Vor allem kurzfristige Papiere reagieren auf straffere Geldpolitik
Kurse der US-Staatsanleihen geben nach

Nach dem Beschluss der US-Zentralbank, die Leitzinsen erneut um 0,25 Prozent zu erhöhen, haben am Dienstag Abend vor allem die kurz laufenden Staatspapiere Kurseinbußen erlitten. Die Rendite zweijähriger Anleihen, die sich entgegengesetzt zu den Kursen bewegt, erhöhte sich kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung von 3,93 auf 3,99 Prozent am Vortag.

FRANKFURT/M. Die als Messlatte geltenden Zehnjährigen bewegten sich dagegen mit einer leicht auf 4,26 Prozent erhöhten Rendite kaum. Damit ist die Zinskurve, die den Zinsunterschied zwischen Langläufern und kurzfristigen Papieren nachzeichnet, erneut flacher geworden. Fondsmanager Bill Gross von Pimco meinte, dass die US-Zentralbank früher oder später einlenken müsse. „Das ist ein eher restriktiver Kurs der Zentralbank“, sagte er, „doch die mangelnde Konsumbereitschaft wird die Fed zwingen, zu pausieren.“

Zuvor hatten europäische Anleihemärkte am Dienstag die Kursgewinne des Vortags leicht ausgebaut. Zum Handelsschluss lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bei 3,08 Prozent. Damit näherte sie sich ihrem Rekordtief von 3,04 Prozent, das sie Anfang September markiert hatte. Der niedrigste Schlussstand lag ebenfalls Anfang September bei 3,06 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 0,11 Prozentpunkte auf 123,28 Prozent.

Die Anleihen und Terminkontrakte profitierten am Dienstag weiter von der unsicheren Lage in Deutschland nach den Bundestagswahlen. Die sich hinziehende Regierungsbildung und Befürchtungen, dass das Reformtempo in Deutschland gebremst wird, stützten die Nachfrage nach sicheren Bundesanleihen. Dazu kam der mit 38,6 Punkten wesentlich schwächer als erwartete Konjunkturindex des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der zum Teil erst nach den Wahlen erhoben wurde.

Am Primärmarkt wird ab Mittwoch ein zehnjähriger Bond des Medienkonzerns Bertelsmann vermarktet. Er soll 500 Mill. Euro schwer werden. Ein höheres Volumen schlossen Vertreter der Konsortialführer Commerzbank, HSBC und Société Générale aus. Die Preisspanne wird am Mittwoch bekannt gegeben. Schon vor dem so genannten Spread-Talk hätten aber Investoren Interesse bekundet, hieß es bei den Konsortialbanken. Die Ratingagenturen beurteilen Bertelsmann mit den recht guten Noten „BBB+“ bzw. „Baa1“. Die wenigen ausstehenden Bertelsmann-Bonds rentieren etwas niedriger als vergleichbare Anleihen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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