für Besitzer von Anleihen pochen, die einen Schuldenschnitt akzeptiert haben. Laut der sogenannten Cross-Default-Regel muss das Pleite-Land die ausstehende Summe samt Zinsen bei allen Anleihen einer Serie zurückzahlen, wenn mindestens ein Viertel der Inhaber der entsprechenden Papiere dies verlangt.

Für dieses beschleunigte Verfahren ist bei einer speziellen Anleiheserie die „kritische Masse“ wohl schon erreicht, wie Jorge Piedrahita vom Brokerhaus Torino Capital der Reuters-Finanzdienstleistungstochter IFR sagte. Die nach amerikanischem Recht ausgegebenen Bonds mit einer Laufzeit bis Dezember 2038 und einem festen Zins von 2,5 Prozent könnten zum Einfallstor für die Gläubiger werden, die seit einem US-Gerichtsurteil um ihr Geld bangen.

Ein New Yorker Richter entschied vor wenigen Wochen, dass die ausstehenden Zinszahlungen auf Staatsanleihen auf dem Konto eines Treuhänders eingefroren bleiben. Argentinien hatte die mit der Verwaltung der Zinstranche von 539 Millionen Dollar betraute Bank vergeblich aufgefordert, die Gläubiger auszubezahlen. Diese hatten vor Jahren einen Schuldenschnitt auf die Papiere hingenommen.

Sie kommen dennoch nicht an ihr Geld, weil ein Schiedsverfahren zwischen Argentinien und Hedgefonds gescheitert ist. Diese hatten sich nicht auf einen Schuldenschnitt eingelassen und pochten auf volle Auszahlung. Das US-Gericht ordnete an, dass Inhaber restrukturierter Anleihen nur dann ausgezahlt werden dürfen, wenn die Regierung in Buenos Aires auch die Fonds ausbezahlt.

Aus der verfahrenen Situation gibt es für die Alt-Gläubiger jedoch noch einen Ausweg: Da Argentinien wegen seiner säumigen Zahlungen von den Ratingagenturen für pleite erklärte wurde, können sie die Cross-Default-Klausel aktivieren. Die bis Ende 2038 laufende Anleihe bietet hierfür wegen ihres geringen Volumens eine günstige Gelegenheit, den Startknopf zu drücken.

Der auf Schuldenprobleme von Schwellenländern spezialisierte Piedrahita schätzt, dass bereits ein Volumen von 25 Millionen Dollar ausreicht, um das beschleunigte Verfahren bei der Bondserie in Gang zu setzen. Bereits seit Anfang des Jahres hätten Investoren Positionen in den kleineren Anlage-Serien der umstrukturierten Papiere aufgebaut.

Falls das beschleunigte Verfahren in einer Serie aktiviert werde, könnten auch Investoren bei anderen umstrukturierten Anleihen folgen und so eine Kaskade von Ansprüchen auslösen, meint Piedrahita: „Das ist kein Automatismus. Doch wenn es in einer Bondserie aktiviert wird, werden andere nachziehen.“

Insgesamt könnten so Ansprüche von Gläubigern in Höhe von fast 30 Milliarden Dollar auf das Schwellenland zukommen, über dem der Pleitegeier kreist. Diese Summe dürfte Argentinien überfordern und könnte einen neuerlichen Schuldenschnitt auslösen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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