Volkswagen und Dieselgate
Der Coup, der VW Milliarden bringt

Endlich mal wieder eine gute Nachricht für VW: In einem Monat winken dem Konzern stolze 3,7 Milliarden Euro. Nicht in Cash, aber immerhin an Eigenkapital. Welcher Trick dahintersteckt.
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FrankfurtIm November 2012 war für Volkswagen die Welt noch in Ordnung. Der Konzern stand bei Aktionären und Gläubigern gleichermaßen hoch im Kurs. Und konnte deshalb am Kapitalmarkt einen Coup landen: Die Wolfsburger begaben die mit 2,5 Milliarden Euro damals größte Zwangswandelanleihe eines europäischen Industrieunternehmens – und stockten sie sieben Monate später auf 3,7 Milliarden Euro auf.

Das wird dem Konzern am 9. November diesen Jahres zu Gute kommen, denn dann wird die besondere Anleihe fällig. Statt Cash können die Wolfsburger ihre Schuld in Aktien begleichen. Die Rückzahlung der Wandelanleihe bedeutet für sie also keinen Mittelabfluss – das wäre in der gegenwärtigen Krisensituation fatal. Stattdessen erhöht sich das Aktienkapital von VW um genau diese 3,7 Milliarden Euro. Es handelt sich um eine „versteckte Kapitalerhöhung“, die Eigenkapitaldecke des Unternehmens wird gestärkt.

Die Zeichner der Zwangswandelanleihe machen dagegen ein schlechtes Geschäft. Sie bekommen für ihr Geld Aktien zum Kurs von 144,50 Euro. Wer die Aktie jetzt über die Börse kauft, zahlt dagegen nur rund 105 Euro. Grund dafür ist die Konstruktion von Zwangs- oder Pflichtwandelanleihen, die im englischen Mandatory Convertibles heißen. Sie sind eine Spielart der herkömmlichen Wandelanleihen.

Wandelanleihen sind üblicherweise ein Zwitter zwischen Anleihen und Aktien. Wie Anleihen bekommen Anleger während der Laufzeit Zinsen und am Ende der Laufzeit ihr Geld zurück. Zwischenzeitlich können sie ihr Kapital jedoch auch in Aktien wandeln. Das lohnt sich dann, wenn die Anleger die Aktien über die Wandlung günstiger bekommen als über den Kauf an der Börse.

Bei Zwangswandelanleihen haben Anleger dagegen keine Wahl: Sie bekommen – wenn sie nicht schon vorher ausgestiegen sind – ihr Geld auf jeden Fall in Aktien zurück. Dafür sind die Zinsen bei den Mandatory Convertibles höher als bei anderen Wandelanleihen. VW lockte die Investoren mit jährlichen Zinszahlungen von 5,5 Prozent – das war auch schon im November 2012 als die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe 2,4 Prozent lag, viel.

Der Umtauschkurs – also zu welchem Preis es Aktien für das geliehene Geld gibt – wird dabei bei herkömmlichen ebenso wie bei Zwangswandlern bei der Emission der Papiere festgelegt. Dabei liegt der Tauschkurs über dem Aktienkurs bei der Platzierung des Papiers. Die VW-Aktie kostete bei der Platzierung der Zwangswandelanleihe 155,70 Euro, bei der Aufstockung waren es 159,70 Euro. Den Höchstkurs für die Wandlung legte VW damals bei 185,40 Euro fest. Damit lag die maximale Wandlungsprämie bei 20 Prozent. Der Mindestumtauschkurs – mit dem damals niemand rechnete – lag bei 154,50 Euro.

Zwischenzeitlich wurden die Umtauschkurse verändert und liegen jetzt bei mindestens 144,50 Euro. „Wenn der Kurs der VW-Aktie nicht signifikant steigt, ist das der Preis zu dem die Anleihe in Aktien gewandelt wird“, meint Jonathan Stanford, Fondsmanager für Wandelanleihen beim schweizerischen Vermögensverwalter GAM. Der maximale Umtauschkurs beträgt inzwischen „nur“ noch 177,13 Euro.

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Dieselgate lässt Aktienkurs einbrechen

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  • Wenn die Abgasmanipulation bereits bei der Emission der Anleihe bekannt war, dürfte sich dieser sogenannte Coup für VW in einen Boomerang drehen und wäre für die Verluste schadensersatzpflichtig. Ich nehme kaum an, dass sich prallgefüllte Hedgefonds einen solchen Leckerbissen vor Gerichten entgehen lassen.

  • Weshalb freuen sich die Kläger? Diese Meldung ist juristisch in den USA nicht relevant. Wenn man keine Ahnung hat ... einfach mal nicht posten!!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die amerikanischen Kläger freuen sich!

    Wie kann man nur so blöd sein, in einer solchen Situation solche Meldungen zu bringen? Erinnert irgendwie an unsere DDR-Regierung...

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