Wachsende Inflationsgefahren
Anleihehändler rechnen mit steigenden Renditen

Hohe Rohölpreise und veränderte Kapitalströme gelten als Unsicherheitsfaktoren in den Konjunktur- und Zinsszenarien.

FRANKFURT/M. Die Rentenmärkte sind in guter Verfassung. Dies ist abzulesen an den weiter steigenden Kursen langlaufender Anleihen. Dennoch glauben viele Analysten an anziehende Renditen und berufen sich auch auf die wachsenden Inflationsgefahren durch höhere Rohstoffpreise. Sie sehen jedoch unterschiedliche Entwicklungen bei der Konjunktur und Leitzinspolitik in den USA im Vergleich zum Euroraum sowie neue Trends bei den internationalen Kapitalströmen.

Aus diesen Gründen rentieren zehnjährige US-Treasuries gegenüber der Bundesanleihe rund einen Prozentpunkt höher – der höchste Vorsprung seit etwa fünf Jahren. Am vergangenen Freitag warfen die US-Titel nur noch 4,21 Prozent ab. Bundesanleihen fielen auf 3,19 Prozent und kamen damit ihrem vor zwei Monaten markierten Allzeittief von 3,11 Prozent sehr nahe.

Einen Schub auf dem Weg nach unten erhielten die US-Renditen zuletzt durch Zahlen über die Kapitalströme aus dem Ausland. Daten über verstärkte Käufe ausländischer Bonds durch japanische Investoren in der zweiten Augustwoche stimulierten die Kurse.

Die steigenden Ölpreise wirken in die gleiche Richtung. Manche Analysten erwarten aus diesem Grund schwächere Wirtschaftswachstumsraten. Sie rechnen beispielsweise mit stärkerer Konsumzurückhaltung der Verbraucher, die steigende Anteile des Einkommens auf ihren Energiebedarf verwenden müssen. Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, taxierte den ölpreisbedingten Wachstumsabschlag vor einem Monat bereits auf 0,75 Prozentpunkte.

Mittelfristig haben die Marktteilnehmer jedoch – unter anderem – steigende Inflationsraten im Blick. Innerhalb von zwei Monaten stieg der Anteil der Geldverwalter, die auf Zwölfmonatssicht auf globaler Ebene eine beschleunigte Geldentwertung erwarten, von knapp der Hälfte auf zwei Drittel. Das ergab die jüngste Umfrage von Merrill Lynch. Daher glauben viele Analysten, dass Greenspan seine Politik der sukzessiven Leitzinserhöhungen fortführen wird. Im Gegensatz dazu hält die Europäische Zentralbank an ihrem seit über zwei Jahren geltenden Leitzins fest – und liefert damit einen der Gründe für den gestiegenen Renditevorsprung der US-Papiere.

Wichtig für die zunehmende Differenz sind außerdem die absehbaren Veränderungen in den internationalen Kapitalströmen. Viele Fachleute weisen darauf hin, dass die niedrigen US-Kapitalmarktsätze nicht ohne die gestiegenen Treasury-Käufe durch ausländische Adressen möglich gewesen wären. Diese tragende Säule für die Kurshausse sieht Dresdner Kleinwort Wasserstein jetzt bröckeln. Aus den jüngsten monatlichen Zahlen schließen die Analysten des Hauses: Die Notenbanken schraubten vermutlich ihre Nachfrage nach US-Staatspapieren zurück, und dem stehe kein ausreichender Anstieg der ausländischen Privatnachfrage gegenüber.

Den globalen Konjunktur- und Inflationsentwicklungen werden sich beide Regionen jedoch nicht entziehen können. Das illustrieren die aktuellen Renditeschätzungen der Banken. Dresdner Kleinwort Wasserstein sieht die Rendite der zehnjährigen Treasuries in sechs Monaten bei 4,50 Prozent, die entsprechende Bundesanleihe bei 3,40 Prozent. Den Ergebnissen einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter Analysten zufolge wird die Effektivverzinsung der Bundesanleihe bis zum Jahresende auf 3,6 Prozent anziehen.

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