Vor EZB-Anleihenkäufen
Renditen südeuropäischer Papiere auf Rekordtief

Die Europäische Zentralbank will schon bald Anleihen kaufen und Geld in die Finanzmärkte pumpen. Die südeuropäischen Papiere gewinnen schon jetzt. Griechenland sorgt dagegen für Unsicherheit, Bundesanleihen verlieren.
  • 0

Berlin/FrankfurtDie nahenden Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Rendite der südeuropäischen Papiere am Montag erneut auf Rekordtiefs gedrückt. Die zehnjährigen Titel aus Italien rentierten zeitweise bei 1,296 Prozent, die Bonds aus Spanien bei 1,227 Prozent und ihre Pendants aus Portugal bei 1,737 Prozent.

Offenbar setzten einige Anleger darauf, dass die EZB mit dem sogenannten Quantitative Easing (QE) bereits begonnen hat, sagte Commerzbank-Anlagestratege Rainer Guntermann. Die Währungshüter würden aber sicher erst einmal bei ihrer Ratssitzung am Donnerstag die letzten Details festzurren und dann in der kommenden Woche mit Anleihekäufen beginnen.

Die EZB will rund eine Billion Euro in die Finanzmärkte pumpen. Damit soll die schwächelnde Konjunktur der Euro-Zone angekurbelt und die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abgewendet werden.

Vor diesem Hintergrund verfolgten Anleger aufmerksam die Inflationsdaten aus der Euro-Zone. Des Preisrückgang verlangsamte sich im Februar auf 0,3 Prozent von 0,6 Prozent im Vormonat. Einige Investoren trennten sich daraufhin von den als sicher geltenden Bundesanleihen. Dies erhöhte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 0,325 Prozent. In der Vorwoche waren sie auf ein Rekordtief von 0,284 Prozent gefallen.

Die niedrigen Zinsen haben dem Bund in den vergangenen Jahren bereits massive Einsparungen beschert. In den Jahren seit 2010 hat der Bund gegenüber der damaligen Finanzplanung gut 46 Milliarden Euro geringere Zinsausgaben gehabt als erwartet worden war.

In diesem Jahr veranschlagt er im Bundeshaushalt lediglich Zinsausgaben von 25,6 Milliarden Euro auf den Schuldenberg von rund 1300 Milliarden Euro. 2008 waren es noch über 40 Milliarden Euro - und das bei einem deutlich niedrigeren Schuldenberg von 980 Milliarden Euro.

Für etwas Verunsicherung am Markt sorgte nach wie vor die Lage in Griechenland. Zwar haben die Euro-Länder in der vergangenen Woche einer Verlängerung der Hilfen für das hochverschuldete Land um vier Monate zugestimmt.

Am Wochenende kamen jedoch wieder einige Äußerungen aus Athen, die darauf schließen lassen, dass in dieser Hinsicht nicht so schnell Ruhe einkehren wird. So wurde das Thema Schuldenschnitt wieder aufgeworfen. Zudem erklärten griechische Regierungsvertreter, dass die Zahlung demnächst fälliger Zins- und Tilgungsleistungen gefährdet sei. Zehnjährige griechische Anleihen rentierten bei 9,18 Prozent vier Basispunkte höher.

Von konjunktureller Seite stehen die Arbeitslosenzahlen für die Euro-Zone im Januar an, die Verbraucherpreise in der Region im Februar und der Markit-Einkaufsmanagerindex für das herstellende Gewerbe im Februar. Die Volkswirte der National-Bank in Essen erwarten, dass die Zahlen „bestätigen, dass es hierzulande langsam bergauf mit der Wirtschaft geht“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Vor EZB-Anleihenkäufen: Renditen südeuropäischer Papiere auf Rekordtief"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%