Vorstandschefs, Volkswirte und Notenbanker warnen vor stark steigenden Zinsen
Banken fürchten Blase am Rentenmarkt

Führende Vertreter der Kreditwirtschaft und Notenbanken warnen vor spekulativen Blasen an den Rentenmärkten, deren Platzen sprunghaft steigende Zinsen zur Folge hätte. Am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagten dem Handelsblatt mehrere Top-Banker, sie hielten die Rentenmärkte für überbewertet. Allerdings sei das Weltfinanzsystem gut gerüstet, um ein Platzen der Rentenblase zu verkraften.

WASHINGTON. Trotz Leitzinserhöhungen vor allem der US-Notenbank sind die Kapitalmarktzinsen in jüngster Zeit gefallen. Dies ist ungewöhnlich, zumal in den USA und Asien die Wirtschaft solide wächst. Die meisten Bankstrategen halten die Anleiherenditen gegenwärtig für zu niedrig und erwarten kräftig steigende Zinsen.

Besonders der Chef der Hypo-Vereinsbank, Dieter Rampl, blickt mit Schrecken auf den Anleihemarkt. „Die spekulative Zinsblase ist inzwischen so groß, dass sie in den nächsten drei bis sechs Monaten platzen wird“, sagte er in Washington. Dies dürfte die Finanzmärkte im ersten Halbjahr 2005 belasten. Rampl hält beispielsweise ein Zinsniveau von gut vier Prozent bei zehnjährigen US-Staatsanleihen für zu niedrig und befürchtet einen Zinssprung. Die Notenbanken hätten sich auf eine derartige Entwicklung jedoch bereits vorbereitet und wüssten entsprechend zu reagieren, zeigte sich Rampl überzeugt.

Der Rentenmarkt sei überbewertet, sagte auch Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. Die Gefahr, dass die Kursblase platze, könne man nicht ausschließen; dies handele sich aber um den schlimmsten anzunehmenden Fall. Solange die internationalen Notenbanken bei ihrer moderaten Zinspolitik blieben und die hohen Ölpreise nicht auf die Inflationsraten durchschlügen, bestehe keine akute Gefahr, meint Heise. Als Grund für die niedrigen Renditen an den internationalen Bondmärkten sieht Heise vor allem die Furcht der Anleger vor einer Abkühlung der Konjunktur in den kommenden Monaten.

Elemente von Blasen stellt Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank, besonders bei Anleihen aus Schwellenländern fest, deren Zinsaufschlag zu Staatsanleihen aus den USA sich auf historisch niedrigem Niveau befänden. Er begründet das mit dem vielen Geld, das angesichts der schlecht laufenden Aktienmärkte und sehr niedriger Zinsen Anlagemöglichkeiten suche. Hier sei mehr Vorsicht angebracht, warnt Ramm.

Seite 1:

Banken fürchten Blase am Rentenmarkt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%