Vor Euro-Gipfel: Anleger kehren Italien den Rücken

Vor Euro-Gipfel
Anleger kehren Italien den Rücken

Italien steht auf der Kippe, das zeigt sich nirgends deutlicher als am Anleihemarkt. Italienische Staatspapiere fallen immer tiefer, die Unterstützung durch die EZB verpufft. Schon werden neue Stützungskäufe diskutiert.
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DüsseldorfEinen Tag vor dem nächsten Euro-Gipfel sendet der Anleihemarkt Alarmsignale nach Italien. Die Kurse italienischer Staatsanleihen sind kräftig gefallen. Die Renditen, die sich gegenläufig bewegen, liegen nur noch hauchdünn unter der als kritisch erachteten Marke von sechs Prozent. Am Morgen rentierten zehnjährige Papiere mit 5,95 Prozent, der Kurs fiel auf 91,70 Prozent. Zeitweise war die Rendite zuvor bis auf 5,98 Prozent gestiegen. Der Renditeabstand zwischen italienischen und gleich laufenden deutschen Bundesanleihen erhöhte sich auf 381 Basispunkte. In der vergangenen Woche war der Spread erstmals auf 400 Basispunkte oder vier Prozentpunkte geklettert.

Nachdem der Schuldenschnitt für Griechenland als nahezu ausgemacht gilt, gerät Italien in der europäischen Schuldenkrise zunehmend in den Fokus. Auf dem Euro-Gipfel am Wochenende hatten die Staats- und Regierungschefs massiven Druck auf Italien ausgeübt, sein Schuldenproblem in den Griff zu bekommen. Das Land hat mit rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach Griechenland die zweithöchste Schuldenquote in der Euro-Zone. Gleichzeitig kommt die italienische Wirtschaft nicht in Schwung, was den Schuldenabbau erschwert.

Als Wackelkandidat gilt Italien auch aufgrund der instabilen politischen Verhältnisse. Wie schwach der Zusammenhalt in der Regierung von Premierminister Silvio Berlusconi ist, zeigte sich am Montagabend, als sich das Kabinett nicht über Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums einigen konnte. Sollte eine weitere Sitzung heute ergebnislos verlaufen, droht Berlusconi mit leeren Händen zum Gipfel der Staats- und Regierungschefs zu reisen.

Um den Druck auf italienische Staatsanleihen zu verringern und die Refinanzierungsfähigkeit des Landes zu erhalten, kauft die Europäische Zentralbank seit Anfang August italienische Anleihen am Markt auf. Vorübergehend konnte die EZB die Renditen dadurch wieder unter fünf Prozent drücken, nachdem diese im Sommer erstmals über die Marke von sechs Prozent geklettert waren. Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer.

Medienberichten zufolge prüfen EU-Experten inzwischen, ob neben der EZB auch der Euro-Rettungsfonds EFSF italienische Staatsanleihen vom Markt kaufen soll. Ein EU-Diplomat sagte der Nachrichtenagentur afp am Montag, es gebe in der Eurogruppe Vertreter, „die sich fragen, ob es nicht an der Zeit ist, Italien diesen Schritt vorzuschlagen“.

Es wäre das erste Mal, dass die neuen Instrumente des Fonds eingesetzt werden. Nach seiner kürzlich beschlossenen Stärkung darf der EFSF Staatsanleihen von Wackelkandidaten auf dem Sekundärmarkt, also bei
Investoren, aufkaufen. Dieser Schritt hieße nicht, dass Italien unter den Rettungsschirm flüchten müsste. Der vorsorgliche Aufkauf von Staatsanleihen eines Landes durch den Rettungsfonds auf dem Sekundärmarkt soll genau diesen Schritt verhindern. Diese Maßnahme erfordert außerdem zuvor die Feststellung „außergewöhnlicher Umstände auf dem Finanzmarkt“ durch die Europäische Zentralbank (EZB).

Italienische Anleihen haben seit Jahresanfang trotz der Unterstützung der EZB mehr als vier Prozent an Wert verloren. Zum Vergleich: Deutsche Bundesanleihen haben sich gleichzeitig um mehr als sechs Prozent verteuert.

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  • Da der Merkelche Plan nicht taugt, wer würde Anleihen unterzeichnen die nur zu 20% garantiert sind, bleibt Italien dann nur eine Möglichkeit: wie Argentinien vor circa 10 Jahren, den Gläubigern ein Angebot zu unterbreiten mit der Wahlmöglichkeit zwischen totaler Verzicht oder Verlängerung der Fälligkeit um 30 Jahren mit einer Durchschnittsverzinsung von 3%.
    Besser wäre eine auf die Inflation indexierte Verzinsung.
    Das hat für Argentinien wunderbar funktioniert, warum sollte es für Italien nicht funktionieren?
    Dadurch brauchen sich die Italiener mit den geistig verwirrten Möchtegern-Europaführer/innen nicht zu beschäftigen.

  • Da der Merkelche Plan nicht taugt, wer würde Anleihen unterzeichnen die nur zu 20% garantiert sind, bleibt Italien dann nur eine Möglichkeit: wie Argentinien vor circa 10 Jahren, den Gläubigern ein Angebot zu unterbreiten mit der Wahlmöglichkeit zwischen totaler Verzicht oder Verlängerung der Fälligkeit um 30 Jahren mit einer Durchschnittsverzinsung von 3%.
    Besser wäre eine auf die Inflation indexierte Verzinsung.
    Das hat für Argentinien wunderbar funktioniert, warum sollte es für Italien nicht funktionieren?
    Dadurch brauchen sich die Italiener mit den geistig verwirrten Möchtegern-Europaführer/innen nicht zu beschäftigen.

  • ich würde dem Bunga Bunga Häuptling mein Erspartes für
    Anleihen geben, da habe ich blindes Vertrauen
    ha, ha, ha, ......

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